Wohnen auf Krankenhausareal Marktoberdorf: Wann beim Architektenwettbewerb der weiße Rauch aufstieg

„A bissle so wie bei der Papstwahl"

+
Lothar Beck (von links), Stefan Hofer sowie die beiden Geschäftsführer Bernd Munz und Monika Beltinger vom Architekturbüro LARS Consult aus Memmingen mit Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell und Bauamtschef Ralf Baur zeigen das Modell.

Marktoberdorf – Zwischen Marktoberdorf und Rom liegen 900 Kilometer. Aber der Vergleich, den Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell anstellte, ist naheliegend: Das Finale im städtebaulichen Realisierungswettbewerb zum ehemaligen Krankenhausareal, sprich die Ermittlung der Preisträger, sei „a bissle so wie bei der Papstwahl“. Am Morgen versammelte sich das Preisgericht zur Sitzung; erst nach 20 Uhr konnte laut Dr. Hell „weißer Rauch“ aufsteigen.

Der erste Preis wurde dem Büro LARS Consult aus Memmingen zugesprochen. Das Preisgericht empfiehlt der Stadt, dieses Architekturbüro mit der weiteren Überplanung des Geländes an der Hochwiesstraße zu beauftragen. Dazu bedarf es noch eines Beschlusses des Stadtrates.

Vier Preisträger und drei Anerkennungen

Für den Siegerentwurf gibt es 13.000 Euro als Preisgeld. Der zweite Preis (9000 Euro) wurde Architekten aus Hamburg zuerkannt. Aus dem Raum München kamen die Architekten und Stadtplaner, die einen dritten (6.000 Euro) beziehungsweise einen vierten Preis (4.500 Euro) zugesprochen bekamen. Drei weitere Arbeiten wurden mit Anerkennungen (je 2500 Euro) versehen. Zuvor waren in zwei Bewertungsrunden zwölf der insgesamt 19 eingereichten Entwürfe nicht mehr für die vorderen Plätze in Erwägung gezogen worden.

Inzwischen ist es sechs Jahre her, dass in Marktoberdorf das Krankenhaus an der Hochwiesstraße geschlossen wurde. „Wenn da draußen keine Menschen mehr geheilt werden können, dann sollen wenigstens Menschen dort gut wohnen können,“ sagte Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell, als die Ausstellung mit allen eingereichten Entwürfen im Erdgeschoss des Rathaussaales eröffnet wurde, die noch bis Freitag, 29. Dezember, zu den üblichen Öffnungszeiten besichtigt werden kann.

Ralf Baur, Chef des Stadtbauamtes, rückte die Ideen der vier Preisträger in den Mittelpunkt. Diese seien alle geeignet, um dort in den nächsten Jahren ein Wohnquartier für circa 700 Menschen und eine Tagesstätte sowie zumindest eine Bäckereifiliale zu schaffen.

Der Entwurf des Hamburger Büros „Co/Zukunft Urbane Strategien“, das den zweiten Preis erhielt, kommt mit nur einer Zufahrt für die Wohnbebauung aus. Diese würde – von der Saliterstraße her – die Siedlung ringförmig erschließen. Die Durchgrünung werde positiv gesehen. Kritisch habe das Preisgericht, so fuhr Architekt und Stadtplaner Ralf Baur fort, die Geschlossenheit der Anlage diskutiert. Diese würde sich einer Vernetzung mit der Nachbarschaft eher verschließen.

Der Siegerentwurf des Memminger Büros „LARS Consult“ ist mit dem Schlagwort „Fünf Höfe“ überschrieben. Die fünf Wohnbereiche seien dazu geeignet, gute Nachbarschaften zu bilden. Die Höfe mit Einzelgebäuden und Wohnriegeln seien gut proportioniert und blieben frei vom Autoverkehr. Das führe zu einer ruhigen und geschützten Wohnqualität, ergänzte Baur.

Im Siegerentwurf wird das Areal durch eine Straßenspange erschlossen, die zwischen Hochwies- und Saliterstraße verläuft. Nutzungen wie eine Kindertagesstätte, Räume für die Lebenshilfe oder eine Bäckerei seien sinnvoll am östlichen Siedlungsbereich zur Saliterstraße hin angeordnet. Dadurch werde Hol- und Bringverkehr aus dem Inneren des Quartiers herausgehalten. Die meisten Wege seien fußläufig. Deswegen seien aber die Wege schon so dimensioniert, dass Anwohner „mal fünf Kasten Bier ausladen könnten“, wie Baur schmunzelnd anmerkte.

Fünf fachliche Preisrichter dabei

Der städtebauliche Wettbewerb für das ehemalige Krankenhaus­areal wurde vom Büro Till Fischer aus Germering betreut. Im Preisgericht saßen fünf Fachpreisrichter, darunter Architekt Professor Dr. Franz Pesch aus Stuttgart als Vorsitzender des Gremiums und Baur. Vier Kommunalpolitiker gehörten zum Kreis der Sachpreisrichter. Dies waren Bürgermeister Hell, dessen Stellvertreter Wolfgang Hannig sowie die Stadträte Franz Barnsteiner und Dr. Karl Renner.

2018 soll die Bauleitplanung für das Gelände vorangetrieben werden, das zum größeren Teil im Besitz der Stadt ist und zum kleineren Teil im Besitz der Firma Hubert Schmid. Im Jahr darauf kann die Erschließung mit Straßen, Wasser und Kanal erfolgen. Dann ist die Zeit reif für die Bebauung. Dort wird zeitgemäßer Geschosswohnungsbau realisiert; einzelne Häuser sind nicht vorgesehen.

jj

Auch interessant

Meistgelesen

Der Nikolaus war schon da... 
Der Nikolaus war schon da... 
Abschiebung von Asylbewerber: Ruderatshofener Firma Meggle wehrt sich
Abschiebung von Asylbewerber: Ruderatshofener Firma Meggle wehrt sich
Sparkassenvorsitzender Winfried Nusser hat große Pläne für die Zukunft
Sparkassenvorsitzender Winfried Nusser hat große Pläne für die Zukunft
Keine Stille Nacht allein unterm Baum
Keine Stille Nacht allein unterm Baum

Kommentare