Wenn das Zentrum abwandert

Nach Aufsagung der Ärzte habe man in Marktoberdorf die Hausaufgaben gemacht, die da lauteten Spezialisierung und Modernisierung. Foto: Veitl

Am Vorabend der Sondersitzung des Kreistages in Marktoberdorf zum Thema Klinikverbund Ostallgäu-Kaufbeuren und dessen weiterer Entwicklung trafen sich die niedergelassenen Ärzte aus der Kreisstadt, um über die drohende Klinikschließung zu diskutieren und nochmals ihre Argumente auszutauschen, warum aus ihrer Sicht das Krankenhaus in Marktoberdorf als solches und voll erhalten werden muss.

Sechs Krankenhäuser gibt es im Ostallgäu, fünf davon gehören zum Klinikverbund Ostallgäu-Kaufbeuren, der Jahr für Jahr rund sechs Millionen Defizit einfährt, weshalb nun über Lösungen nachgedacht wird. Eine davon sieht die vollständige Schließung der Klinik Marktoberdorf vor, eine zweite die „Verstümmelung“ des Standortes als geriatrisches und Operationszentrum, in beiden Fällen fiele etwa die Notarztversorgung weg, auch das gerade erst eröffnete Wundzentrum müsste nach Buchloe umziehen, Marktoberdorf müsste viele Kompetenzen nach Kaufbeuren abgeben. Dabei hat sich die Kreisstadt etwa mit dem Wundzentrum einen Namen erarbeitet, hier tagt auch regelmäßig der entsprechende Kongress. Man habe in Marktoberdorf, so die Meinung der Ärzte, die Hausaufgaben gemacht, die da lauteten Spezialisierung und Modernisierung. So könnten die Patienten hier auf einer modernen Station liegen und sich behandeln lassen, es gebe genügend Ärzte für die Patienten und keine größeren Wartezeiten. „Jedenfalls nicht wie in Kaufbeuren, wo Patienten über Stunden auf die Versorgung warten oder gar auf dem Gang liegen mussten, weil alle Kapazitäten erschöpft waren“, wie ein Arzt berichtete. Doch neben den wohl offenbar bestehenden Defiziten, die die Ärzte in der Nachbarklinik erkannt haben wollen, trieb sie vor allem die medizinische Versorgung der Menschen in Marktoberdorf selbst um. So hatte sich Ulrike Propach vom Förderverein Gedanken gemacht, wie man etwa eine notärztliche Versorgung der vielen Schichtarbeiter, etwa in der Nacht, sicherstellen wolle. Dies sei ein klarer Standortnachteil, so Propach. Außerdem versuche man sich ja konstruktiv einzubringen, so Propach weiter. Aber, wie auch Dr. Thomas Hilscher erkannte, von Seiten der Nachbarstadt Kaufbeuren komme da nichts. Schließlich sei es auch das Klinikum Kaufbeuren, das die Defizite einfahre, in Marktoberdorf fühlt man sich dagegen auf einem guten Kurs. „Und habe man bei der Aufnahmen Kaufbeurens in den Klinikverbund vor vier Jahren nicht eine Garantie für die anderen Häuser abgegeben?“, betonte der Mediziner. Groll, Unverständnis und Vertrauensverlust, so brachte Hilscher die Situation der Marktoberdorfer Ärzte auf den Punkt. In der Runde, in der auch Wolfgang Hannig als Stadtrat und einziges Marktoberdorfer Verwaltungsratsmitglied saß, kursierte zudem der Verdacht, „dieses Gutachten könnte in Wahrheit ein für die Politiker willkommenes Deckmäntelchen für Klinikschließungen sein“, nach dem Motto, „wenn auch eine Firma wie Kienbaum zu diesem Ergebnis kommt…“. Wobei scherzhaft von den Versammelten geäußert wurde, dass „diese beratungsresistente Beraterfirma auch feststellen würde, das Kuhmist nach Marmelade schmecke“. Dennoch soll Kienbaum die von den Ärzten gemachten Vorschläge bis zur Sitzung des Verwaltungsrates am 26. Mai abarbeiten und festhalten, inwieweit diese Ergebnisse umsetzbar wären. „Ansonsten könnte es durchaus passieren“, so einer der Ärzte, „dass das gesamte Zentrum abwandere. Man muss ja schließlich als Arzt seinen Patienten nicht Kaufbeuren als Krankenhaus empfehlen. Schon heute fahren viele Ostallgäuer nach München-Pasing, um sich in der dortigen HNO-Klinik operieren zu lassen, nachdem in Kaufbeuren auch keine Kapazitäten mehr frei sind“.

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