Gemeinschaftlich bauen

Werkstattgespräche rund um die Zukunft des Wohnens im Allgäu

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Sie diskutierten leidenschaftlich die Idee des gemeinschaftlichen Bauens und Wohnens: Architekt und Stadtplaner Felix Bembé (von links), Theo Keller, Architekt und Mitinitiator der Baugenossenschaft wohnen+ in Wangen, Martin Hofmann, Stadtplaner und Gemeinderat von Irsee, Ramona Riederer von der Allgäu GmbH und Moderatorin Ulrike Gaube.

Allgäu/Marktoberdorf – Es erscheint einleuchtend, über die Zukunft des Wohnens in einer Werkstatt zu diskutieren. Denn logischerweise werden tagtäglich die Stellschrauben dieser Zukunft neu justiert. Neue Wohnformen verändern das Bild unserer Stadtzentren und immer mehr auch das unserer Dörfer.

Wie mögen unsere Häuser der Zukunft aussehen? Diesen und ähnlichen Fragen stellten sich Städteplaner, Architekten und Bauherren in einer offenen Podiumsdiskussion in Marktoberdorf. Vergangene Woche lud die Plattform Atelier Werkstatt Marktoberdorf in Kooperation mit der Allgäu GmbH, dem architekturforum allgäu und dem Treffpunkt Architektur Schwaben der Bayerischen Architektenkammer zu ihren Werkstattgesprächen.

Im Allgäu wird es langsam, aber sicher eng. Diesen Eindruck erweckte die Wohnraumbedarfsanalyse Allgäu 2030 der Allgäu GmbH, die Projektleiterin Ramona Riederer zur Einstimmung auf das Thema Wohnen im Allgäu vorstellte. Die Bevölkerung werde wachsen und immer älter werden, heißt es darin. Auch das bestätigt die Prognose: Unsere Haushalte werden immer kleiner. Der Bedarf an Wohnraum steige daher kontinuierlich bis 2030 an. Schon jetzt sei diese Entwicklung erkennbar, denn an den Siedlungsrändern entstehen immer mehr Neubaugebiete für kleinräumiges Bauen: vom Einfamilienhaus bis zur Reihenhaussiedlung mit Gartenparzellen. „Der einzelne Kubus auf der grünen Wiese wird bald Geschichte sein“, hielt Theo Keller, Architekt und Mitinitiator des Projekts Wohnen+ in Wangen dagegen. Keller gründete vor fünf Jahren die Baugenossenschaft wohnen+, die sich für ein Generationen übergreifendes und gemeinschaftliches Wohnprojekt in Wangen im Allgäu engagiert. „Wir haben für wohnen+ die Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft gewählt, weil sie unserem Prinzip der gemeinsamen Verantwortung am besten entspricht“, sagte Keller. Geplant ist aktuell eine Wohnanlage für rund 20 Einheiten mit einer Vielzahl an Gemeinschaftsräumen, wie Gästezimmer oder eine Fahrradwerkstatt.

Bauen in der Gemeinschaft?

Auch Architekt Felix Bembé bereicherte den Abend mit der Vorstellung eines 2016 fertig gestellten Wohnquartiers in Garmisch bestehend aus 27 Wohneinheiten und einem Hotel, das mit einer Baugruppe, also einer Gemeinschaft unterschiedlicher privater Bauherren verwirklicht wurde. Es bedürfe einer versierten Führung und einem langen Atem, gemeinschaftliches Bauen nachhaltig umzusetzen, meinte Bembé. „Jeder Bauherr will seinen Traum vom Wohnen verwirklichen“, erzählte er und verwies auf die Herausforderungen, die dies an die Planer stelle.

Martin Hofmann, Stadtplaner und Gemeinderat in Irsee, ging da einen Schritt weiter. Zwar wären Baugruppenplätze in Berlin heiß begehrt, beim „Allgäuer Einzelegoismus“ werde das Miteinander-Bauen noch skeptisch beäugt. Dennoch ist in Irsee bereits ein Wohnprojekt in Zusammenarbeit mit einer Baugruppe verwirklicht worden. Insgesamt geht das Ostallgäuer Künstlerdorf einen baukulturell besonderen Weg. Hofmann berichtete davon, dass die Gemeinde Grundstücksverkäufe teilweise an qualifizierte Vorentwürfe koppelt und eine Erhaltungssatzung für ältere Gebäude mit einer Förderung verbunden habe. Außerdem plädierte er dafür, dass Gemeinden für ihre spätere Entwicklung so viele Flächen wie möglich in eigenem Besitz behalten sollten.

Inspiration

Die von Stadtplanerin Ulrike Gaube moderierte Runde diskutierte darüber hinaus, wie innerorts leerstehende Gebäude oder Hofstellen sinnvoll für modernes Wohnen genutzt werden könnten – sollten diese Objekte überhaupt zugänglich sein. Im anschließenden öffentlichen Gespräch outete sich manch ein Besucher als Fan des gemeinschaftlichen Bauens. Auch Marktoberdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell zeigte sich angesichts des steigenden Wohnraumbedarfs der Kreisstadt inspiriert von der Idee einer kommunalen Baugenossenschaft. Er verwies auf die Sitzung des Stadtrats am 18. November, die sich der Entwicklung der stadteigenen Flächen annehmen wird. 

ah

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