Alte Handschriften und Drucke

Wieder sichtbar gemacht: Begleitpublikation zu Ausstellungen über ehemalige Klosterbibliothek Irsee

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Handbuch der Moraltheologie des Antoninus von Florenz, in Venedig 1481 gedruckt, in Augsburg illuminiert (Werkstatt Bämler); rechts Beginn des Haupttextes mit gemalter Initiale V und Ranke.

Kaufbeuren – In zwei Ausstellungen werden die kostbaren alten Handschriften und Drucke aus der Bibliothek des ehemaligen Benediktinerreichsstifts lrsee, die fast zweihundert Jahre lang „unsichtbar“ in die Bestände der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg (SuStBA) integriert waren, derzeit wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt.

In der aktuellen Sonderausstellung des Stadtmuseums Kaufbeuren „Von Bücherschätzen und gelehrten Mönchen. Die Bibliothek Kloster Irsee in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg“ vom 9. November 2018 bis 10. Februar 2019 (wir berichteten) und danach in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg vom 6. bis 24. Mai 2019 unter dem Titel „Europäische Perspektiven einer schwäbischen Klosterbibliothek“. Zu diesen Ausstellungen erschien im Quaternio Verlag Luzern der Begleitband „Abtransportiert, verschwunden und wieder sichtbar gemacht – Die Bibliothek Kloster Irsee in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg“.

Gemeinsame Herausgeber sind der Augsburger Historiker Dr. Helmut Zäh sowie die Leiter der drei kooperierenden Institutionen, Dr. Karl-Georg Pfändtner von der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg), Dr. Stefan Raueiser vom Schwäbisches Bildungszentrum Irsee und Petra Weber vom Stadtmuseum Kaufbeuren.

„Abtransportiert, verschwunden und wieder sichtbar gemacht“; Die Bibliothek Kloster Irsee in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg.

In dem reich bebilderten Begleitband werden auf 224 Seiten alle in den Ausstellungen gezeigten Drucke und Handschriften und einige mehr von Fachleuten ausführlich erläutert. Unter den beschriebenen Büchern befindet sich auch eine größere Gruppe von aufwändig mit Deckfarben und Gold illuminierten Handschriften und Drucken mit kostbaren Einbänden oder die nach 1500 entstandene Reimchronik des Johannes Kurtz „Vom Ursprung unnd Heerkomen deß Gotshaus Ursin“. Die älteste Handschrift stammt aus dem 11. Jahrhundert. Die Bücher sind auf Deutsch oder Latein und haben sowohl geistliche als auch weltliche Inhalte. Geleitworte des Bezirkstagspräsidenten von Schwaben, Jürgen Reichert, des Generaldirektors der Bayerischen Staatsbibliothek, Dr. Klaus Ceynowa, und des Oberbürgermeisters der Stadt Kaufbeuren, Stefan Bosse, sind dem Buch vorangestellt. Ein ausführliches, zwölf Seiten langes Literaturverzeichnis, ein Verzeichnis der zitierten historischen Kataloge, ein Verzeichnis der 49 beschriebenen Handschriften und Drucke und eine Liste der 25 namhaften Autorinnen und Autoren komplettieren das Werk.

In den einführenden Beiträgen wird unter anderem die Bibliothek von Kloster lrsee umfassend gewürdigt, das Anfang des 18. Jahrhunderts eine bedeutende Stätte der Katholischen Aufklärung mit europaweiten Verbindungen war. Im Zuge der Säkularisation wurde 1802 auch Kloster Irsee mitsamt der Bibliothek vom Königreich Bayern in Besitz genommen. Daher bereisten im Herbst 1818 zwei Augsburger Bibliothekare das aufgelöste Kloster mit dem Auftrag, die für die damalige Vereinigte Königliche Kreis- und Stadtbibliothek Augsburg brauchbaren Bücher auszuwählen. Sieben ihnen besonders wichtig erscheinende Werke nahmen sie sofort mit. 1821 und 1833 wurde in zwei großen Transporten der für „brauchbar“ befundene Rest nach Augsburg transportiert und in den dortigen Bestand eingegliedert. Die zurückgebliebenen Bücher wurden in Papiermühlen eingestampft oder gelangten trotz Verbots in private Hände. Und da die Einrichtung des früheren Bibliothekssaals nach dem Umbau als Brennholz verkauft wurde, erinnerte in lrsee nichts mehr an die einstige bedeutende Klosterbibliothek mit Werken aus ganz Europa, vorzugsweise Pariser Drucken.

Die systematische Erschließung der Provenienzen (Herkunft) der Handschriften und „lnkunabeln“ genannten Frühdrucke bis 1500 begann in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg ab den 1970er-Jahren. Später wurden auch die aus lrsee stammenden Drucke ab Erscheinungsjahr 1501 festgestellt. Die in Augsburg vorhandenen lrseer Bücher wurden vollständig erfasst und sind seit 2015 in einem Onlinekatalog recherchierbar. Das in dem Ausstellungsbegleitband zusammengefasste Ergebnis der Erschließungsprojekte dient zwar vorwiegend wissenschaftlicher Arbeit, erlaubt dem Leser jedoch auch eine faszinierende Zeitreise und Einblicke in die vielfältigen Interessengebiete der Irseer Äbte.

von Ingrid Zasche

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