Wettergott ohne Erbarmen

Total verregnetes Bürgerfest 2019 in Neugablonz

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Die wenigen Besucher sind dick eingemummelt und mit Schirmen bewaffnet.

Kaufbeuren-Neugablonz – Ein fast leerer Bürgerplatz, die wenigen Besucher dick eingemummelt und mit Schirmen bewaffnet – das Neugablonzer Bürgerfest 2019 war eine traurige Angelegenheit, vor allem im Vergleich mit dem großartigen Fest vom Vorjahr.

Die paar Stände, die nicht wegen der ungünstigen Wetterprognose noch in letzter Minute abgesagt hatten, waren an den Fingern abzuzählen: Tapfer hielten die Luftballon-Verteiler von THW und Sparkasse aus, die Kaufbeurer Andreas-Hofer-Olympiaschützen mit ihren Laserlichtgewehren ignorierten den Regen ebenfalls. Julius Müller ließ sein Mini-Karussell für jedes Kind einzeln fahren und wischte vorher liebevoll den gewünschten Sitz trocken. Bei Lotto-Engels gab es eine kleine Tombola, außerdem waren noch ein Eisstand, der Candyman-Stand sowie der Zauberkuchenstand zu finden. Die Tafel vom Bistro am Markt wies darauf hin, dass man dort Glühwein bekommen konnte.

Entsprechend mau war der Besuch. Die meisten der dennoch unerschrocken Feiernden waren um den Bier- und Wurststand versammelt und in Käsmichls Hütte. Der punktete gleich doppelt: Zum einen konnte man bei ihm warm und trocken sitzen, zum anderen standen ein paar beim Bürgerfest unverzichtbare Neugablonzer Schmankerl auf seiner Karte: Haluschken und Räucherwürste.

Die schon fast traditionellen Bürgerfest-Hauptattraktionen, vor allem für die kleineren und größeren Kinder, fehlten jedoch: Mini-Eisenbahn, Bungee-Trampolin, und Wasserball-Laufen. Auch Menschenkicker und Segway-Parcours hatten abgesagt, Kinderbasteln und Kinderschminken waren ebenfalls nicht mehr im Angebot.

Zumindest verlief auf der großen Bühne gegenüber der Sparkasse, wo eine geschickte Beleuchtung Sonnenschein simulierte, laut Stadtmarketing-Leiterin Verena Ridder alles nach Plan „Alle Beteiligten waren zufrieden und alle Auftritte haben wie vorgesehen stattgefunden“: Zunächst spielte der Musikverein Harmonie Oberbeu­ren e.V. mit einer gemischten „Kaufbeuren-Ostallgäu-Kapelle“ zum Frühschoppen auf. Punkt zwölf Uhr eröffnete OB Stefan Bosse das Bürgerfest offiziell. Er verlieh der Hoffnung Ausdruck, dass die ganzen Besucher des witterungshalber komplett abgesagten Bayern3-Dorffests spätestens um 14 Uhr stattdessen in Neugablonz aufschlagen würden und dirigierte dann den Bayerischen Defiliermarsch.

Zwischen 13 und 14 Uhr zeigten verschiedene Gruppen auf der Bühne am Neuen Markt ihr Können: eine Piloxing-Vorführung, Bauchtanz mit der Gruppe El Shameena aus der Tanzoase Shandra sowie Russische Kindertänze und Mitmachlieder von der Mutter-Kind-Gruppe „Kalinka“. Im Anschluss nahm die Band „White Summer“ die Besucher auf eine Zeitreise des Rock ‘n‘ Roll mit.

Jedenfalls haben sich die anwesenden Standbetreiber und die auftretenden Gruppen nach Kräften bemüht, den der Kälte und dem Regen trotzenden Besuchern etwas zu bieten. Dennoch wurde das Bürgerfest dann doch vorzeitig bereits um 16 Uhr beendet. Man kann nur hoffen, dass der Wettergott den Neugablonzern nächstes Jahr freundlicher gesonnen ist.

Kommentar

In jeder Hinsicht frustrierend...

