Bürgerversammlung Kemnat

"Dialog statt Vortrag"

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Rege Beteiligung der Kemnater Bevölkerung als OB Stefan Bosse (stehend) und Baureferatsleiter Helge Carl (links sitzend) die notwendigen Straßensanierungen darstellen.

Kaufbeuren-Kemnat – „Bürgernähe gesucht und gefunden“. Dies ist das zufriedene Fazit der zweiten Bürgerversammlung dieses Jahres, die in Kemnat am vergangenen Donnerstag stattfand. Am Abend widrigste Wetterbedingung draußen. Drinnen im Feuerwehrhaus gemütliche Gastlichkeit. Wie gewohnt. Vor allem das Thema Straßensanierung und die damit verbundene Kostenbeteiligung der Anwohner standen im Fokus der Diskussion.

„Dialog statt Vortrag“, betonte Oberbürgermeister Stefan Bosse, schließlich solle der Bürger zu Wort kommen. Auch der Verzicht auf Mikrofon und technische Hilfsmittel sollte für die nötige Bürgernähe sorgen. In einer halben Stunde hatte der Oberbürgermeister konzentriert die aktuellen Eckpunkte der Stadtpolitik zusammengefasst: Bedauerlich sei der Rückgang der Geschäftseinnahmen vor dem Hintergrund der Innenstadt-Sanierung. Hier werde von der Stadt bis zum Ende der Baumaßnahmen im Herbst um die Solidarität der Bürger geworben.

Zügig voran gehe es laut Bosse beim neuen Einkaufszentrum im Forettle und im neuen Baugebiet oberhalb des Klinikums. Inzwischen könne man bereits die zweite Ausbauphase angehen. Beim Bau des Eisstadions gestand der Oberbürgermeister ohne Umschweife ein, dass sich die voraussichtlichen Kosten von 23 auf 24 Millionen erhöhen. „Eine noch überschaubare Kostenentwicklung“, urteilte er selbst.

Was die Kemnater betrifft, sei die neu eingerichtete Anlage für die Bogenschützen auf dem Gelände der Stadtranderholung völlig sicher; so zumindest das Ergebnis einer amtlichen Begehung von Experten.

In der Planungsphase befänden sich noch der Um- beziehungsweise Neubau der Polizeidienststelle und die Unterbringung der Finanzverwaltung, die nach Kaufbeuren verlagert werde. Diese „Klärungsphase“ gelte auch für den Ausbau der Finanzhochschule, die bis zu 500 Studenten besuchen können. „Eine Entwicklung ganz im Sinne der Bürger“, schloss Bosse seine Darstellung ab. „Die Stadtverwaltung und Stadtpolitik verstehen sich als kompetente Dienstleister, die sich am Interesse der Bewohner orientieren müssen“, gab Bosse seine Sicht der Dinge kund.

Reger Meinungsaustausch

„Die Sanierung bestimmter Straßen ist kein Luxus“, betonte der OB zur Eröffnung der Diskussion. Eine geänderte Gesetzeslage zwinge zu baulichen Maßnahmen in den nächsten drei Jahren. Sind sie in dieser Zeitfrist nicht durchgeführt, gilt der Bau nach 25 Jahren als abgeschlossen. Für mehr als fünfzig Fahrwege – drei davon in Kemnat – sei dies nicht akzeptabel, so Bosse. Die Stadt müsse vor allem da rasch handeln, wo der Zustand der Straße keine andere Wahl lässt. Die Notwendigkeit von Bürgersteigen und Radwegen müssen laut OB bei den Überlegungen mit einbezogen werden.

Die Kemnater Bürger brachten in diesem Zusammenhang ihre Bedenken gleich auf den Punkt: Welche Kosten werden da auf die Anlieger zukommen? Bosse räumte ein, dass ein Teil der Finanzierung nicht von der Stadt übernommen werden könne. Die Anlieger würden je nach Größe des Gebäudes und des Grundstückes zur Kasse gebeten. Für manche sei dies eine nicht unerhebliche Belastung. Unstrittig bei allen Anwesenden war jedoch, dass Sanierungen erforderlich seien. Kaufbeurens zweiter Bürgermeister Gerhard Bucher (CSU) regte zur Senkung der Kosten an, zu prüfen, inwieweit die Stadt sich auf einen preisgünstigeren Dünnschichtbelag beschränken könne. Baureferatsleiter Helge Carl hielt jedoch die Notwendigkeit einer dauerhaften Verbesserung dagegen: „Bei einem rostenden Auto genügt es auch nicht, ein wenig über die beschädigten Stellen zu lackieren“, erklärte er bürgernah. Auf Dauer kämen solide Maßnahmen für alle günstiger.

Die tatsächlichen Kosten seien aber erst konkret benennbar, wenn die etwa einjährige Planungsphase abgeschlossen sei. Bevor die Bagger rollen, werden die betroffenen Bürger zu einem Informations- und Diskussionsaustausch eingeladen, versprach Carl. Die betroffenen Bürger würden am Ende jedoch die bittere Pille schlucken müssen.

Einstimmig gaben die Kemnater ihr Votum für ein anderes Projekt: Geprüft werden soll, ob mit etwa 25 Lampen der Weg zwischen Klinikum und Stefans­tal beleuchtet werden könnte. Die Kosten wären nicht unerheblich: etwa 50.000 Euro. „So etwas lässt sich nicht mehr aus der Portokasse finanzieren!“, bestätigte Carl.

Möwen, Biber, Kröten

Es blieben Probleme, die sich einer leichten und raschen Lösung entziehen. Toni Reissacher machte beispielsweise darauf aufmerksam, dass Möwen den ausgesetzten Fischbestand im Kaiserweiher verzehren. Auf einer ähnlichen Ebene lag der Hinweis eines Bürgers, dass Biber in der Nähe der Stadtranderholung den Baumbestand annagen. Umstürzende Bäume könnten zur Gefahr werden, gab er zu bedenken. Guter Rat – soweit überhaupt möglich – könnte teuer kommen, denn jeder einzelne Baum müsste durch eine Vorrichtung geschützt werden, erklärte Bosse.

Auch der Rathauschef konnte zum Thema Unlösbarkeit von derartigen Problemen einen Beitrag einbringen. So würde die Wanderung von Kröten zum Laichen manches Bauprojekt erschweren oder gar verhindern. Die Frösche wollen zurück zu ihrem Geburtsort, gleichgültig was die Planer beabsichtigen. Klar sei: die Stadtentwicklung ist für alle Beteiligten nicht immer leicht.

von Peter Suska-Zerbes

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