Zuflucht und Perspektive geben

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KLAUS BAUER Kaufbeuren – Mit einer Feierstunde im Haus Sankt Martin beging das Frauenhaus Kaufbeuren – Ostallgäu sein 15–jähriges Bestehen. Leider sei auch das Ostallgäu mit Blick auf Gewalt gegen Frauen keine Insel der Glückseeligen meinte der stellvertretende Landrat Hubert Endhart und betonte die gute Zusammenarbeit zwischen Kaufbeuren und dem Landkreis. Der Umstand, dass seit 15 Jahren Frauen und Kinder von einer guten Hand aufgefangen werden können, um ihnen Zuflucht und Perspektiven zu bieten, sei sicher ein Grund zum Feiern, aber leider auch ein Grund zur Trauer, denn die Existenznotwendigkeit eines Frauenhauses stimme, gesell-schaftlich betrachtet, nicht gerade fröhlich, so Endhart. 330 Frauenhäuser in Deutschland mit 7000 Plätzen sprächen hier eine eindeutige Sprache. Doris Wenzel, die das Frauenhaus seit 6 Jahren leitet, zeigte in ihrer Begrüßungs-ansprache die wichtigsten Ziele der Kaufbeurer Zufluchtsstätte auf und hob dabei besonders hervor, dass es gelte das Selbstwertgefühl der von Gewalt betroffenen Frauen wieder aufzubauen und ihnen Perspektiven für ihr künftiges Leben aufzuzeigen. Jede der bisher 728 Hilfe suchenden Erwachsenen habe ihre eigene Geschichte, der es gelte im Rahmen der Möglichkeiten Rechnung zu tragen. Natürlich gebe es auch Grenzen, die sich durch bestehende Gesetze, durch Besonderheiten der Herkunft, aber auch durch Sprachschwierigkeiten er-gäben. Die unmittelbare Hilfe durch das Frauenhaus, aber auch die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Beratungsstellen schaffe gute Voraussetzungen für eine wirksame Hilfe. Gudrun Schubert, die Vorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF) betonte in Ihrer Ansprache, dass die Hilfe unabhängig von Religionszugehörigkeit und Herkunft gewährt würde. Bürgermeister Stefan Bosse, der selbst dem Förderverein für Frauen und Kinder im Frauenhaus Ostallgäu – Kaufbeuren beitreten will, wies auf seine besondere Beziehung zu dieser Anlaufstelle hin. Als ehemaliger Polizei-beamter habe er mehrmals die Ohnmacht der Polizei bei Fällen häuslicher Gewalt miterleben müssen und sei sehr froh gewesen, in dem Frauenhaus eine Soforthilfestelle anbieten zu können. Zwei Herzen schlügen in seiner Brust als Bürgermeister, denn einerseits müsse die Stadt und der Kreis ihren Schutzverpflichtung nachkommen und für die Finanzierung dieser wichtigen Einrichtung sorgen, andererseits sei das Frauenhaus auch eine große Herausforderung für Kaufbeuren, denn die hier betreuten Fälle seien häufig überregionaler Natur. Ein Schmankerl der besonderen Art waren die musikalischen Dar- bietungen zwischen den Redebeiträgen. Mit Berthold Brechts Hanna Kasch gelang es, zum Thema passend, einen feierlichen Rahmen zu schaffen.

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