Die Windkraft im Fokus

Überregionale Zusammenarbeit statt vieler Einzelprojekte sieht Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger als zukunftsweisendes Konzept in Sachen Windenergie. Foto: Frisch

„Ich freue mich, dass ich mein Wissen hier im Stadtrat weitergeben kann“, so Franz Martin, seines Zeichens Bürgermeister von Bidingen, auf der jüngsten Buchloer Stadtratsitzung. Auf der Agenda stand das Thema Ausbau der Windkraft im Ostallgäu, und dafür ist der gelernte Elektroingenieur Fach- mann, umso mehr als in seiner Gemeinde in wenigen Wochen ein Bürgerentscheid zum Bau einer solchen Anlage ansteht. Buchloes Bürgemeister Josef Schweinberger und die Stadträte erhoffen sich von dem Vortrag nützliche Informationen zum eigenen Vorgehen im Bereich Ausbau erneuerbarer Energien.

Es sei sehr wichtig, sich rechtzeitig mit der Thematik zu befassen, mahnte Schweinberger. Denn die sogenannten „Vorranggebiete“, das heißt Gebiete, die für den Bau einer solchen Anlage besonders geeignet und praktisch „reserviert“ sind, würden auch das Interesse ortsfremder Firmen anziehen. „Da die Gewerbesteuer aber zur Hälfte an den Firmensitz des Betreibers fließt, wäre es weitaus sinnvoller, eine solche Anlage selbst zu betreiben oder an ein ansässiges Unternehmen abzugeben“, betonte Martin. Für Bidingen hat er den Plan gefasst, dass die Gemeinde die Windkraftanlage selbst betreiben würde, vorausgesetzt die Einwohner stimmen beim Bürgerentscheid für das Projekt. Favorisiert ist ein Standort zwischen den Weilern Königsried und Ruderatsried. Für den Platz habe man sich entschieden, weil dort die Windverhältnisse und damit auch die erwarteten Gewinne am günstigsten seien. „Bei einer relativ hohen Pro-Kopf-Verschuldung in Bidingen von 3.500 Euro möchten wir nicht das Risiko eingehen, dass in schwachen Jahren der Gewinn ausbleibt“, so Franz Martin. Daher habe man sich nach umfassenden Berechnungen für ein Modell der Firma Enercon mit einer Nennleistung von rund 3.000 Watt sowie einem Rotordurchmesser von 100 Metern und 135 Metern Nabenhöhe entschieden, das wäre dann die bislang höchste Anlage im gesamten Ostallgäu. Auf dem geplanten Standort, den man nach Gesprächen mit den Eigentümern „günstig zu erwerben“ hoffe, erwartet Martin bei einer Einspeisevergütung von 9 Cent pro Kilowattstunde und den gesparten Ausgaben für Fremdstrom einen jährlichen Durchschnittserlös von rund 600.000 Euro. Dafür muss aber erstmal kräftig investiert werden: die Anlage selbst kostet 4,3 Millionen Euro. Dazu kommen Kosten für notwendige Gutachten, das Honorar für den Erbauer, Ausgleichsausgaben für den Naturschutz und so weiter, erwartet werden Gesamtinvestitionskosten von knapp 4,8 Millionen Euro. Außerdem gibt es laut Franz Martin ein ungelöstes Problem: Gemeinden dürfen sich nicht ohne weiteres wirtschaftlich betätigen, bei der Stromerzeugung gilt der Grundsatz dass nur so viel produziert werden darf wie die Gemeinde selbst verbraucht. Die Lösung sieht Martin in der Beteiligung einer weiteren Gemeinde oder Stadt. Man dürfe nicht aufgeben, so der Experte und Bürgermeister: die Rolle als ökologischer Vorreiter und die Vorteile einer solchen Anlage, wenn sie dann erst mal steht und läuft, seien überragend. Schweinberger stimmte dem zu und kündigte an, Bürgermeister, die für eine Zusammenarbeit in Frage kämen, an einen Tisch zu bringen. „Überregionale Zusammenarbeit ist hier das Zauberwort. Es ist Blödsinn, wenn über kurz oder lang jede Gemeinde ihre eigene Windkraftanlage aufstellt“, so der Bürgermeister. Auch eventuell bedeutsame Ergebnisse des Energiegutachtens, das Buchloe bei der eza! in Auftrag gegeben hat, sollen mit in zukünftige Gedankengänge einbezogen werden.

Auch interessant

Meistgelesen

Festzug mit Hindernissen
Festzug mit Hindernissen
Stadt in festlichem Gewand
Stadt in festlichem Gewand
Drei Tote bei Autounfall bei Kaltental
Drei Tote bei Autounfall bei Kaltental
Tänzelfesteröffnung 2017
Tänzelfesteröffnung 2017

Kommentare