"Mit Gunst und Verlaub..."

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Die Gäste erwarten den traditionellen Richtspruch des Zimmerermeisters Bernhard Hefele für den Rohbau in der Innenstadt von Marktoberdorf.

Marktoberdorf – Mit dem Richtspruch „Mit Gunst und Verlaub...“ und einem bunt geschmücktem Richtbaum grüßte der Zimmerermeister Bernhard Hefele die versammelten Gäste vom Gerüst im ersten Stock des fertiggestellten Rohbaus in der Eberle-Kögl-Straße in der Innenstadt von Marktoberdorf.

In diesem Rahmen verlieh er dem Dank an den Architekten, den Bauherrn, an alle an diesen Bauwerk Mitwirkenden sowie der Freude über die vollendete Arbeit Ausdruck. Mit einem „...auf die Gäste und auf’s Haus, bring ich ein Prosit aus“ leerte er ein Glas Wein und zerschmetterte das Glas als traditionellen Glückwunsch für die Bauherrschaft. 

Im Grußwort würdigte der 2. Bürgermeister Wolfgang Hannig den Tag des Richtfests als guten Tag für die Stadt, weil damit eine jahrzehntelange „Wunde“ in der Innenstadt endlich geschlossen worden sei. Es sei auch ein Zeichen für weitere Grundbesitzer in der Stadt, sich mutig zu zeigen und weitere „Wunden“ in Marktoberdorf anzugehen. 

Der Architekt Thomas Traut machte in seiner Rede einen Ausflug in die Tradition des Richtfestes aus dem 14. Jahrhundert und erinnerte an die Verantwortung der Zimmerleute für das (aus-)richten des ganzen Hauses und des Dachstuhls. Ein wichtiger Aspekt war dabei auch der Dank für die damals übliche Mithilfe durch die Nachbarschaft und höfliche Erinnerung an die Begleichung offener Verbindlichkeiten, damit man „im neuen Hause auch ruhig schlafen“ könne. 

Der Eigentümer Xaver Stocker rief die Geschichte des Hauses ins Gedächtnis, vom Kauf des „Gasthaus Mooren“ im Jahre 1912 durch den Großvater, an die Verpachtung ab 1920 als Gaststätte bis 1991. Anschließend stand das damals 200 Jahre alte Haus leer und wurde bei einem Brand in der Nacht zum 8. August 1995 so stark beschädigt, dass nur noch ein Abbruch in Frage kam. Nach jahrelangen Bemühungen konnten manche Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt und der Neubau nun endlich in Angriff genommen werden. Wichtig für die Realisierung waren auch immer lösungsorientierte Gespräche mit der Stadtverwaltung und Vertretern vom Landratsamt. 

Der Bauherr bedankte sich abschließend bei den Handwerkern für die geleistete Arbeit und nicht zuletzt auch bei den Nachbarn für ihr Verständnis wegen der Unannehmlichkeiten eines solchen Bauvorhabens mitten in der Stadt. Mit dem Modehaus Martin und Architekturbüro Traut wurden auch bereits zwei wichtige Mieter gewonnen, die schon diesen Herbst und im Frühjahr nächsten Jahres einziehen wollen.

von Wolfgang Krusche

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