Der Frosch der Versuchung

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Reinweiß: Das Einhorn gilt als Symbol der Reinheit.

Sprechende Tiere und zu Tieren verzauberte Menschen – in Märchen ist vieles möglich, um Belehrungen unters Volk zu bringen...

Märchen sind wundersame Geschichten, die vielfach aus mündlicher Überlieferung stammen. Die Gebrüder Grimm begannen sie im frühen 19. Jahrhundert anfangs eher aus volkskundlichen Gründen aufzuschreiben, erst später wurden sie zu den „Kinder- und Hausmärchen“ und prägten den Begriff „Märchen“. Fabeln hingegen sind von Anfang an lehrhafte Geschichten, bei denen man den Verfasser kennt. Er will etwas transportieren – und dazu braucht es Tiere.

Im Märchen sind Tiere gleichwertige Geschöpfe, sie sind Brüder und Schwestern. Und es passiert oft, dass Geschwister in Tiere und später zurück in Menschen verwandelt werden!

Mit tierischer Hilfe Königstöchter angeln 

In „Brüderchen und Schwesterchen“ (1819) hasst die Hexe mit der eigenen hässlichen Tochter ihre anmutigen Stiefkinder so sehr, dass diese fliehen müssen, aber aus einem verfluchten Brunnen trinken, der „Brüderchen“ in ein Reh verwandelt. „Die sieben Raben“ (1819) waren früher sieben Brüder, die eigentlich für die neu geborene Schwester Wasser holen sollten, aber den Krug zerbrachen. Weil der Vater annahm, sie hätten den Auftrag verbummelt, wünschte er sich gedankenlos: „Ich wollte, dass die Jungen alle zu Raben würden.“

Oft dreht es sich im Märchen auch um die Heirat zwischen Mensch und Tier, wobei das Tier ein verzauberter Mensch ist. Da folgern Literaturwissenschaftler und Psychoanalytiker gerne, dass diese Märchen für das Unbekannte des anderen Geschlechts stünden. Und nur wer das überwindet, schaffe es zu einer guten Partnerschaft. Dazu muss die Prinzessin in „Der Froschkönig“ den Frosch an die Wand werfen. In „Hans mein Igel“ verbrennt die Braut das Stachelkleid in der Hochzeitsnacht – und es erscheint ein Mensch.

Wer sich als Tier nicht in einen Menschen verwandelt, der hat im Märchen oft Zauberkräfte oder ein ganz spezielles Wissen, das dem Helden der Geschichte helfen kann, schwierige Aufgaben zu lösen.

„Die weiße Schlange“ ist eine fantastische Geschichte, wo ein Diener am Hof in die Welt hinausreitet. Durch den Genuss von Schlangenfleisch kann er mit Tieren sprechen. Unterwegs rettet er drei Fische, er reitet extra einen Umweg, um ein Ameisenvolk zu schonen. Er gelangt zu einem Schloss, wo die schöne Königstochter den nehmen will, der eine Aufgabe löst. Im Fall eines Misserfolgs droht der Tod.

Er soll einen Ring aus dem Meer holen. Die drei Fische bringen ihn für ihn an Land. Die Königstochter will aber keinen Diener heiraten und nimmt an, dass er es nicht schafft, drei Säcke Hirse aus dem Gras zu sammeln. Aber für die emsigen Ameisen ist das ein Klacks. Als er dann noch Raben einen Apfel vom Baum des Lebens pflücken lässt, ist es um die verwöhnte Tochter geschehen – allerdings erst, nachdem sie von dem Apfel gegessen hat. Und wenn sie nicht gestorben sind...

Einhorn: Fabelhaftes Fabelwesen

• In „Das tapfere Schneiderlein“ gibt es ein Einhorn, das im Wald des Königs Schaden anrichtet. Der Schneidersbursche soll es fangen, was mit einem Trick auch gelingt: Er springt gerade noch zur Seite, das Einhorn rammt sein Horn in einen Baum und bleibt stecken. Ein übellauniges Einhorn ist in der Geschichte eher die Ausnahme. Sonst werden die Geschöpfe meist als Symbole der Reinheit dargestellt.

• Ein Einhorn war auch ein wichtiges Instrument im Mittelalter: Gift war das gefährlichste Mordinstrument, Vorkoster sollten den Adligen retten. Oder eben ein Einhorn, ein Trinkhorn, dass vor Gift schützte. Man kann sich vorstellen, was da für ein Reibach mit angeblichen Einhorn-Hörnern gemacht wurde...

• Eine andere Legende besagt, dass ein Einhorn nur sein Horn in einen vergifteten Teich halten musste und schon war die Wasserquelle für die anderen Tiere wieder rein. In China gibt es Kí-lin, ein Einhorn, das Glück bringen soll, wenn man ihm begegnet. Bei den Römern begleitete es die Jagdgöttin Diana.

• Der Wissenschaft reichte das nicht, sie fragte immer wieder: Gab es wirklich Einhörner? Fans sind sich sicher: Die Nicht-Existenz konnte nie bewiesen werden! Sicher ist: Um 400 v. Chr. war Ktesias Arzt am Hof des persischen Königs. Dort hatte er von Nashörnern erfahren. Wahrscheinlich um sich ein bisschen wichtig zu machen, trug er sein Wissen heim nach Griechenland – das Einhorn war geboren. Er behauptet auch als erster, dass das Horn vor Giftanschlägen schützen würde.

Tierische Märchen

FRÖSCHE UND PRINZEN

• Adler, Greif: Schneeweißchen und Rosenrot – der Adler ist der Gegenspieler des Zwergs.

• Ente: Ob Hänsel und Gretel, Die drei Männlein im Walde, Der Liebste Roland, Die weiße Ente, Die Bienenkönigin – überall tauchen Enten auf, die fürs Mütterliche stehen.

• Esel: Tischlein deck Dich, Bremer Stadtmusikanten, Der Prinz mit den Eselsohren. In Pinocchio verwandelt sich der Faulenzer in einen Esel.

• Frosch, Kröte: Froschkönig, Die Froschprinzessin, Der Teufel mit den drei goldenen Haaren, Der Müller und die Nixe – viele Frösche muss man küssen, bis sie zum Prinzen werden.

• Pferd: Die Gänsemagd, Die Jungfrau auf dem Glasberg, Der Meisterdieb, Der goldene Vogel, Der Feuervogel und der graue Wolf, Das Ebenholzpferd – geritten wird immer, kaum ein Märchen ohne Pferde.

• Ziege: Der Wolf und die sieben Geißlein, Tischlein deck dich, Goldesel streck dich und Knüppel aus dem Sack – mit dem legendären Satz: „Ich bin so satt, ich mag kein Blatt.“

WICHTIGE TIERMÄRCHEN

Erich Kästner: „Der gestiefelte Kater“; Hans Christian Andersen: „Die Nachtigall“, „Däumelinchen“, „Das hässliche Entlein“ aus „Sämtliche Märchen“; Gebr. Grimm: „Vom Fischer und seiner Frau“; „Die Bremer Stadtmusikanten“, „Der Wolf und die 7 Geißlein“, „Der Hase und der Igel“

von Nicola Förg

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