Um zu erhalten, was noch da ist

Wiesenhilfsprojekt vom Landschaftspflegeverband sucht Mitstreiter

Wiese Blumen Allgäu
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Auf einer „Flachland-Mähwiese“ ist es bunt und artenreich. Insekten und andere Tierarten fühlen sich dort wohl.
  • vonSelma Höfer
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Landkreis – Um das Projekt „Blütenreich Ostallgäu“ auch in den Gemeinden bekannt zu machen und möglichst viele Partner zu gewinnen, präsentierte Claudia Gruber vom Landschaftspflegeverband Ostallgäu e.V. (LPV) in der dritten Bürgermeisterbesprechung des Landkreises ihre Arbeit rund um die Rettung der Allgäuer Blumenwiesen. Als Projektleiterin bemüht sich Gruber darum, möglichst viele Wiesenbesitzer für das Projekt zu gewinnen – zum Schutz der Natur und dem Erhalt von Artenvielfalt in der Region.

Es sei eine Nachfolge des „Wiese*16“-Projekts, sagte Landrätin Maria Rita Zinnecker. Mit diesem LEADER-Projekt animierte der Landkreis 16 Gemeinden bei der Erweiterung ihres Wissens um die Anlage, Gestaltung und Pflege von naturnahen Grünflächen unterstützen. „Jetzt hat der Landschaftspflegeverband als sogenannter Träger ein Wiesenhilfsprojekt gestartet. Mit den entsprechenden Fördermitteln“, erklärte die Landrätin.

Für Artenvielfalt und Biodiversität

„Die Motivation für unser Projekt ist meistens im Naturschutz. Wir möchten die Artenvielfalt und Biodiversität bewahren“, erklärte Gruber den digital zugeschalteten Bürgermeistern des Landkreises. Das weltweite Artensterben mache auch vor Bayerns Grenzen nicht halt, mahnte die Projektleiterin. Bei dieser Arbeit gehe es um die Vielfalt von Ökosystemen. „Wir versuchen mit diesem Wiesenhilfsprojekt das zu schützen, was wir noch haben.“

„Löwenzahnfettwiesen“

Heute sehen die Wiesen im Landkreis sehr einheitlich aus. Das Gelb des Löwenzahns überzieht gesamte Flächen. Dort herrsche keine Artenvielfalt mehr. Diese „Löwenzahnfettwiesen“, sagte Gruber, seien einer intensivierten und gedüngten Nutzung der Flächen geschuldet. „Noch vor 40 bis 50 Jahren haben die Wiesen hier im Ostallgäu ganz anders ausgesehen“, sagte Gruber. Die klassische „Flachland-Mähwiese“, eine zwei­schürige und nur wenig bis gar nicht gedüngte Wiese, war bunt und sehr divers, was auch enorm wichtig für Insekten sei. Diese ursprüngliche Form ist vom Aussterben bedroht. Um das zu verhindern, startete Ende 2020 unter der Trägerschaft des LPV das Wiesenhilfsprojekt mit dem Ziel, den selten gewordenen Wiesentyp im gesamten Ostallgäu wiederherzustellen.

Der Glatthafer sei bei der „Flachland-Mähwiese“ eine charakteristische Art. Doch dort blühen auch viele weitere Blumen und Pflanzen, wie die Wiesenglockenblume, der Wiesenstorchschnabel, der sogenannte Klappertopf, die Witwenblume und Wiesen-Margerite, zählte Gruber auf. „Da wächst alles, was man sich vorstellt, wenn man an einen schönen Naturblumenstrauß denkt.“ Neben Insekten fühlen sich auf solchen Naturflächen auch viele weitere Tierarten wohl. Von kleineren Säugetieren bis hin zu Vögeln. Somit ist nicht nur die Wiesenart bedroht, sondern auch der Lebensraum vieler Tierarten.

Um eine erfolgreiche Umsetzung zu ermöglichen, ist der LPV auf der Suche nach Flächen­eigentümern als Projektpartner. Das können nicht nur Landwirte sein, sondern auch Gemeinden, Firmen und teilweise sogar Privatpersonen mit landwirtschaftlichen Flächen. Für die Partner entsteht dabei kein finanzieller Aufwand, denn die Kosten für Saatguternte und -übertragung werden durch das Projekt übernommen.

Saatgut wird regional gewonnen

Wie die Glatthaferwiese gerettet werden kann, komme auch auf den Ausgangszustand der jeweiligen Fläche an. Dafür sind die Mitarbeiter des Projekts für Projektpartner da. Zu Beginn stehe die Suche nach Spenderflächen für die Saatgutgewinnung. Dafür gibt es speziell gebaute Maschinen, die die Spenderfläche nicht schädigen, sagte Gruber. Das regionale Saatgut wird dann auf andere Empfängerflächen übertragen. Auch mit Mähkonzepten unterstützen die Projektmitarbeiter teilnehmende Landwirte, Kommunen und andere Wiesenbesitzer. „Auftrag an die Bürgermeister ist nun, die gemeindeeigenen Flächen zu identifizieren“, sagte die Landrätin, sowie auch Landwirte, Firmen und andere auf das Projekt aufmerksam zu machen.

Jederzeit können sich Interessierte bei Projekt­mana­gerin Claudia Gruber (Claudia.­Gruber@lra-oal.bayern.de oder Telefon 01522/4087982) melden. Eine Über­nahme der arten­reichen Wiesen in das Vertrags­natur­schutz­pro­gramm mit dem­ent­spre­chen­der Ver­gü­tung wird außerdem angestrebt.

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