Wald im Wandel

Wie steht es um den Stadtwald Buchloe?

Wald mit Nadelbäumen
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Der Distrikt I „Oberlohe“ im Buchloer Stadtwald lässt bereits erahnen, wie der Wald der Zukunft aussehen soll.
  • Agnes Reißner
    VonAgnes Reißner
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Buchloe – 45.000 Hektar Waldfläche hat das Ostallgäu zu bieten. Das entspricht einem Waldanteil von 31 Prozent. Fast drei Viertel davon sind in privater Hand, 17 Prozent sind Staatswald, der Rest verteilt sich auf sogenannte Körperschaftswälder, zu denen auch der Stadtwald Buchloe gezählt werden kann. Als Revierleiter des Forst­reviers Buchloe informierte Stephan Fessler in der jüngsten Umwelt­ausschusssitzung der Stadt Buchloe über dessen Stand und gab dabei auch einen Ausblick in die Zukunft.

Auf einer Fläche von rund 5400 Hektar erstreckt sich das Forstrevier Buchloe im Norden des Landkreises. Unter den 3500 Waldbesitzern in diesem Gebiet ist auch die Stadt selbst mit 146 Hektar Wald vertreten, auf drei Distrikte verteilt. Sie hat einen Pflegevertrag mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kaufbeuren. Dies heißt konkret, dass Fessler die Flächen bewirtschaften darf. In seinem Vortrag ging der Revierleiter noch einmal explizit darauf ein, welche wichtige Rolle der Wald einnimmt. Er habe nicht nur eine Nutzfunktion, sondern auch eine Schutz- und Erholungsfunktion inne. Nicht zu vergessen, dass der Wald als wichtiger Lebensraum diene. Umso erschreckender waren Bilder seiner Kollegen aus dem Frankenwald, wo Borkenkäfer und Trockenheit dem Waldbestand erheblich zugesetzt haben. Um für diese Folgen des Klimawandels gewappnet zu sein, richten auch die Förster hier im Süden ihren Blick gezielt in wärmere Regionen. „Mit dem Klimawandel werden sich die Bedingungen massiv verschärfen.“, betonte Fessler. Die Rede ist von Schädlingen wie Buchdrucker und Kupferstecher, die der Unterfamilie der Borkenkäfer zuzuordnen sind. Auch Sturm und Trockenheit sind Konsequenzen der zunehmenden Temperatur­erhöhung.

Bereits jetzt macht sich dies auch im Stadtwald Buchloe bemerkbar. Der Wald umfasst einen Vorrat von 8500 Erntefestmetern. Im Jahr wäre dabei bei der Holzernte ein Gesamt­einschlag von 365 Festmetern ideal. Der Durchschnitt in den Jahren 2015 bis 2019 lag allerdings bei 875 Festmetern, 2020 waren es 393 Festmeter. Dabei sind die wenigsten Baumfällungen planmäßig erfolgt. Rund 90 Prozent der Einschläge sind auf Aufräumarbeiten nach den oben genannten Gefahren zurückzuführen.

Die Antwort der Experten auf diese Probleme heißt Waldumbau. Das gesetzte Ziel in nahezu allen Wäldern nennt sich Klimawald. In der Vergangenheit dominierte ganz klar der Nadelwald, allen voran die Fichte. Die Zukunft soll anders aussehen. Die Fichte birgt nämlich zunehmend ein hohes Anbaurisiko. Der Nadelholzanteil soll in den kommenden Jahren deshalb auf 76 Prozent gesenkt werden, Laubholz soll dann circa ein Viertel des Waldbestandes ausmachen. Angedacht sind Buchen-Tannenwälder mit Fichte und Edellaubhölzern. „In Buchloe haben wir bereits sehr gut gestreut“, honorierte Fessler hier die Arbeit des ehemaligen Försters Gramlich. Auch die hervorragende Zusammenarbeit mit der Stadt Buchloe hob er hervor. Die Gewinnorientierung habe für die Stadt immer eine nachrangige Rolle gespielt. Sie sei bedingungslos alle Schritte mitgegangen. Der riesige Artenreichtum sei die Belohnung dafür.

In den vergangenen fünf Jahren konnten so 20.891 Bäume gepflanzt werden, für 2021 sind 7.000 Bäume geplant. Für die Aufforstung wurden Kosten von mehr als 50.000 Euro fällig, hinzu kommen Kosten für Wildverbiss und Kulturpflege. Dem gegenüber stehen aber auch Fördergelder in Höhe von 28.194 Euro. Bürgermeister Robert Pöschl gab den Dank an Fessler als „Vater dieser Strategie“ zurück. Man wolle diesen Weg mit einer klaren Strategie weitergehen. Aus dem Gremium kam der Wunsch, den Bürgern den Wald direkt vor der Haustür näher zu bringen. Zum Beispiel durch Führungen oder Bürgerpflanzaktionen, wie sie bereits am Buchloer Gymnasium mit den Schülerinnen und Schülern regelmäßig durchgeführt werden. Ein Anliegen, das Fessler gerne in den Blick nimmt. Der Stadtwald soll nämlich auch ein Vorbild für Privatbesitzer sein. „Wir müssen jetzt die Zeit nutzen, solange die Wälder noch einigermaßen intakt sind“, appellierte er. Nur so wird die Stadt ihrem Namen auch wieder gerechter. Schließlich besagt dieser, dass der Ort an Buchenwäldern gelegen ist.

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