"Wir haben eine klare Verantwortung"

Um das Defizit des Krankenhausverbundes zu stopfen, soll die Klinik Marktoberdorf, wenn es nach dem Willen der Freien Wähler Kaufbeuren geht, bald geschlossen werden. Foto: Veitl

„Mit größtem Unverständnis“ hat Landrat Johann Fleschhut auf eine von den Freien Wählern (WF) Kaufbeuren öffentlich gemachte Äußerung reagiert. Diese haben sich öffentlich für eine Schließung der Klinik Marktoberdorf ausgesprochen, um das bestehende Defizit des Krankenhausverbundes zu stopfen. Stattdessen solle ein „gehobenes Seniorenheim“ entstehen. In einem Schreiben an den Fraktionsvorsitzenden der Kaufbeurer FW und Landtagsabgeordneten Bernhard Pohl, bringt der Landkreischef jetzt seinen Unmut darüber zum Ausdruck.

Laut Fleschhut gebe es zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt keinen Anlass und auch keine ausreichende Begründung, sich auf eines von der beauftragten Beraterfirma Kienbaum vorgeschlagenen Szenarien festzulegen. Stattdessen hätten die Mitglieder im Verwaltungsrat des Klinikunternehmens, dem auch Christa Becker-Hansen von den FW Kaufbeuren angehört, beschlossen, dass die Kienbaum-Vorschläge nunmehr mit Prüfaufträgen versehen wurden und diese Grundlage einer Entscheidung möglichst am 26. Mai sein sollen. „Eine bereits jetzt erfolgte Festlegung widerspricht den von Frau Becker-Hansen mitgetragenem Beschluss!“, betont der Landrat. Darüber hinaus, so der Landrat, dürfte auch den Freien Wählern Kaufbeuren bekannt sein, dass die Fusion zweier Kommunalunternehmen zum jetzigen Kommunalunternehmen Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren als Geschäftsgrundlage den Erhalt aller Standorte hatte und weiterhin besitzt. „Ein einseitiges Abweichen davon ist nicht nur unsolidarisch, sondern verletzt auch den Inhalt unserer Vereinbarungen, wie er auch aus der Unternehmenssatzung, die wiederum der Verwaltungsrat beschlossen hat, klar hervor geht! Der Landkreis Ostallgäu und ich selber sind nicht bereit, diese gemeinsame Grundlage zum Spekulationsobjekt zu erklären.“ Fleschhut betont weiter, dass er über lange Zeit und zuletzt auch innerhalb der Strukturdebatte klar und mehrfach öffentlich erklärt habe, dass der Verwaltungsrat den hohen Anspruch des Erhalts von fünf Standorten erfüllen wolle, auch wenn dies außerordentlich schwierig sei. „Gerade weil dies so ist, erfordert es die konstruktive, sachliche und solidarische Zusammenarbeit aller beteiligten Verantwortungsträger!“ Der Landrat zeigte sich ferner äußerst erstaunt darüber, dass die Freien Wähler Kaufbeuren, über den Weg der Schließung einer Klinik des Landkreises schnelle Erfolge herbei führen wollen. „Es ist kein Wort darüber zu vernehmen, was mit den dann wegfallenden zahlreichen Arbeitsplätzen geschehen soll. Dies ist eine Hauptmotivation nicht nur für den Landrat und den Landkreis, sondern für alle Verwaltungsräte, auf alle fünf Kliniken auch in der Zukunft zu setzen. Wir haben hier eine klare Verantwortung, die wir auch wahrnehmen wollen und werden!“, betont Fleschhut. Mit Blick auf den FW-Vorschlag, in der geschlossenen Klinik ein „gehobenes Seniorenheim“ einzurichten, erklärt der Landkreischef: „Eine nähere Beleuchtung dieses Vorschlags würde die Dürftigkeit der Informationslage und Beliebigkeit der Argumentation verdeutlichen.“ Fleschhut bedauere es sehr, dass die Freien Wähler Kaufbeuren eine bisher ausschließlich sachliche und fundierte Zusammenarbeit zumindest teilweise verlassen haben. Er fordere alle Mitglieder der FW Kaufbeuren auf, die Gesamtverantwortung wieder in den Mittelpunkt der Überlegungen zu stellen und zu verhindern, dass zwischen Stadt und Landkreis möglicherweise wieder „alte Zeiten“ aufbrechen. Die Neustrukturierung der Krankenhäuser zum Vorteil der Patienten, nachhaltig und wirtschaftlich positiv könne man nur gemeinsam lösen.

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Sudetendeutsche Schicksale nach 1945
Sudetendeutsche Schicksale nach 1945
Pre-Opening im Skyline Park: Dieses Wochenende!
Pre-Opening im Skyline Park: Dieses Wochenende!
Frauen in der Leitungsebene
Frauen in der Leitungsebene

Kommentare