Wettbewerb: ja oder nein?

Investor und Stadt Kaufbeuren nicht einig über weiteres Vorgehen der Planung am Afraberg

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Im Bereich der Zeppelinhalle auf dem Afraberg soll mit über 300 Wohneinheiten ein neuer Stadtteil entstehen, der altstadtnahes Wohnen möglich macht.

Kaufbeuren – Es wäre ein Novum, wenn die Stadt für ein Grundstück eines privaten Investors einen städtebaulichen Wettbewerb anordnen würde. Doch genau das ist das Ansinnen der Stadtverwaltung und des Bauausschusses im Falle des alten Brauereigeländes auf dem Afraberg, dessen neuer Eigentümer seit Anfang 2018 Florian Biasi, Gründer und Hauptgeschäftsführer der Panntum Projektentwicklungs GmbH in München, ist.

Biasi hingegen schrieb bereits Mitte November in seinem Antrag auf Aufstellung eines Bebauungsplans, dass die Stadt auf die Durchführung eines Wettbewerbs verzichten möge. Stattdessen begrüße er es, wenn die Verwaltung und die Entscheidungsgremien das Planungskonzept des Augsburger Büros 3+Architekten folgen würden.

Auf dem Gelände der ehemaligen Rosen-, Schiffs- und Löwen-Brauerei auf dem Afraberg plant Biasi, wie berichtet, einen neuen kleinen Stadtteil mit einem nachhaltigen Wohn- und Lebensraumkonzept in Abstimmung mit der Stadt Kaufbeuren. Im Ausschuss stellte Architekt Thomas Glogger seinen Planungsvorschlag vor. Von der Lage her handele es sich um ein „supertolles Projekt“, das aber auch Schwierigkeiten aufweise. Bis zu 350 Wohneinheiten „mit hoher Qualität“ sollen auf dem 35.000 Quadratmeter großen Areal entstehen und künftig für bis zu 900 Menschen ein neues Zuhause werden. Die historischen Gebäude Hauberrisserhaus, Zeppelinhalle und Alte Gießerei sollen erhalten und integriert werden. Die Planung sieht neben Wohnungen auch eine Kita (im Gießereigebäude) und einen öffentlichen Spielplatz, Büros und Gastronomie vor. Für die Zeppelinhalle seien Büros als „Haus im Haus“ vorstellbar, die ohne Weiteres rückgebaut werden können. Aufleben lassen wolle man die historische Allee und zudem halb­öffentliche Grünflächen schaffen, was zusammen mit dem neu belebten einstigen Stadtmauerverlauf zu einem Mehrwert betragen solle. „Stadtbalkone“ und „Stadtterrassen“ würden einen tollen Blick über die Stadt ermöglichen.

Eine attraktive Verbindung des Stadtteils zur Altstadt sei von essentieller Bedeutung. Doch fielen bei der Anbindung – ganz gleich ob mit einem Aufzug, einer Schrägbahn oder über eine Seilbahn – Kosten im Bereich von 1,2 Millionen Euro an, deren Übernahme für den Investor wirtschaftlich nicht darstellbar sei. „Hier werden andere Finanzierungsquellen gesucht werden müssen“, heißt es in Biasis Antrag.

„Filetstück“

Stadtplaner Manfred Pfefferle betonte, dass die Planung des Architektenbüros „in vielen Punkten gute Ansätze“ beinhalte, weitere Fragen jedoch noch nicht ganz klar seien. Dabei verwies er beispielsweise auf das Problem mit Tiefgaragen, die jetzt noch Bierkeller seien. Die entscheidende Frage sei jedoch, ob man einen Wettbewerb als Bedingung für die Aufstellung eines Bebauungsplans ausloben solle. Baureferatsleiter Helge Carl empfahl den Ausschussmitgliedern die Variante, die nächsten Schritte auf Basis eines Wettbewerbs zu gehen, da es sich um ein dafür „prädestiniertes Areal“ handele. Auch Stadtrat Oliver Schill (Grüne) befürwortete dieses Vorgehen, denn er sieht in einem Wettbewerb das „Instrument der Qualitätssicherung“. Ralf Baur (SPD) fragte: „Wenn nicht dort, wo dann?“ Das Areal berge viele Zukunfts­chancen, sagte auch Dr. Thomas Jahn (CSU). Für ihn sei die Frage der Anbindung sehr wichtig. Robert Klauer (KI) zufolge handele es sich bei dem Gelände um ein „Filetstück“, das im Hinblick auf Denkmalpflege und Altlasten nicht ganz leicht zu bebauen sei. Auch wenn die bisherige Planung recht ansprechend sei, könne man sie noch besser machen. Klauer wies aber auch darauf hin, dass zu bedenken sei, wie viel Aufwand man betreiben möchte und die Faktoren Zeit und Kosten in die weiteren Überlegungen miteinzubeziehen. Dieser Meinung war auch Johannes Espermüller (FDP), der sagte, man müsse überlegen, wie viele Büros beteiligt werden sollten.

Jahn stellte für den Beschluss einen Änderungsantrag. Der Stadtrat solle in seiner nächsten Sitzung am Dienstag, 18. Dezember, über drei Entscheidungsvarianten, nämlich Wettbewerb, Workshop oder Jury, beraten können. Zudem solle dann aufgezeigt werden, welche Bereiche in einen Wettbewerb einfließen könnten.

von Martina Staudinger

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