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Wirtschaftsminister a. D. Franz Josef Pschierer über seine Zeit als „einfacher“ Abgeordneter

Franz Joseph Pschierer spielt die Posaune
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Mit großer Freude spielt Franz Joseph Pschierer die Posaune. Aktiv ist er als Mitglied im „BezirksOldieBlasOrchester“ im Unterallgäu am Musizieren.

Ostallgäu/Kaufbeuren – Zu einem Interview mit dem Bayerischen Wirtschaftsminister a. D. und derzeitigen Landtagsabgeordneten Franz Josef Pschierer (CSU) kamen der Politiker und unsere Zeitung zusammen.

Die Deutschen sind raus. Was denken sie, wer Fußball-Europameister wird und haben Sie überhaupt Zeit zum Fußball schauen?

Pschierer: Ich fürchtete bereits, dass die deutsche Nationalmannschaft nicht Europameister wird. Der Wunsch war zwar da, aber dran glauben konnte ich nicht. Sie haben im Spiel gegen Frankreich zwar wacker gekämpft und mit dem Eigentor wirklich Pech gehabt. Es fehlten mir die markanten Köpfe, an denen man eine Mannschaft festmachen kann. Beim Fußball bin ich leider nur ‚passiv‘ dabei. Aktiv bin ich aber nach wie vor Posaunist im ‚BezirksOldieBlasOrchester‘ im Unterallgäu – und das mit großer Freude. Leider waren bis jetzt coronabedingt Probe und Aufführungen nicht möglich. Jetzt gibt es wieder mehr Möglichkeiten für Proben und Konzerte im Freien.Das Ehrenamt in Sport und Musik und in vielen anderen Vereinen ist aber für unsere Gesellschaft enorm wichtig. Hier findet Zusammenhalt und Begegnung statt und das wird auch in Zukunft nicht virtuell gehen.

Lassen Sie uns einen Moment zurück schauen. Als Wirtschaftsminister hatten Sie viel Verantwortung und jede Menge Termine in ganz Bayern, in Berlin und auch im Ausland Wie ist das heute als „normaler“ Abgeordneter?

Pschierer: Das ist ein Riesenunterschied! Ein Ministerium ist letztlich nichts anderes als ein großes Unternehmen. Der Chef kommt als Erster und geht häufig als Letzter! Die Themenvielfalt und die Verantwortungsbreite waren enorm. Das Bayerische Wirtschaftsministerium ist unter anderem zuständig für die Bereiche Handwerk, Industrie und Tourismus, aber auch für die spannenden Zukunftsthemen wie Luft- und Raumfahrt, Robotik und künstliche Intelligenz. Darüber hinaus gibt es auch noch 26 Auslandsrepräsentanzen. Ich war in dieser Zeit mit zahlreichen Unternehmerdelegationen mit Ausnahme von Australien auf allen Kontinenten.Schön war es für mich immer wieder auch wenn Allgäuer Mittelständler mit dabei waren. Gegenwärtig konzentriert sich meine Arbeit wieder stark auf den Stimmkreis Kaufbeuren. Darüber hinaus habe ich eine Funktion die für mich bayernweit von Bedeutung ist. Als Landesvorsitzender der Mittelstands Union kümmere ich mich um die Sorgen und Nöte des Mittelstands. Diese Aufgabe liegt mir ganz besonders am Herzen. Auch im Ostallgäu und in Kaufbeuren leben wir nämlich nicht von den großen DAX-Konzernen, die vorwiegend in München ihren Sitz haben, sondern von den familien- und inhabergeführten Unternehmen die ganz besonders unter der Corona-Krise zu leiden haben.

Sie sind gegenwärtig noch Kreisvorsitzender der Unterallgäu. Sie möchten allerdings bei der nächsten Vorstandswahl nicht mehr antreten?

Pschierer: Das ist eine bewusste Entscheidung um schon jetzt die Weichen für die nächste Kommunalwahl zu stellen. Wir waren im Unterallgäu ja nicht gerade erfolgreich was die Landratswahl angeht. Ich möchte zudem auch dass in der neuen Vorstandschaft mehr Frauen vertreten sind. Dazu muss aber auf Frauen zugehen und sie auch aktiv fördern. Meine Entscheidung bezieht sich allerdings nur auf die Parteiarbeit. Am Direktmandat für den Stimmkreis Kaufbeuren habe ich sehr viel Freude und genieße zudem auch die Freiheit des Abgeordneten. Als Mitglied der Bayerischen Staatsregierung ist man natürlich stark in die Kabinettsdisziplin eingebunden und letztlich von der Richtlinienkompetenz des Ministerpräsidenten abhängig. Jetzt kann ich mich auch mal zum einen oder anderen Thema öffentlich kritisch äußern, was natürlich nicht immer zur Freude des Ministerpräsidenten geschieht. Aber wer Markus Söder kennt, weiß dass er so etwas aushält.

