Welturaufführung der Kinderoper "Märzenburg" im Rahmen von "KinderKlassik"

Kaufbeurer Sage auf der Opern-Bühne

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Die fünf Sinneskobolde singen vor der Waldkulisse DAS LIED DER SINNE.

Kaufbeuren – Nach gut drei Jahren Vorbereitung war es endlich so weit: Die Kauf­beurer Kinderoper „Märzenburg“ von Ulrich Hahn erlebte im Rahmen der dieses Jahr bereits zum 5. Mal durchgeführten Aktion „KinderKlassik im Stadttheater“ am vergangenen Freitagabend vor geladenen Gästen die Vorpremiere zu ihrer Welturaufführung.

Die bewährte Kooperation zwischen der Kaufbeurer Bürgerstiftung, der Kulturwerkstatt und der Ludwig Hahn Sing- und Musikschule Kaufbeuren hat es – nicht zuletzt auch dank einer Reihe von öffentlichen und privaten Sponsoren (unter ihnen der „Bezirk Schwaben“, der „Kulturfonds Bayern Bildung und Kultus“ sowie das Bundesprogramm „Demokratie leben“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) – mitsamt dem Druck eines ausführlichen Programmhefts möglich gemacht.

Die Märzenburg-Sage, wonach die Burg nach einem Fluch der betrogenen blinden Schwester im Erdboden versinkt, gehört in Kaufbeuren in den Heimatkunde-Lehrplan der Grundschulen und dürfte somit hinreichend bekannt sein. Thomas Garmatsch hat allerdings mit seiner Kulturwerkstatt-Truppe die Handlung im Libretto leicht verändert, ergänzt und „aufgehellt“, schließlich sollte es eine Oper für Kinder werden: Im freundlichen, lichten Laubwald um die Märzenburg wurden fünf lustige, dickbäuchige Sinneskobolde „Laubbläser“ (Jessica Häring, Hören), „Duftsammler“ (Michaela Blaschek, Riechen), „Gaumentroller“ (Gretel Ribka, Schmecken), „Kieselhüpfer“ (Annika Grundner, Fühlen) und der kleine „Windblinzler“ (niedlich Kilian Goldhahn, Sehen) angesiedelt.

Auch wird erklärt, weshalb die Märzenburg-Prinzessinnen Siegrid (Hannah Kirchdorfer) und Helena (Jana Gautier) ihre jüngste Schwester so sehr hassen: Sie sind eifersüchtig auf die liebevolle Fürsorge, die der Vater der blinden Tochter schenkt, obwohl sie doch „schuld am Tod der Mutter ist“, die bei ihrer Geburt starb. Und es gibt mit dem Förstersohn Ferdinand (Vinzenz Wildung) ein Happy End für die blinde Anna (Phila Weber), da es eigentlich schon immer ungerecht schien, dass sie in der Sage mit verwünscht wird, obwohl sie eigentlich das Opfer ist.

Für die musikalisch anspruchsvollen Arien in dieser Kinderoper wurde jedem jugendlichen Kulturwerkstatt-Schauspieler ein an der Musikschule ausgebildeter Sänger als „Stimme“ zur Seite gestellt. Kostümbildnerin Dagmar Meyer hat für sie jeweils farblich passende Umhänge geschneidert: Blutrot für Siegrids Stimme Michaela Gebhart (Mezzosopran), Giftgrün für Helenas Stimme Monica Schwarz (Alt) und Dunkelblau mit hellblauen Schleifen für Patrizia Menzel (Sopran) zu Annas hellblauem Kleid. Bernhard Fritsch (Bass-Bariton), die Stimme für den waldgrün gekleideten Förstersohn Ferdinand, trägt einen grünbraunen Umhang. Nur der König (Andreas Wimmer, Bass) spielt und singt in Personalunion und auch die Sinneskobolde tragen ihr Koboldlied selbst vor, das einigen vielleicht noch von der Tänzelfesteröffnung 2017 in Erinnerung ist.

Das zehnköpfige Orchester unter Musikschulleiter Martin Klein findet so gerade Platz im wiederhergestellten Orchestergraben. Besonders die großen Pauken für das Trommelgetöse beim Sturm und beim Versinken der Burg nehmen viel Raum ein.

Bühnenbildner Werner Schmidbauer hat eine drehbare Märzenburg mit der trutzigen Außenansicht auf der einen und einer orientalisch-opulenten Innenansicht auf der anderen Seite gebaut und die Sinneskobolde agieren mit ihren phantasievollen, von den Schülern der Schnitzschule Oberammergau konstruierten Symbol-Objekten vor einer durchscheinenden Laubwald-Kulisse. Auch die Beleuchtung passt sich stimmungsvoll den jeweiligen Gelegenheiten wie Waldmorgen, Gewittersturm, Burguntergang oder der Schwärze des Untergrunds an.

Kurz: die Kaufbeurer Kinderoper „Märzenburg“ kann sich in jeder Beziehung absolut sehen und hören lassen – auch von Erwachsenen. 

Von Ingrid Zasche

Weitere Aufführungstermine:

23., 24. und 25. Februar, jeweils von 17 bis 18.30 Uhr. Der Vorverkauf findet in den üblichen Vorverkaufsstellen sowie im Stadtmuseum Kaufbeuren, Ludwig Hahn Sing- und Musikschule, Buchhandlung Menzel, Tabakwaren Engels & Häuserer,

Engels Genussreich und online über www.reservix.de statt.

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