Wohnungsmarkt stellt für anerkannte Flüchtlinge eine Herausforderung dar

Auch mit Hilfe bleibt es schwer

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Die Gruppe Umzug des Asylkreis hat allen Grund mit seiner bisherigen Arbeit zufrieden zu sein. (V.l. Bildungsberater Jürgen Schick, Tochter Carina, Mutter Birte, Integrationslotsin Cornelia Paulus und Vater Michael Thordsen.)

Kaufbeuren – Der Kern der Arbeitsgruppe „Umzug“ ist, was die Ehrenamtlichen des Arbeitskreises Asyl angeht, derzeit ein Familienunternehmen, und trägt den Namen Birte, Carina und Michael Thordsen.

Bildungsberater Jürgen Schick und Integrationslotsin Cornelia Paulus unterstützen von hauptamtlicher Seite. Die Initiative entstand vor etwa einem Jahr vor dem Hintergrund eines aktuellen Bedarfs: Obwohl viele Flüchtlinge bereits ihre Anerkennung hatten, mussten sie in einem Flüchtlingsheim weiter ihr Zimmer mit zwei, drei andern teilen, weil sie keine für sie finanzierbare Wohnung finden konnten. Mit Hilfe der Umzugsgruppe und des Arbeitskreis Asyl konnte inzwischen 300 Flüchtlingen trotz desolater Wohnungsnot und einiger Vorurteile geholfen werden, eine feste Unterbringung zu finden.

„Hilfe zur Selbsthilfe“ heißt die bewährte Devise, aber dazu brauchen die Betroffenen erst einmal zuverlässige Informationen, was es in unserem Land bei der Wohnungssuche, beim Umzug und beim Mietwohnen zu beachten gilt. Dazu hat die Gruppe eine detaillierte, aber einfach geschriebene Checkliste zusammengestellt. So können die Wohnungssuche und die Wochen bis zum Umzugstag und sogar darüber hinaus Punkt für Punkt systematisch geklärt werden. Schick betont, diese Hilfe richte sich an alle Wohnungssuchenden, schließlich stehen auch Einheimische im Umzugstrubel bisweilen vor dem Dilemma, ein wichtiges Detail übersehen zu haben. So gelte es laut Familie Thordsen, rechtliche Fragen mit den zuständigen Behörden zu klären, Transportmöglichkeiten und Umzugshelfer zu organisieren und auch Handwerker müssten termingerecht bei der Übernahme helfen.

Der ganze Arbeitskreis Asyl hilft

Bei der Unterstützung beweist sich einmal mehr der Nutzen der intern guten Vernetzung des Arbeitskreises. Informiert ein Haus- oder Familienpate, dass jemand eine Wohnung sucht, dann kann das weit gespannte soziale Netz der hundert ehrenamtlichen Helfer schon bei der Suche helfen. Ganz im Sinne von, „in der Nachbarschaft wird demnächst was frei, ich könnte mal fragen.“ Hier lassen sich von der Umzugsgruppe auch Ehrenamtliche finden, die bei Behördengängen und Wohnungsbesichtigungen begleiten können.

Aber auch praktische Fragen, wer Umzugskartons oder das ein oder andere Möbelstück entbehrten könnte, lassen sich oft in der großen Gruppe leichter klären. Die Umzugsgruppe verfügt auch über aktuelle Computerlisten, wo was zu finden ist. Nach wie vor sucht die Gruppe, sowohl Umzugshelfer als auch qualifizierte Umzugshandwerker. Es wird auch auf die Solidarität anderer Flüchtlinge gebaut. Organisiert und koordiniert wird der Umzug vor allem von der Familie Thordsen. Als gelernter Schreiner legt Michael Thordsen auch schon einmal selbst mit Hand an, wenn es um den Auf- und Umbau einer Einbauküche geht.

Bezahlbarer Wohnraum ist knapp

Nach Aussage von Bruno Dangel, Leiter des Ordnungsamts, der für die Unterbringung von Obdachlosen zuständig ist, sind die Aussichten für sozial schwache Wohnungssuchende in Kaufbeuren derzeit nicht gut. Peter Kloos, Leiter des Sozialamts, erklärt die Verknappung des sozialen Wohnraums mit einer deutlichen Steigerung des Mietniveaus auf dem Hintergrund einer steigenden Nachfrage. Auch Schick bestätigt, nach seiner Erfahrung sei gerade die Suche nach Ein-, Zwei-Zimmer-Wohnungen fast aussichtslos sei. Für die in Universitätsstädten üblichen Wohngemeinschaften fehle es in Kaufbeuren noch an der Akzeptanz. Und nicht alle Vermieter würden Flüchtlinge unvoreingenommen als Mieter akzeptieren. Vielfach unberechtigte Bedenken ließen Mietverhandlungen schon im Vorfeld scheitern. Um die Bezahlung der Miete bräuchte sich laut Schick niemand Sorgen zu machen, da bei angemessener Mietforderung die zuständige Behörde in sozialen Notlagen für die Kosten aufkäme.

Von Suska-Zerbes

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