Sie feiern in Kürze ihren 65. Geburtstag und gehören damit zu den 508.000 65-jährigen in Deutschland die noch arbeiten. Warum?

Pschierer: Ich bin ein zutiefst leidenschaftlicher Politiker und habe noch viele Ideen die ich als Abgeordneter umsetzen möchte. Dies gilt natürlich auch für den Stimmkreis Kaufbeuren. Angefangen vom Ausbau der Infrastruktur bis hin zur Zukunft der Landwirtschaft und der Frage wie es mit unseren Innenstädten in Kaufbeuren, Bad Wörishofen und Mindelheim weitergeht. Gerade der innerstädtische Einzelhandel und die Gastronomie haben am meisten unter der Corona-Krise gelitten. Hier müssen wir Perspektiven für die Zukunft entwickeln. Vor allem möchte ich dass die Wirtschaftspolitik wieder stärker in den Mittelpunkt rückt. Unsere Gesellschaft beschäftigt sich viel zu sehr mit der Frage, wie wir künftig leben wollen, statt die Frage zu beantworten wovon wir künftig leben.

Was ist mit dem bevorstehenden Bundestagswahlkampf?

Pschierer: Ich werde mich in diesen sehr spannenden Wahlkampf aktiv mit einbringen und unseren Direktkandidaten Stephan Stracke rückhaltlos unterstützen. Für Kaufbeuren geht es dabei um sehr viel. Es war vor allem Stephan Stracke der sich in den letzten Jahren massiv für den Ausbau der Infrastruktur und insbesondere für den Bundeswehrstandort Kaufbeuren eingesetzt hat. Die wegweisenden Entscheidungen fallen hier nicht in München, sondern in Berlin und hier ist Stephan Stracke unser bester Interessenvertreter. Ich kämpfe zudem für eine bürgerliche Mehrheit im Deutschen Bundestag aus Union und FDP. Die Bundestagskandidatur der Freien Wähler spaltet leider das bürgerliche Lager weiter auf. Letztlich sind die Stimmen für die Freien Wähler ‚verlorene‘ Stimmen und nutzen am Ende nur Annalena Baerbock.

Tut es einem bayerischen Politiker weh, dass man sich nicht für Markus Söder als Kanzlerkandidat entschieden hat?

Pschierer: Mir war von vornherein klar, dass das nur funktionieren konnte, wenn die CDU Markus Söder die Kanzlerkandidatur angeboten hätte. So war das auch bei Helmut Kohl und Franz Josef Strauß und auch bei Angela Merkel und Edmund Stoiber. Der Ball lag bei der CDU und deshalb werden wir jetzt auch Armin Laschet voll und ganz unterstützen.

Jetzt zu einem unangenehmen Thema. Sind sie schon geimpft?

Pschierer: Die erste Impfung mit Biontech habe ich. Die zweite Impfung kommt demnächst. Für mich ist klar, der Dreiklang – genesen, geimpft, getestet – ist für mich der Schlüssel um wieder Zugang zu allen Veranstaltungen zu haben. Wir müssen aus der Pandemie aber auch Konsequenzen ziehen. Wir sind gut gestartet, aber dann gab es auch entscheidende Fehler. Dies gilt insbesondere für die Beschaffung von Impfstoffen und von Masken. Dass sich Politiker bei der Beschaffung von Masken auch noch persönlich bereichert haben, ist ein völlig inakzeptables Verhalten. Die Krise hat aber auch gezeigt, dass wir gerade im Bereich der Digitalisierung massiv aufholen müssen. Dies gilt nicht nur für die Schulen, sondern auch in andern Sektoren.

Wie sehen sie die neuen Diskussionen um den Ausbau der B12?

Pschierer: Für mich ist das die Schlüsselfrage für die weitere wirtschaftliche Entwicklung des gesamten Ostallgäus und insbesondere der Stadt Kaufbeuren. Zum Vergleich: Entlang der A96 hat sich die Wirtschaft in unserer Region von Buchloe bis Memmingen hervorragend entwickelt. Das hängt auch mit einer erfolgreichen Ansiedlungspolitik entlang der Autobahn zusammen. Wir brauchen deshalb eine zügige Fertigstellung der B12, selbstverständlich wenn notwendig mit einem optimierten Lärmschutz. Es muss uns gelingen den Pendlerstrom aus dem Allgäu Richtung München ein Stück weit umzudrehen. Im Moment haben wir zu viele Auspendler und zu wenige Einpendler. Der Ausbau der B12 ist dafür aber unerlässlich.

Vielen Dank für das Gespräch

Interview von Wolfgang G. Krusche

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