„Wir leben Schule online”

Eltern ziehen Bilanz nach drei Wochen Unterricht daheim

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Schule daheim, wie es in vielen Familien vor den Osterferien täglich üblich war. So auch bei der Familie Günter.

Kaufbeuren – Seit dem 16. März sind die Schulen geschlossen. Drei Wochen lang war für die Schüler das eigene Zuhause das Klassenzimmer. Eine Herausforderung für alle Beteiligten, besonders für die Eltern. Täglich schickten die Lehrer der Gustav-Leutelt-Schule in Neugablonz ihren Schülern die Arbeitsaufträge per E-Mail nach Hause. Ungewiss ist, ob die Maßnahme auch nach den Osterferien anhalten wird.

„Digitale Schule“ wird momentan auf den Prüfstein gestellt. Über verschiedene Kommunikationskanäle tauschen sich Lehrer mit Schülern aus: E-Mail, WhatsApp, Telefonat und sogar per Video. „Schule klassisch funktioniert momentan nicht“, sagt Schulleiter Frank Hortig und sieht die aktuelle Situation als Herausforderung an. Dass Schüler um 10 Uhr vormittags noch im Bett liegen, kam sehr selten vor. Denn eigentlich wäre ja Schule. „Wir haben Kernzeiten, hier sind alle Lehrer erreichbar. Das wird sehr kreativ umgesetzt“, freut sich Hortig auch über seine Kollegen, die ihre Sachen täglich mit Bravour meistern. So arbeiten Lehrer beispielsweise mit Erklär- und Lernvideos, die sie selbst erstellen. Allein die Vorbereitung ist im Homeoffice sehr aufwändig. Besondere Apps erleichtern hier die Arbeit der Pädagogen. „Wir leben Schule eben momentan online“, hofft Hortig, dass sich diese Situation bald zum Guten wendet. Er sei stolz, dass Lehrer und Schüler das sogenannte Home-Schooling so ausgezeichnet annehmen.

Ein durchweg positives Fazit ziehen die Eltern nach drei Wochen Unterricht daheim. Lisbeth Weiss, Mutter einer neunjährigen Tochter: „Ich finde es super, dass sich die Lehrer um uns täglich gekümmert haben. Dennoch kann ich als Mutter die Schule nicht ersetzen. Wir brauchen den Schulbetrieb.“ In die gleiche Kerbe schlägt auch Christian Jung. Dessen siebenjähriger Sohn besucht die erste Klasse. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass meine Frau beruflich ins Homeoffice geschickt wurde. Auf Dauer ist das aber kein Zustand“, macht er unmissverständlich klar. Dennoch haben sich Jung und seine Frau gut aufgehoben gefühlt. In vorgegebenen Zeiten wurden daheim die schulischen Arbeiten erledigt. „Diese Strukturen haben meinem Sohn sehr geholfen“, geht der Dank an dieser Stelle auch an die Lehrerin. 

Anders verhält es sich, wenn gleich mehrere Kinder zeitgleich am Tisch sitzen und ihre Arbeiten erledigen müssen. Wie im Fall bei der Familie Günter. Mutter Natalie hat bis zum Beginn der Osterferien ihre drei schulpflichtigen Kinder und ihr Vorschulkind betreut. „Es war anfangs anspruchsvoll, verwirrend und chaotisch zugleich. Das hat sich aber dann Tag für Tag gelegt“, so die 38-Jährige, die sich parallel um ihre Kinder kümmerte. Trotz der Abwesenheit seien die Lehrer stets präsent gewesen, auch telefonisch. „Meine Kinder haben täglich ihre Aufgaben gemeistert.“ Auch für sie wäre dieser Zustand auf Dauer nicht machbar. Doch Natalie Günter, Lisbeth Weiss und Christian Jung sprechen aus, was viele gleichgesinnte Eltern auch erahnen. „Wir werden wohl auch nach Ostern unsere Kinder daheim weiterhin schulisch betreuen“. 

Für Rektor Frank Hortig selbst ist derzeit keine Tendenz absehbar, wann die Schule wieder in ihrer üblichen Form startet. „Wir hoffen sehr, dass es nicht mehr lange dauern wird.“ 

von Stefan Günter

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