Was tun bei der Windkraft?

Mit Blick auf die eingeläutete Energiewende prüft die Stadt Kaufbeuren ihre Flächen auf die Eignung für Windkraftanlagen. Eine entsprechende Empfehlung für den Stadtrat sprach jetzt der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung aus. Der Grund für die Prüfung: Bislang weist der Flächennutzungsplan lediglich einen exponierten Raum bei Kemnat auf. Zu wenig, für die vielen Anfragen „aus allen Richtungen“, so Stadtplaner Manfred Pfefferle.

Pfefferle wollte zudem vom Gremium wissen, wie man zukünftig mit Anträgen für Windkraftanlagen umgehen solle. Hierzu gab es unterschiedliche Auffassungen. Geänderte Parameter In seinen einführenden Worten wies Pfefferle darauf hin, dass aufgrund der Nachfrage weitere Flächen nötig seien. Zudem hätten sich die Parameter der Anlagen geändert. So seien heute Windkrafträder mit einer Nabenhöhe von bis zu 180 Meter denkbar. Damit kämen laut Pfefferle auch Waldgebiete in Frage, da die Rotorblätter oberhalb der Baumkronen kreisen würden. Aber auch die Erschließung des möglichen Standortes sei wichtig. Schwerlast- transporte mit über 100 Tonnen müssten die Windkraftanlagen erreichen können. Ebenso wichtig seien Einspeisemöglichkeiten der produzierten Energie ins Stromnetz, erklärte der Stadtplaner. Für den städtischen Bereich kommen neben dem Grenzgebiet Kemnat/Irsee noch ein Gebiet in Oberbeuren/Friesenried (Höhenzug) sowie noch ein kleines Areal bei der alten Radarstation (Allgäu-Schwäbischer Wanderweg) in Frage. Eine offene Haltung Bei der anschließenden Besprechung, wie man zukünftig mit Anträgen zur Errichtung von Windkraftanlagen umgeht, ob die Stadt eher Bürgeranlagen favorisiere oder ob auch große Unternehmen als Investoren zugelassen werden könnten, entbrannte eine große Diskussion. Immerhin liegen schon viele Anträge „aus allen Richtungen“ vor, so Pfefferle. Darüber hinaus gebe es zahlreiche private Grundstücksbesitzer, die großes Interesse daran haben, ihre Böden für Windkraftanlagen zur Verfügung zu stellen. Dies sei schließlich sehr ertragreich, erklärte der Stadtplaner. Oberbürgermeister Stefan Bosse gab zu verstehen, dass Windkraftanlagen in Kaufbeuren nicht nur als „Bürgeranlagen“ sondern auch als Anlagen von Investoren errichtet werden sollten. Zwar sei für ihn eine Bürgeranlage sympathisch, doch lasse sich diese auf die Rentabilität gesehen, nicht überall gut betreiben. So gebe es Standorte, die nicht so windwürfig seien, dennoch aber für Großinvestoren interessant sein könnten. Daher solle man sich nicht durch Vorschriften ein- engen lassen. "Wir müssen was tun!" Für Ulrike Seifert (Grüne) komme indes nur eine Anlage mit Bürgerbeteiligung in Frage: „Damit wäre die regionale Wertschöpfung gegeben.“ Alexius Batzer (KI) machte deutlich, dass Kaufbeuren viel zu klein sei, um zahlreiche Anlagen zu errichten. Daher solle man vor allem die Bürgeranlagen so gering wie möglich halten. Dazu Bosse: „Wir können keine Verweigerungstaktik fahren“. Die Stadt wird zwar niemals autark sein, aber wir müssen was tun.“ Bürgermeister Gerhard Bucher (CSU) fehlt in diesem Zusammenhang eine Aufstellung, von dem, was man bis dato umsetzen könne. Darauf bezugnehmend bezifferte Bosse das mögliche Potenzial, selbst regenerative Energie zu erzeugen, auf zehn bis 15 Prozent des Gesamtbedarfs. So könne man keine zusätzliche Energie aus der Wertach mehr ziehen, (Bosse: „Der Fluss kann nicht weiter angestaut werden“), bei der Fotovoltaik sei man gut dabei und man könne vielleicht noch drei Windkrafträder installieren. Alternativ könne man „Öko-Strom“ einkaufen, dann würden aber die Strompreis steigen. Letztlich wolle man in Kaufbeuren bei den möglichen Windkraftanlagen keine Vorgaben machen, Bürgeranlagen seien aber gerne gesehen, erklärte abschließend Pfefferle. Als Beschluss wurde die Verwaltung beauftragt, geeignete Standorte zu untersuchen und dem Stadtrat zur Entscheidung vorzulegen.

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