Feierstunde

Denkwürdiger Festakt zum 100-jährigen Jubiläum der Musikschule Kaufbeuren

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Ungewohnte Bestuhlung im Stadtsaal: Mit Corona-Abstand passen knapp 50 geladene Gäste in den Saal, nur Ehepaare dürfen bei einander sitzen. Auf den Stühlen liegen Festschriften und Programme bereit.
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Ehrengäste in der ersten Reihe (von links): Bürgermeisterin Dr. Erika Rössler, OB Stefan Bosse, Schirmherr Franz Josef Pschierer, Mitglied des Bayerischen Landtages, Staatsminister a.D. und Präsident des Allgäu Schwäbischen Musikbundes (ASM), Markus Lenz, Schulleiter der Musikschule Grünwald e.V. und Erster Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Sing - und Musikschulen e.V. (VBSM), Bürgermeister und Mitglied des Elternbeirats Oliver Schill mit Gattin.
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Stella Klein aus der Gesangsklasse von Heike de Young und Christian Marxer (Cello) aus der Klasse von Michael Kagermeier, Manfred Guggemos (Gitarre) und Christine Rietzler (Cembalo) vom Musikschul-Lehrkörper.
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Stella Klein aus der Gesangsklasse von Heike de Young.
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Aus dem Saxophon-Ensemble Tobias Schill und Anton Kramny (beide Altsaxophon) mit Leiter Udo Schmid (Tenorsaxophon).
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Reicht kaum an Klaviatur und Pedale und spielt furios wie eine Große: Die zehnjährige Melissa Yuan aus der Klavier-Klasse von Musikschulleiter Martin Klein.
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Am Bösendorf-Flügel Melissa Yuan aus der Klavier-Klasse von Musikschulleiter Martin Klein, davor das Hornquartett mit Paul Dienel, Magnus Fürst, Raphael Plonski und Veronika Steinheber (Leitung: Johannes Bernhard).
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Nach der Feierstunde gab es vor dem Stadtsaal Getränke und ein kleines Platzkonzert mit den „Buron-Böhmischen“ aus der Musikschule unter Herbert Hornig.

Kaufbeuren – Etwas gewöhnungsbedürftig präsentierte sich der Stadtsaal mit coronagerechter Bestuhlung, als die Sing- und Musikschule Kaufbeuren am vergangenen Sonntag wenigstens eine kleine Feierstunde anlässlich ihres hundertjährigen Bestehens abhielt.

Eigentlich hätte es ein triumphaler „Circus Musicale“ mit rund 200 Mitwirkenden vor einem brechend vollen Stadtsaal werden sollen – aber die aktuellen Coronavorschriften besagen: Nur maximal 50 Gäste, 1,50 Meter Abstand zwischen den Stühlen und Mundschutz, sobald man den Sitzplatz verlässt. Lediglich Ehepaare dürfen beieinander sitzen. Auch auf der Bühne müssen die Musizierenden große Abstände einhalten.

Dennoch hat es Musikschulleiter Martin Klein fertig gebracht, in der kurzen, zum Proben zur Verfügung stehenden Zeit, seit ab 15. Juni wieder Einzel- und Gruppenunterricht erlaubt sind, ein ansprechendes Programm auf die Beine zu stellen. Am Sonntag zeigten Lehrer und Schüler gemeinsam, auf welch hohem Niveau sich die musikalische Ausbildung in der Kaufbeurer Musikschule befindet. Und man habe ja trotz allem mit Imagefilm und Festschrift Präsentierbares vorzuweisen, so Klein. Im Programm sind die Musikstücke als „Zwischenmusik“ bezeichnet. Aber eigentlich, so merkte Grußwortsprecher Markus Lenz an, seien diese Musikstücke die Hauptteile, während „wir Redner dazwischen sind“.