Ursprünglich sollte das vom Vereinsring Neugablonz ins Leben gerufene Bürgerfest den Vereinen Gelegenheit geben, durch ehrenamtliche Arbeit an Verpflegungs- und Unterhaltungsständen ihre Vereinskassen aufzubessern. Nach der Auflösung des Vereinsrings übernahm das Neugablonzer Quartiersmanagement die Organisation. Wegen finanzieller Probleme griff 2016 die Stadt Kaufbeuren dem Bürgerfest hilfreich unter die Arme, damit die Neugablonzer nicht ausgerechnet zu ihrem Ortsjubiläum ohne Bürgerfest bleiben mussten. Eigentlich hat man da nicht an eine „feindliche Übernahme“ gedacht. Nachdem aber nun das Kaufbeurer Stadtmarketing gemeinsam mit dem Neugablonzer Quartiersmanagement das Bürgerfest drei Jahre lang höchst erfolgreich organisiert hatte, wurde das Bürgerfest dieses Jahr vom Stadtmarketing im Alleingang ausgerichtet. Und höchst befremdet mussten daraufhin die Neugablonzer im Internet lesen: „Neugablonz lädt zum 16. Kaufbeurer Bürgerfest ein“. Naja, „wer zahlt, schafft an“ – aber dem Stadtmarketingverein sei hiermit ins Stammbuch geschrieben: auch wenn Neugablonz zehnmal „nur“ ein Stadtteil von Kaufbeuren ist, dieses Bürgerfest ist ein Neugablonzer Bürgerfest! Bei einem echten Kaufbeurer Bürgerfest sollten nämlich schon auch ein paar alteingesessene Kaufbeurer Unternehmen und Organisationen vertreten sein und nicht bloß die beiden Banken, die Filialen in Neugablonz unterhalten.

Auch eine Schirmherrschaft hielt man dieses Jahr übrigens nicht für notwendig, obwohl so ein prominenter Schirmherr oft tatsächlich den Regen abzuhalten scheint und einer Veranstaltung immer zusätzlichen Glanz verleiht. Ein bisschen zusätzlicher Glanz hätte diesem Bürgerfest nämlich wirklich nicht geschadet. Denn es kam heuer schon sehr mager und überschaubar daher: Waren es 2018 noch um 80 Teilnehmer, so gab es 2019 für die 37 Teilnehmer sehr viel Platz rund um ihre Stände. Dass 2019, wie man hört, erstmals für Verpflegungsstände eine saftige Standgebühr erhoben wurde, mag außerdem mit ein Grund dafür sein, dass sich auffällig wenige Vereine unter den Teilnehmern befanden. Vereine können es sich natürlich nicht leisten, für ihre ehrenamtliche Arbeit auch noch Geld zuzuschießen, anstatt ihrem Verein etwas Gutes zu tun.

Der Besuch des Bürgerfests war ebenfalls entsprechend zurückhaltend. Das kann natürlich auch am nasskalten Wetter und nicht nur an der Verärgerung der Neugablonzer gelegen haben. Nach unserem schönen heißen Sommer fühlten sich zehn Grad eben doch ziemlich unangenehm frisch an, und die mit 87 Prozent Wahrscheinlichkeit den ganzen Tag über drohenden Regenschauer verführten auch nicht gerade zum ausgiebigen Flanieren über einen Festplatz. Aber für solche Fälle war halt in früheren Jahren ein Ausweichtermin vorgesehen und nicht die gnadenlose Aussage „es findet bei jedem Wetter statt“... In all den Jahren musste das Bürgerfest nur zweimal wetterbedingt komplett abgesagt werden.

Kurz gesagt: Obwohl die Standbetreiber, die dem Wetter getrotzt haben, letztlich weder für das Wetter etwas konnten, noch für die diplomatischen Ungeschicklichkeiten der Organisatoren, war das „Kaufbeurer Bürgerfest“ 2019 in fast jeder Hinsicht frustrierend – zumindest für mich, die ich mit Leib und Seele Neugablonzerin bin.

von Ingrid Zasche

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