„Meine Mama macht etwas“

Wie das ehemalige Klostergut St. Anton zum Mehrgenerationen-Ort werden soll

St. Anton Kaufbeuren, Baustelle
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Im ehemaligen Klostergut St. Anton sollen zukünftig Jung und Alt zusammen kommen. Dazu entwickelten Harriet und Joachim Budjarek ein umfassendes Konzept, zu dem eine Tapas-Bar, ein Café und Eigentums- wie auch Ferienwohnungen gehören.

Kaufbeuren – Vom ersten Gedanken bis jetzt, zum Bau, vergingen acht Jahre. Im ehemaligen Klostergut St. Anton entstehen eine Tapas-Bar und ein Café. Darüber vier Galeriewohnungen und in einem Neubau daneben 28 Ferienwohnungen. Das alles mit dem Ziel, jungen Frauen eine Perspektive und pflegenden Angehörigen Erholung zu ermöglichen. „Wir wollen kein verkapptes Pflegeheim mit passiver Betreuung“, sagte Initiator Joachim Budjarek, „wir wollen ein Miteinander der Generationen“. Mit im Boot ist auch der Kaufbeurer Betreuungs- und Pflegedienst „Home Instead“, wie Geschäftsführerin Claudia Herrmann dem Kreisbote berichtete.

Gemeinsam mit seiner Frau Harriet, kümmert sich Budjarek seit rund 13 Jahren um junge Mütter, die mit ihrem Leben nicht zurecht kommen. Das Mutter-Kind-Projekt startete mit zwei Plätzen, mittlerweile sind es 19, aufgeteilt in mehrere Wohngruppen in Kaufbeuren und Marktoberdorf. Das Ehepaar führt die gemeinnützige Gesellschaft „Lebenskonzepte-Budjarek“ aus Überzeugung und mit Leidenschaft. „Man kann soviel tun“, möchten Budjareks mit ihrem Konzept weg von Stigmatisierungen leistungseingeschränkter Menschen.

Die jungen Mütter sollen einer Arbeit nachgehen können. Aus diesem Grund sei die Idee entstanden, Arbeitsplätze für jene zu schaffen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt überfordert sind. In dem ehemaligen Klostergut in der Nähe des Klinikums finden nun eine Tapas-Bar und ein Café ihren Platz. Dort werden die Frauen mitarbeiten und so auf ein selbständiges Leben vorbereitet. Dafür erarbeiteten die Investoren einen umfassendes Organisationsplan. Im Mai sollen die Tapas-Bar und das Café eröffnet werden.

Der Betreuungs- und Pflegedienst „Home Instead“ wird Teil des Projekts. Denn die 28 Ferienwohnungen in einem Neubau daneben stehen nicht nur gesunden und selbständigen Feriengästen zur Verfügung. Sie sollen vor allem jene beherbergen, die unter anderen Umständen ihren pflegebedürftigen Angehörigen in ein Heim geben müssten. „Unser Konzept ermöglicht das“, erklärte die Geschäftsführerin Herrmann. Denn der Betreuungs- und Pflegedienst bietet nicht nur Langzeitpflege an. Zukünftig können pflegende Angehörige, die einen Urlaub in den Ferienwohnungen buchen, sich an „Home Instead“ wenden. Es bestehe kein fester Vertrag, so Herrmann. Individuell könne entschieden werden, wie eine Rundumbetreuung für die Zeit des Aufenthalts aussehen soll, betonte Herrmann.

Niemanden ausschließen

Budjarek selbst beauftragte „Home Instead“ für die Betreuung seines mittlerweile verstorbenen Vaters und ist von diesem Dienst überzeugt. „Wir möchten dort vor allem Lebensqualität vermitteln“, ist der Wunsch Budjareks. „Die Mitarbeiter von ‚Home Instead‘ leben diese Einstellung.“ Denn, so der Grundgedanke der Investoren, während sich die Angehörigen auch einmal erholen müssen, sollte Pflegebedürftigkeit niemanden aus dem Leben ausschließen.

Es sei schade, dass heutzutage die Generationen mehr und mehr voneinander getrennt seien, die Alten häufig isoliert sind und alleine sterben müssen. Deshalb sei ein Schwerpunkt, dass drei Generationen miteinander Urlaub machen können. Die Ferienwohnungen besitzen ein bis fünf Zimmer und die Lage der Immobilie spräche ebenfalls für sich, ist Budjarek überzeugt. Gäste sind rasch in den Bergen und der Natur oder könnten einen Tagesausflug nach München machen. Mit der Betreuung durch „Home Instead“ wäre es außerdem möglich, persönliche Beziehungen aufzubauen, wenn Urlaubsgäste ein zweites und vielleicht sogar drittes Mal wieder ihre Ferien dort verbringen möchten. „Wir möchten die Leute nicht nur auf dem Zimmer versorgen, sie sollen mit in die Tapas-Bar oder, wenn es ideal läuft, können wir ein paar Mütter mit ihren Kindern integrieren“, so Budjarek.

Galeriewohnungen zum Verkauf

Die vier Galeriewohnungen, welche über der Bar entstehen, werden verkauft, sagte Budjarek. Auch, um das rund 5,5 Millionen Euro teure Projekt zu finanzieren. Es würden sich bereits Menschen dafür interessieren, die das Konzept des Hauses befürworten. „Dieser Ort hat eine besondere Ausstrahlung“, schwärmte Budjarek von dem „ehemaligen Kuhstall“. In Zukunft soll das einstige Klostergut offen für alle sein und Generationen zueinander führen, das sei besonders wichtig.

„Wir möchten zeigen, dass wir auch mit leistungseingeschränkten Menschen eine schwarze Null schreiben können“, betonte der Investor. „Wir wollen auch nicht akzeptieren, dass die Kinder dieser Mütter eine kommende Hartz4-Generation werden. So lernen sie dann: ‚Meine Mama macht etwas‘.“ Die Erfolgsquote der Gesellschaft „Lebenskonzepte-Budjarek“ spricht für sich. Gut 80 Prozent der jungen Mütter die dort Hilfe fanden, beendeten eine Ausbildung und bestreiten mittlerweile ihr Leben selbstständig.

Selma Höfer

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