Ab in die Zelle – Bücher für alle

Stadt Marktoberdorf beschließt öffentlichen Bücherschrank

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Nimm eins, bring eins, lautet das Motto öffentlicher Bücherschränke. In Marktoberdorf sollen die Telefonzellen grün-weiß gestaltet sein.

Marktoberdorf – Die „Bücherecken-Affäre am Wertstoffhof“, wie es Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell kürzlich im Scherz meinte, hat nun unerwartet positive Folgen für Bücherfreunde in Marktoberdorf. Wie die Stadtverwaltung im Kulturausschuss vergangenen Montag mitteilte, werden nun doch sogenannte offene Bücherschränke in der Stadtmitte aufgestellt.

Wie berichtet, hatte die Schließung der Bücherecke am Wertstoffhof zu heftigen Protesten und Nachfragen der Bevölkerung geführt. Deshalb nimmt die Verwaltung nun einen Vorschlag von Stadtrat Wolfgang Schuster (Bayernpartei) auf, der bereits vor rund neun Monaten ein für alle offenes Bücherregal in der Stadt gefordert hatte. Mittlerweile ist neben dem „ob“ auch das „wie“ geklärt: Auf der Basis ausrangierter Telefonzellen soll nun zunächst eine witterungssichere, abschließbare und standsichere „Bücherzelle“ auf dem Stadtplatz aufgestellt werden. Getreu dem Motto „bring eins, nimm eins“ dürfen sich Passanten am offenen Bücherschrank bedienen, sich ein Buch für die Kaffeepause oder für eine ausführliche Lektüre zuhause gratis ausleihen.

Die gelben Telefonzellen von damals seien leider ausverkauft, bedauerte Rupert Filser vom Kulturamt der Stadt. Die angeschaffte Zelle soll daher in den Stadtfarben grün-weiß gestrichen werden und zunächst mit Büchern der Stadtbücherei bestückt werden. „Später wird das sicher eine eigene Dynamik entwickeln“, betonte Filser. „Je nach dem Geschmack der Benutzer!“ Die Bücherzelle soll allerdings nicht als Müllsammelstelle für alte oder gar schadhafte Bücher verstanden werden. Man werde regelmäßig kontrollieren, aussortieren und entsorgen, stellte Bürgermeister Hell in Aussicht. Die Anschaffung einer leeren Telefonzelle bei der Telekom betrage 500 Euro, beantwortete Bürgermeister Hell eine Frage von Wolfgang Glas (SPD). Der städtische Bauhof übernehme dann die Aufstellung. Die Betreuung des offenen Bücherschranks hofft die Stadt, in ehrenamtliche Hände übertragen zu können. Außer nachts soll der öffentliche Bücherschrank für jeden zugänglich und geöffnet sein.

Hell mahnte allerdings, dass ein öffentlich zugänglicher Bücherschrank keine städtische Bücherei und keine Buchhandlung ersetze. Die Mitglieder des Kulturausschuss befürworteten die Einrichtung einer Bücherzelle und konnten sich – bei entsprechender Nachfrage – auch weitere öffentlich zugängliche Lektüreplätze vorstellen.

von Angelika Hirschberg

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