Markus Lenz, Schulleiter der Musikschule Grünwald e.V. und Erster Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Sing- und Musikschulen e.V. (VBSM), kann in diesem Jahr ebenfalls ein Jubiläum feiern: Das fünfzigjährige Bestehen des VBSM. Er kündigte an, dass der Bayerische Musikschultag Ende Oktober „wie auch immer“ auf jeden Fall stattfinden werde. Weitere Grußworte kamen von Oberbürgermeister Stefan Bosse und von MdL Franz Josef Pschierer, Staatsminister a.D. und Präsident des Allgäu Schwäbischen Musikbundes (ASM). Martin Klein dankte Pschierer insbesondere dafür, dass er bereitwillig die Schirmherrschaft eines Jubiläums übernommen habe, das (fast) nicht stattgefunden hat.

Schulleiter Klein zeigte den soeben fertiggestellten neuen, dreiminütigen Imagefilm der Musikschule. Auf YouTube ist er bereits zu sehen und wird demnächst auch auf der Webseite der Schule zu finden sein. Außerdem präsentierte Klein die exakt hundertseitige Festschrift, die nicht zuletzt dank der Aktion „Hundert für Hundert“ rechtzeitig gedruckt werden konnte (wir berichteten). Anhand der projizierten Festschrift, die im Übrigen jeder Gast auch auf seinem Platz vorgefunden hatte, vermittelte Klein eine Zusammenfassung der Erfolgsgeschichte der Schule, ihrer Angebote und ihrer Vernetzung mit anderen Kulturschaffenden. Etliche davon saßen im Publikum.

Besonders genossen die Gäste, dass sie nach langem Kulturfasten endlich wieder einmal klassische musikalische Highlights live erleben durften: Einleitend spielte Christian Marxer aus der Klasse von Michael Kagermeier den 1. Satz aus der Cellosuite Nr. 1 von Johann Sebastian Bach. Stella Klein aus der Gesangsklasse von Heike de Young bezauberte mit einer wunderbaren warmen Stimme und gab – von einem Barockensemble (Christian Marxer, Cello, Manfred Guggemos, Gitarre, Christine Rietzler, Cembalo) begleitet – Henry Purcells „Music for a While“ zum Besten. Das aus Paul Dienel, Magnus Fürst, Raphael Plonski und Veronika Steinheber bestehende Hornquartett brachte das von Johannes Bernhard, dem Leiter des Hornquartetts arrangierte Stück „Trösterin Musik“ von Anton Bruckner dar sowie später „Frippery N0.9 – Charleston” von Lowell E. Shaw. „The Big Brass Band“ von James Power wurde vom Saxophon-Ensemble Tobias Schill und Anton Kramny (beide Altsaxophon) mit Leiter Udo Schmid (Tenorsaxophon) präsentiert. Als Klarinetten-Solistin trat Jasmin Uzuner aus der Klasse von Bin Wei Jiang auf mit dem 1. Satz aus dem Klarinettenkonzert Nr. 3 von Carl Stamitz, am Klavier begleitet von Christine Rietzler. Abschluss und definitiv Höhepunkt der Feierstunde war die erst zehnjährige Melissa Yuan aus der Klavier-Klasse von Musikschulleiter Martin Klein. Sie kam mit einer Plüschmaus auf die Bühne und spielte, nachdem sie den Klavierhocker maximal nach oben geschraubt und eine Vorrichtung zur Erhöhung der Pedale angebracht hatte, schwungvoll und virtuos das laut Klein „ein bisschen lustige“ Stück „Mickey Mouse“ von Manfred Schmitz. Im Anschluss an die Feierstunde waren alle Gäste noch zu Getränken und einem kleinen Platzkonzert vor dem Stadtsaal mit den „Buron-Böhmischen“ unter Herbert Hornig eingeladen.

Natürlich fanden auch die obligatorischen Ehrungen statt: Gerhild Sigle-Schmiderer wurde nach 38 Jahren Lehrtätigkeit in den Ruhestand verabschiedet und Margit Bär wurde für über 40 Jahre als treue Schülerin der Musikschule geehrt.

Alle Besucher waren sich einig: Dieser Festakt war zwar völlig anders als gewohnt, aber vielleicht gerade deshalb besonders denkwürdig. Und die jetzt weggefallenen Programmpunkte werden mit Sicherheit in einer irgendwann coronafreien Zukunft noch gezeigt werden.

von Ingrid Zasche

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