Ideen wachsen lassen

Wie Musiker Martin Schlögl aus der gegenwärtigen Situation das Beste macht

Martin Schlögl Puzzle
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Stolze zehn Quadratmeter misst das Puzzle, an dem Musiker Martin Schlögl über ein Jahr lang gepuzzelt hat.

Waal/Ingolstadt – Puzzles haben Hochkonjunktur. Das liegt vor allem daran, dass im vergangenen Jahr viele dieses Hobby wieder für sich entdeckt haben. Vielleicht aus Langweile während des Lockdowns, vielleicht aber einfach, um in dieser ungewissen Zeit zur Ruhe zu kommen. Ein Potenzial, das Musiker Martin Schlögl schon lange vorher im Puzzlespiel erkannt hat. Und auch sonst hat er den Kopf nicht in den Sand gesteckt. Dafür aber kleine Bäumchen in die Erde.

Im Advent 2019 hatte der freischaffende Musiker Interessierte dazu eingeladen, mit ihm in seinem „Klanghafen“ in Waal zu puzzeln, ganz in der Stille, um so dem Stress der Vorweihnachtszeit zu entfliehen. Im Sinne hatte er damals nicht irgendein Puzzle, sondern eine ganz besondere Herausforderung: 32.000 Teile hat das Puzzle mit Motiven des Künstlers Keith Haring. Trotz Unterstützung hat es ein ganzes Jahr gedauert, bis Schlögl das Vorhaben fertigstellen konnte. 544 auf 192 Zentimeter misst es. Jetzt wartet es gut verstaut auf einen Platz, an dem es auch längerfristig zur Geltung kommen kann. Dabei wäre der Hob­bypuzzler gerne bereit, es zu stiften.

Aber Schlögl puzzelt nicht nur, sondern ist eben auch Musiker. Seit neun Jahren hat er das Musikprojekt „Xumbalu“ und schreibt eigene Songs in deutscher, englischer oder spanischer Sprache. Sein Hauptinstrument ist die akustische Gitarre, aber auch andere Instrumente aus allen Ecken dieser Erde gehören zu seinem Repertoire. Und Künstler haben es in diesen Tagen bekanntlich nicht leicht. „Es war spannend zu beobachten, wie sich innerhalb von zwei Wochen alle Aufträge und Projekte für nicht absehbare Zeit auflösen können.  So habe ich mich gefragt, was ich anders machen kann und was ich womöglich auch Neues lernen kann“, beschreibt Schlögl seine Situation.

So hat er ein Praktikum bei einer Klavierbaumeisterin gemacht. Die Arbeit mit Holz und dessen Verarbeitung zu Instrumenten sei für ihn sehr erfüllend gewesen. Seinen Beruf als Musiker an den Nagel zu hängen, kommt für ihn aber nicht infrage. Weil er zurzeit aber nicht live für andere spielen kann, hat er sich für ein ganz anderes Publikum entschieden: Inzwischen ist es wissenschaftlich belegt, dass angenehme Klänge einen positiven Effekt auf Pflanzen haben. Und so macht Schlögl in „Xumbalus musikalischem Baumkindergarten“ über einen Zeitraum von drei Jahren für selbst gezogene Bäume Musik, für die gegen einen kleinen monatlichen Beitrag eine Patenschaft übernommen werden kann.

Das Projekt mit dem Titel „musikalisches Aufbäumen“ folgt dabei einer logischen Schlussfolgerung. Mit der Idee wird ein Kreislauf komplettiert. Ohne Bäume keine Gitarre, ohne Gitarre keine Gitarrenmusik. Dabei ist für Schlögl eines sicher: „Ich bin der festen Überzeugung, dass es hier bei uns in dieser Welt nichts gibt, das so direkt im Augenblick Menschen miteinander verbinden kann, wie die Musik.“ Und deshalb sei die Tatsache, dass er so lange keine Musik für andere machen darf, am schwersten zu ertragen. „Ganz generell bin ich glücklicherweise Optimist und schaue immer, wo Türen offen stehen. So birgt eine solche Zeit einen enormen Chancenreichtum für Weiterentwicklung auf allen Ebenen“, gibt Schlögl die Hoffnung nicht auf. Daran, dass er seine Chancen dabei nutzt, lassen seine Ideen und Projekte auf jeden Fall keine Zweifel.

Agnes Reißner

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