Politischer Aschermittwoch

"SPD-Aufwindveranstaltung"

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SPD-Führung beim Starkbieranstich am politischen Aschermittwoch: Bundestagskandidat Pascal Lechler (v. li.), Landtagsabgeordneter Dr. Paul Wengert und Fraktionsvorsitzende im Kaufbeurer Stadtrat Catrin Riedl.

Kaufbeuren – Bei Starkbier und zünftiger Blasmusik der Fliegerhorst-Kapelle feierte die Kaufbeurer SPD ihren politischen Aschermittwoch. SPD-Wahlkreiskandidat Pascal Lechler und Gastredner SPD-Landtagsabgeordneter Dr. Paul Wengert schworen die Anwesenden Parteigenossen und Gäste auf die kommende Bundestagswahl ein.

SPD-Stadträtin Catrin Riedl verblüffte die Anwesenden mit dem Slogan: „Sie sind bei einer Aufwindveranstaltung. Die SPD im Aufwind“ und begrüßte auch Vertreter anderer Gruppierungen aus Kaufbeuren, den Grünen, der Bürgerinitiative „Neues Kaufbeuren“, den Freien Wählern und des Deutschen Gewerkschaftsbund. Die bedankten sich für die Einladungen und bestätigten keinerlei Berührungsängste. „Wir gehören zu den BUNTEN in Kaufbeuren und arbeiten in vielen Projekten zusammen“ freute sich Riedl, die auch Fraktionsvorsitzende im Stadtrat ist.

Pascal Lechler stellte sich als Wahlkreiskandidat vor, der für die „älteste und beste Partei Deutschlands“ in den Bundestag einziehen wolle und nahm die CSU aufs Korn. Das C der CSU stehe nicht mehr für christlich im Umgang mit den Asylbewerbern, das S stehe bei der CSU schon lange nicht mehr für sozial und das U stehe nicht mehr für Union, wenn man das Zögern und Zaudern bei der Kanzlerkandidatur von Angela Merkel verfolgt habe. Die FDP auf Bundesebene bezeichnete er als Luftnummer und One-Man-Show. Als Verdienst für die SPD hob er die Einführung des Mindestlohnes und für das bereitgestellte Geld für den Ausbau der Kindertagesstätten hervor und beschwor die soziale Gerechtigkeit als großes Leitthema für diese Bundestagswahl.

Die eigentlichen Ursprünge des politischen Aschermittwochs reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück, als im niederbayerischen Vilshofen die Bauern beim Vieh- und Pferdemarkt um die Tiere feilschten und dann an den Biertischen ins Politisieren kamen. Diese Tradition hatte die SPD an diesem Abend aufgegriffen und ein Bierfass mit Starkbier bereitgestellt. Dr. Wengert zapfte mit drei Schlägen und einigen Spritzern an und legte los: „Wer hätte vor fünf, zehn oder 15 Jahren gedacht, geahnt, befürchtet, dass wir wieder für die Demokratie kämpfen müssen – für Freiheit, für Toleranz und für Weltoffenheit“. Leidenschaftlich zählte er eine Anzahl von nationalistischen Bewegungen in Europa auf: Front National in Frankreich, Freiheitspartei in Holland, FPÖ in Österreich, Jobbik in Ungarn, und auch die AfD. Björn Höcke bezeichnete er dabei als „Josef Goebels im Mickey-Mouse-Format“. Eine Debatte um die deutsche Leitkultur müsse man eigentlich nicht führen. „Leitkultur ist nicht das, was die CSU sagt, sondern was in den 20 ersten Artikeln im Grundgesetz steht“. Und er erinnerte leidenschaftlich daran, dass Sozialdemokraten an dieser Verfassung entscheidend mitgestaltet hätten und forderte: „Darauf dürfen wir durchaus ab und zu auch mal stolz sein“. 

Szenenapplaus erhielt Wengert, als er Unternehmen verurteilte, „die bei uns große Gewinne erwirtschaften würden und diese dann ins Ausland bringen, um Steuern in Deutschland zu sparen“. Wengert forderte die SPD-Genossen auf, für Vertrauen in die Politik zu werben. „Es geht ein Ruck durch unsere Partei“, veränderte Wengert ein bekanntes Zitat von Roman Herzog und hatte auch gleich den Grund parat: „Martin Schulz“. Der bringe neue Kraft in den SPD-Wahlkampf. Wengert forderte „Leidenschaft, Verantwortungsbewusstsein und Augenmaß für unsere Politik“, mit Martin Schulz an der Spitze. Mit einem „Glück auf“ gingen alle Beteiligten zum gemütlichen Teil des Abends über, in dem noch viel diskutiert wurde.

Olaf Zeyer, Bürger aus Kaufbeuren ohne Parteibuch, meinte: „Ich bin ein politisch interessierter Mensch und wollte mich informieren. Es war eine gelungene Veranstaltung“.

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