Wohin mit den Abwässern?

Ein kompliziertes Konglomerat aus Baurecht, Wasserrecht, Fördermitteln und Bürgerwünschen erschwert es, für den Ortsteil Hattenhofen eine für alle Beteiligten zukunftsfähige Lösung im Umgang mit der Abwasserbeseitigung zu finden. So hat der bereits 1979 für Hattenhofen aufgestellte Bebauungsplan Nr. 15 niemals Rechtskraft erlangt, trotzdem haben seine Festlegungen Eingang in den Flächennutzungsplan gefunden. Fakt ist, dass die Stadt in Bebauungsplangebieten für die Erschließung zu sorgen hat.

Bis 31. Mai soll nun der Stadtrat nach eingehender juristischer Beratung entscheiden, ob Hattenhofen an das Kanalnetz der Stadt angeschlossen wird, oder ob auch der Bebauungsplan aufzuheben ist. Rund 75 Prozent der Hattenhofener, so hieß es in der jüngsten Sitzung des Stadtrates, seien, nicht zuletzt auch aus Kostengründen, für eine dezentrale Beseitigung des Abwassers, also gegen den An- schluss. Die mit öffentlichen Mitteln geförderten Kleinkläranlagen können jedoch nur dort genehmigt werden, wo eine abwassertechnische Erschließung nicht vorgesehen ist. Insgesamt befindet sich die Stadt in dieser Frage in der Zwickmühle, denn wenn kein Anschluss erfolgt, können möglicherweise Zuschüsse für den Bau des Regenüberlaufbeckens Geisenried zurückgefordert werden, das in seiner Dimensionierung bis zu 15 Prozent der Hattenhofener Abwässer aufnehmen soll. Eine Aufhebung des Bebauungsplanes wiederum könnte Schadenersatzforderungen we-gen Verlustes der Bebaubarkeit nach sich ziehen. Da die bestehende Straßenentwässerung in Hattenhofen wasserrechtlich ein Provisorium darstellt und die Trinkwasserversorgung wegen ihres schlechten bau-lichen Zustandes und wegen der eingeschränkten Löschwasserversorgung er-neuert werden muss, sind Tiefbaumaßnahmen in Hatten- hofen ohnehin unausweichlich. Die von Wolfgang Hannig (SPD) ins Gespräch gebrachte kostensparende Lösung, in einem sogenannten Treppengraben alle drei Leitungen (Wasser, Schmutzwasser und Oberflächenwasser) gleichzeitig zu verlegen, wurde von Stadtbaumeister Peter Münsch abgelehnt. Obwohl anderen Ortes von diesem Verfahren Gebrauch gemacht werde, entspreche es nicht den technischen Normen. So müsse, allein schon aus Gewährleistungsgründen, jeder Leitungsgraben gesondert verdichtet werden. Mit Blick auf die gegebenenfalls drohende Rückzahlung von Fördermitteln meinte Wolfgang Schmid (FW), dass es sich bei dem Regenüberlaufbecken Geisenried um ein Mischwassersystem handle und damit, unabhängig von zentralen Anschluss aller Bürger die vorgehaltenen 15 Prozent immer anfallen würden. Dieser Bewertung konnte sich Stadtbaumeister Münsch anschließen. In letzter Konsequenz sei, so Bürgermeister Werner Himmer, die rechtliche Bewertung abzuwarten, bevor eine endgültige Entscheidung fallen könne. Auch müsste intensiv in den alten Akten gesucht werden, um einen Gesamtüberblick über die letzten 30 Jahre zu bekommen. Aus vielerlei Wortmeldungen von Stadträten war die Tendenz herauszuhören, man möge den Wunsch der Hattenhofener Bürger Rechnung tragen.

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