„Wir wollen eine Fahrradstad“

Junge Aktivisten demonstrieren für ein besseres Fahrradnetz in und um Marktoberdorf

Umweltaktivisten in Marktoberdorf wollen besseres Radwegenetz
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Megaphon und „Gehzeuge“: Umweltaktivisten kämpfen für ein besseres und sichereres Radwegenetz.

Marktoberdorf – Am vergangenen Sonntag fand in der Bahnhofstraße zwischen dem „Fendt-Kreisel“ und der sogenannten AOK-Kreuzung ein Demonstrationszug statt, zu dem das Bündnis „Nachhaltiges Marktoberdorf“, sowie die Marktoberdorfer Ortsgruppen von „Parents for Future“ und „Fridays for Future“ aufgerufen hatten. Auf Schildern und über Megaphon forderten die Versammelten bessere Bedingungen für Radfahrer im Stadtgebiet.

Teilweise auf dem Fahrrad, teilweise zu Fuß marschierten die Demonstranten auf beiden Seiten der Fahrbahn zwischen den beiden Kreuzungen hin und her. Begleitet wurde der Demonstrationszug von zwei Streifenwagen der Polizei und mehreren Beamten zu Fuß. Einzelne Demonstranten waren in sogenannten Gehzeugen unterwegs, rechteckige Rahmenkonstruktionen aus Holz, mit einem Geschirr aus Gurten in der Mitte, wodurch sich die Konstruktion von einer Person tragen ließ. Die Gehzeuge bildeten so um die jeweilige Person einen rechteckigen Rahmen, der ungefähr die Größe einer Autokarosserie hatte. Symbolisiert werden sollte dadurch der vergleichsweise große Raum, den ein einzelner Autofahrer im Gegensatz zu Fußgängern und Radfahrern auf der Straße beansprucht, erläuterte Jürgen Osterrieder, der Veranstalter der Kundgebung. „Dass wir vom Auto weg kommen müssen, wenn wir unseren Verkehr klimaneutral gestalten möchten, ist doch klar”, betonte Osterrieder. „Gerade in Städten, wo die Wege meist kurz sind, stellen Fahrräder eine echte und schnelle Alternative dar, wenn die Fahrradwege entsprechend gut ausgebaut sind.“

Die Route des Demonstrationszuges sei nicht zufällig gewählt, so Osterrieder weiter. Gerade auf dieser Strecke seien die Verkehrswege für Radfahrer schlecht ausgebaut und gefährlich. Die an der Protestaktion beteiligte Aktivistin Marlene Stegmann erklärte: „Gerade an der AOK-Kreuzung werden Radfahrerinnen und Radfahrer von den vorhandenen Radwegen direkt auf die Straße geleitet. So entstehen für Radfahrer oft gefährliche Situationen, die sich durch bessere Radwege vermeiden ließen.“ Seit Jahren, fügte Stegmann hinzu, sei für die Stadt ein Verkehrskonzept ausgearbeitet und beschlossen worden, das die Bedingungen für Radfahrerinnen und Radfahrer verbessern soll. Dies sei bisher aber nur zu Teilen umgesetzt worden. Jürgen Osterrieder merkte an, dass es gerade jetzt, da die Themen des Tages von den Entwicklungen der Pandemie dominiert würden, wichtig sei, auf die nach wie vor bestehenden Missstände aufmerksam zu machen. Marlene Stegmann ergänzte, dass gerade die Phase des Lockdowns die Leute vermehrt dazu gebracht habe, aufs Fahrrad zu steigen. Das hätten allein schon die Verkaufszahlen bei der Anschaffung neuer Räder gezeigt. Die Gunst der Stunde wolle man jetzt nutzen, um die Thematik wieder auf den Tisch zu bringen.

Osterrieder, der ursprünglich gerade einmal zehn Teilnehmer zum Sonntagnachmittags­termin erwartet hatte, konnte mehr als doppelt so viele Aktivisten hinter sich versammeln. Auf der leeren Straße vor den geschlossenen Supermärkten verursachte sein Tross jedoch nur wenig Stau. Das sei auch nicht beabsichtigt, erklärte Osterrieder, denn man wolle mit der Demo niemanden ärgern. Mit einer Kundgebung den Berufsverkehr zu behindern, wäre kontraproduktiv zum Anliegen. Gerade am Sonntag, so Osterrieder weiter, sei die Bereitschaft der Leute größer, sich im Zuge der Veranstaltung auf Gespräche einzulassen, die vielleicht sogar zu einem Umdenken bei der Haltung zum eigenen Auto führen könnten. Der Tatsache, dass der Autoverkehr in Marktoberdorf maßgeblich auch durch Bewohner der umliegenden Dörfer verstärkt wird, sind sich die Aktivisten bewusst. Deswegen organisiert die Initiative „Nachhaltiges Marktoberdorf” in den nächsten Tagen mehrere Online-Treffen, an denen jeder teilnehmen kann. Hier soll ein Konzept für ein zukunftsfähiges Radwegenetzwerk der umliegenden Gemeinden entstehen, das auf die Bedürfnisse der Radfahrerinnen und Radfahrer eingeht (der Kreisbote berichtete). Unter dem Link www.zukunft-mod.de können sich alle Interessierten darüber informieren, anmelden und an der Entwicklung des neuen Konzeptes mitwirken.

Die kommenden Termine für die einzelnen Gemeinden sind: Dienstag, 16. März, 20 Uhr für Marktoberdorf Süd, Rieder, Sulzschneid, Bertoldshofen sowie Donnerstag, 18. März für Thalhofen, Geisenried, Hattenhofen, Unterthingau, Leuterschach, Ronried und Wald.

von Felix Gattinger

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