Fördersumme für "Bayern barrierefrei 2023" wird nicht wie geplant fließen

Kleiner Wermutstropfen

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Die Kurve an der Fußgängerunterführung bei der Firma Rösle weist auf den ersten Blick keine sichtbaren Barrieren auf. Auf den zweiten Blick wird jedoch deutlich: da keine Querungshilfe vorhanden ist, ist die schwer einsehbare Stelle nicht nur für Gehbehinderte, sondern für alle Fußgänger und Radfahrer nur unter Gefahr überquerbar.

Marktoberdorf – Auf der öffentlichen, abschließenden Informationsveranstaltung präsentierte das Planungsbüro Schegk seine Arbeitsergebnisse für die Stadt Marktoberdorf im Rahmen des Projekts „Bayern barrierefrei 2023“. Obwohl die in Aussicht gestellten Fördergelder wohl nicht wie geplant fließen werden, will Marktoberdorf an seinem Ziel fest- halten, durch den Abbau von Barrieren eine „Stadt für alle“ zu schaffen.

Nachdem die Stadt Marktoberdorf im Juli vergangenen Jahres als eine von insgesamt 16 Modellkommunen für das Projekt „Bayern barrierefrei 2023“ ausgewählt worden war, folgte eine mehrwöchige Projektphase, in der laut Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell ein Maßnahmenkatalog mit „notwendigen und wünschenswerten Maßnahmen“ erarbeitet worden ist. Rund 160 Problempunkte wurden dabei identifiziert und mit möglichen Maß- nahmen zur Behebung der Barrieren aufgelistet. Die ersten Ergebnisse dieser Phase wurden am vergangenen Freitag nun der Öffentlichkeit präsentiert. Eine barrierearme Gestaltung sei dabei wichtig für Menschen mit Behinderung, aber auch ein „Komfortfaktor für alle“, so Franziska Lomb vom Planungsbüro Schegk. 

Ziel sei jedoch nicht eine völlige Barrierefreiheit, welche schlichtweg nicht realisierbar sei, sondern eine möglichst barrierearme „Stadt für alle“, die möglichst allen Bewohnern und Besuchern mit ihren unterschiedlichen Bedürf- nissen gerecht wird. Durch eine Bürgerumfrage und mehrere Ortsbegehungen wurden Barrieren erfasst, die Menschen mit Handicap – Rollstuhlfahrer, Menschen mit Hör- oder Sehbehinderungen oder kognitiven Einschränkungen, aber auch Radfahrern, Fußgängern mit Kinderwagen, Kindern und allen anderen Personengruppen die Fortbewegung und Orientierung in der Stadt erschweren. Es konnten auch einige Problempunkte aufgedeckt werden, die auf den ersten Blick nicht als solche erkennbar sind. 

So kamen die Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass beispielsweise die Kurve an der Fußgängerunterführung durch ihre schlechte Einsehbarkeit und fehlende Querungshilfen für Fußgänger und Radfahrer als besonders gefährlich eingestuft werden muss. Das gleiche gilt für den Kreisverkehr in Nachbarschaft zur Firma Fendt. Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Projektphase: „Orientieren in Marktoberdorf ist relativ schwierig“, so Lomb. Ob die schwer verständliche Busfahrpläne oder der keineswegs eindeutige Schilderwald aus Wegweisern – das Orientierungssystem in Marktoberdorf sei eindeutig verbesserungswürdig. Eine bessere Orientierung sei ein „Mehrwehrt für die Stadt“, so Lomb, von dem auch Touristen profitieren würden. Als „kleinen Wermutstropfen“, bezeichnete Bürgermeister Hell die neuesten Ent- wicklungen in Sachen Fördergelder für das Projekt „Bayern barrierefrei 2023“: Kürzlich wurde bekannt, dass die Fördersummen, die das Bayerische Staatsministerium in Aussicht gestellt hatte, wohl nicht wie geplant fließen werden. 

Die Stadt war davon ausgegangen, dass rund 60 Prozent der Gesamtkosten für Maßnahmen zur Umsetzung der Barrierefreiheit über Fördergelder eines Sonderinvestitionsprogramms der Landesregierung finanziert werden könnten (wir berichteten). 

Geld nicht vorrangig

 „Trotzdem war die Arbeit, die das Planungsbüro geleistet hat, natürlich nicht umsonst“, versicherte Hell. Auch wenn die Fördergelder in ihrer erhofften Höhe ausbleiben werden, wolle die Stadt an dem Ziel festhalten, Marktoberdorf in den kommenden Jahren barriereärmer zu gestalten. „Wir machen das nicht, weil es Fördermittel gibt; wir machen das aus Überzeugung“, so Hell. Durch die ausbleibenden Förderungen könnten nun zwar nicht so viele Projekte wie erhofft realisiert werden, dennoch sei geplant, die in dem erarbeiteten Maßnahmenkatalog aufgelisteten Barrieren und Hindernisse nach und nach zu beseitigen. Das Wichtigste seien laut Lomb auch nicht die Fördergelder, sondern dass das Thema „Barrierefreiheit“ durch das Projekt in der Gesellschaft „zum Thema geworden ist“. von Sabrina Hartmann

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