Wertachtal-Werkstätten ziehen in neues Gebäude

Neue (Begegnungs-)Räume

+
Die Pfarrer Sebastian Stahl (li.) und Thomas Hagen sprachen ihren Segen für die neuen Räumlichkeiten und Mitarbeiter der Wertachtal-Werkstätten.

Kaufbeuren – Frisch umgezogen sind die Wertachtal-Werkstätten in das ehemalige Kinoton-Gebäude in der Moosmangstraße 9. Vergangene Woche fand die Einweihung und eine Führung durch die neuen Räume statt, in denen sich ein Elektro- und Logistikbereich, sowie eine neue Gruppe der Förderstätte für Menschen mit schweren Behinderungen befinden.

„Es ist schön, dass du da bist“ sangen die Beschäftigten der Wertachtal-Werkstätten bei der Einweihungsfeier im Beisein von Familie und Betreuern. Dies sei „ein kleines Fest für Freunde“, so Geschäftsführer Alfons Regler, der in diesem Sinne die kanadische Schriftstellerin und Dichterin Lucy Montgomery zitierte: „Die schönsten, angenehmsten Tage sind nicht die, an denen großartige, aufregende Dinge passieren, sondern die mit einfachen, netten Augenblicken, die sich aneinanderreihen wie Perlen an einer Schnur“.

Die Lebenshilfe böte in einem wertschätzenden Klima eine Bandbreite an Angeboten, um möglichst viele Lebenswege zu begleiten. Regler zog einen Vergleich zwischen den ehemaligen Räumen des Kinoton, dem „weltweit bedeutendsten Hersteller von Filmprojektoren“, und den Werkstätten, die auch eine Technik zur Verfügung stellen würden, um den Menschen „neue Blicke zu eröffnen“.

Lebenshilfe-Vorstand Hans Raabe erinnerte an die Zeiten, in denen das Gebäude leer stand und teuer zu verkaufen war; zunächst über die Größe „erschrocken“, füllten sich die Räume dann ganz schnell mit Leben – und die Familie vergrößere sich weiter. Die Feier an diesem Tag sei „ein kleiner Ruhepol auf dem Weg der Behindertenpolitik, der nie enden wird“.

Inge Lechner als Leiterin der Förderstätte griff den Aspekt der Gemeinsamkeit noch einmal auf und betonte, dass niemand seinen Lebensweg alleine gehen müsse.

„Fast wie in einem Kinosaal“, bemerkte OB Stefan Bosse an die Anwesenden gerichtet und führte den Gedanken noch ein Stückchen weiter: „Die besten Geschichten schreibt das Leben“ und es seien „großartige Geschichten“, jede von ihnen einzigartig, da jeder von uns anders sei. Wertachtal-Werkstätten und Lebenshilfe, so Bosse, leisten einen wertvollen Beitrag für das Ziel, für Menschen mit Handicap eine Arbeit zu finden, die Spaß macht. Auf diesem Weg könnten wunderbar „wirtschaftliche Belange mit einer Förderung der Menschen verbunden werden“, und so lautete hier der Appell, den metaphorischen Film weiter zu führen.

Pfarrer Sebastian Stahl (Christuskirche Kaufbeuren-Neugablonz) und Pfarrer Thomas Hagen (Pfarrei Herz-Jesu) baten um Gottes Segen für die neuen Lebens- und Arbeitsräume aller Beschäftigten der Werkstätten. Nur eine bestimmte Zeitspanne habe der Mensch, „auf der Erde zu leben, lieben und arbeiten, Lebenssinn und Glück zu erfahren“, und so könne man darauf vertrauen und hoffen, dass einem „ein Teil der Güte, Kraft und Fantasie Gottes“ zugute kommen werde. Dies sei ein „sinnvoller Ort, an dem Leben geschieht, Beistand gegeben und zurückgegeben wird“. Die Pfarrer schenkten den Werkstätten ein farbenfrohes Kreuz als Symbol der Hoffnung auf Beistand „von oben“ für alle „Kinder Gottes“.

Unter anderem werden in den Wertachtal-Werkstätten auch stilvolle Möbel aus Papierhülsen gefertigt.

In den großen Räumlichkeiten schneiden und bedrucken die Beschäftigten zum Beispiel Kabel, die für Hochleistungsmotoren eingesetzt werden und fertigen Kabelbäume für Fahrzeuge an. Oder stellen stilvolle Möbel aus Papierhülsen her, arbeiten an der Verpackung und im Versand, und in weiteren Bereichen.

Die Enthospitalisierung sei Lechner zufolge ein wichtiges Anliegen der Förderstätten. All die Menschen, die woanders keine Unterbringung finden, würden hier aufgenommen. Menschen mit Persönlichkeitsstörung, Autismus, geistiger oder körperlicher Behinderung bekämen an diesem Ort die Schutz- und Rückzugsräume, die sie brauchen. Und im besten Fall erreiche man für sie eine Vermittlung auf den ersten Arbeitsmarkt.

von Mahi Kola

Auch interessant

Meistgelesen

Ein "gemeinsames Miteinander"
Ein "gemeinsames Miteinander"
Am Sonntag wird gewählt
Am Sonntag wird gewählt
Vakanz hat ein Ende gefunden
Vakanz hat ein Ende gefunden
"Das Weitblick" öffnet im September 2018
"Das Weitblick" öffnet im September 2018

Kommentare