Euphorie unter Demokraten

Wie die gebürtige Kaufbeurerin Eva Bruan die US-Wahl zwischen Trump und Biden erlebte

Seit fast 20 Jahren lebt Eva Bruan nun in den USA.
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Seit fast 20 Jahren lebt Eva Bruan nun in den USA, hat vier Präsidentschaftswahlen miterlebt.

Los Angeles/Kaufbeuren – Seit 19 Jahren lebt Eva Bruan in den USA. Im April 2001 zog sie von Kaufbeuren nach Los Angeles, fasste im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Fuß. Sie arbeitet seit 2017 als Flugbegleiterin bei Hawaiian Airlines, war davor knapp 16 Jahre bei der Lufthansa in L.A. beschäftigt. Seit 2006 besitzt Bruan auch die amerikanische Staatsbürgerschaft. Für sie war es nun die vierte Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten, die sie vor Ort miterleben durfte. Seit dem vergangenen Wochenende steht fest: Der demokratische Herausforderer Joe Biden hat die US-Wahl für sich entschieden.

„Die Stimmung im Land ist mehr geteilt denn je, in Kalifornien sogar euphorisch“, schildert Bruan die aktuelle Lage in ihrem Bundesstaat. Souverän gewann Biden Kalifornien. „Hört man den konservativen Stimmen zu, dann ist der Kampf um das Weiße Haus noch nicht zu Ende. Sie glauben, dass einiges nicht mit rechten Dingen zugeht“, verweist sie im gleichen Atemzug auf die Briefwahlstimmen in den sogenannten Swing States. Selbst bis Redaktionsschluss waren die Auszählungen in einigen Bundesstaaten noch nicht beendet. Dennoch: Die Demokraten sind in absoluter Feierlaune.

Was bei Eva Bruan von den vergangen vier Jahren hängenbleibt, ist die Tatsache, dass der amtierende republikanische US-Präsident Donald Trump von Anfang an von den Medien durch den Schlamm gezogen worden sei. Die Abscheu ihm gegenüber sei sehr groß, Erfolge erwähnten die Medien kaum. „Ich selbst habe kein Twitter und bin ihm in den sozialen Medien nicht gefolgt. Seine Pressekonferenzen konnte ich kaum aushalten“, erzählt sie und macht auf eines aufmerksam: „Die Medien in den USA haben hier sehr viel Macht und Rechte, die in der Pressefreiheit unserer Verfassung sogar verankert sind.“ Als Trump die Wahl im Jahr 2016 gegen Hillary Clinton gewann, gaben ihm viele kaum eine Chance. Das halbe Land fiel sogar in eine Art Schockstarre. „Ich kann für Kalifornien und Hawaii sprechen. Viele Hillary Clinton-Anhänger kamen nie darüber hinweg und fragen sich noch heute: Wie konnte das nur passieren?“

Trumps Leistungen

Nichtsdestotrotz habe Trump laut Bruan auch viel Gutes geleistet: Vor der Pandemie boomte die Wirtschaft, die Arbeitslosenquote – vor allem der Schwarzen und Latinos – hatte einen historischen Tiefstand, das Strafjustizsystem wurde überholt und zuletzt die Friedensabkommen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Sudan.

Als Eva Bruan 2001 in die USA kam, war sie 24 Jahre alt. Für Politik hatte sie nicht viel übrig, sie war damit beschäftigt, sich in einem neuen Land einzuleben, Freundschaften zu schließen und ihren Weg zu finden. 2006 wurde sie eingebürgert. Zur damaligen Zeit regierte Präsident George W. Bush. Direkt nach der Einbürgerungszeremonie wurde sie sowohl von Republikanern als auch von Demokraten regelrecht umworben. Sie entschied sich für die Demokraten.

Im Jahr 2008 erlebte sie bei der Präsidentschaftswahl zwischen dem demokratischen Barack Obama und John McCain einen enormen Enthusiasmus im Land. „Barack Obama stand für ‚Change‘ in jeglicher Hinsicht und die Begeisterung für ihn, vor allem um mich herum hier in Kalifornien, war immens. Es bestand für mich nie ein Zweifel, dass ich für ihn stimmen würde“. Vier Jahre später folgte der Wahlkampf zwischen Obama und seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Bruan an einem lokalen College eingeschrieben. „Ich verfolgte den Wahlkampf sehr detailliert, da wir über alle Debatten acht- bis zehnseitige Arbeiten schreiben mussten“, erinnert sich die gebürtige Kaufbeurerin. Während ihrer Recherchen begegnete sie nun auch ganz anderen politischen Ansichten und Einstellungen. Obwohl die Begeisterung für Barack Obama vier Jahre nach seiner ersten Wahl auch in der Bevölkerung stark nachgelassen hatte, sei er doch die „bessere Wahl“ gewesen.

Hillary Clinton unbeliebt

Aber spätestens im Jahr 2016 war das Land reif für einen drastischen Wandel und Donald Trump kam an die Macht. „Hillary Clinton war einfach auch sehr unpopulär. Ich kenne viele in meinem engen Umfeld, die zwar Trump nicht ausstehen können, aber Hillary noch viel weniger und eben die Nase von den Demokraten voll hatten“, sagt die 43-Jährige. Mit Freunden und besonders ihrem Mann Richard spricht sie regelmäßig über Politik. Dass jeder dabei unterschiedliche Ansichten hat, stört niemanden.

Joe Biden ist nun bald der mächtigste Mann der Welt. Was sich unter ihm ändern werde, kann die Auswanderin freilich nicht vorhersagen, sie hofft aber auf das Beste. Allgemein erwartet wird, dass er das Land vereint und damit Frieden und Ruhe einkehren. Viele hoffen auch auf ein besseres Ansehen der USA im Rest der Welt.

Anders als unter Trump, erwartet das amerikanische Volk auch eine bessere Vorgehensweise in der Corona-Pandemie. „Dieses Jahr fielen unsere Besuche in Deutschland leider aus.“ Eva Bruan vermisst nach fast 20 Jahren in den USA hauptsächlich Familie und Freunde. Ihr Beruf macht es möglich, dass sie mehrmals im Jahr in ihre Heimatstadt Kaufbeuren kommt, oder Familie und Freunde reisen in die Staaten. Mit ihren besten Freundinnen aus der Kinder- und Jugendzeit sei sie noch immer in Kontakt. Vor allem vermisst sie schöne Traditionen wie die Weihnachtsmärkte und das Tänzelfest. Besonders ihr Mann liebt es, nach Deutschland zu reisen. Zusammen gehen sie dann auf Entdeckungsreise. „Ich freue mich immer ganz arg auf eine Leberkässemmel und auf Lebkuchen.“

Stefan Günter

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