Zuversichtliche Stimmung beim Neujahrsempfang der Wertachstadt

Gute Aussichten für Kaufbeuren

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Neues Tandem: Oberbürgermeister Stefan Bosse und Oberstleutnant Dirk Niedermeier beim gemeinsamen Neujahrsempfang von Stadt und Bundeswehr.

Kaufbeuren – „Ich konnte schnell feststellen, dass sich die Angehörigen der Bundeswehr hier in Kaufbeuren sehr wohl fühlen und ihnen die Stadt eine wahre Heimat ist“, sagte Oberstleutnant Dirk Niedermeier als neuer Kommandeur am Fliegerhorst beim Neujahrsempfang von Bundeswehr und Stadt. Auch Oberbürgermeister Stefan Bosse sprach von einem „ausgezeichneten Ausbildungsstandort“, den er dauerhaft erhalten möchte.

Der Kommandeur und die Stadtspitze zogen in ihren Ansprachen eine Bilanz des vergangenen Jahres und gaben einen Ausblick auf die Entwicklungen in der Zukunft für die Ausbildungseinrichtung und die Stadt.

Beim traditionell gemeinsamen Neujahrsempfang von Bundeswehr und Stadt im Offizierheim am Fliegerhorst begrüßte Niedermeier die rund 300 Gäste aus Politik und Wirtschaft, von Behörden sowie allen Teilen des öffentlichen Lebens und der Gesellschaft. In seiner Rückschau ging der Kommandeur der Abteilung Süd des Technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe auf die Komplexität der sicherheitspolitischen Aspekte im geopolitischen Umfeld ebenso ein wie auf die Auswirkungen für die Bundeswehr allgemein und die Ausbildung vor Ort.

Die „nachlassende Berechenbarkeit“ des amerikanischen Präsidenten habe mit seinen Aktionen unter anderem zur Destabilisierung der Lage in Nahost beigetragen. Als Reaktion der Europäischen Union mit ersten Schritten hin zu einer Verteidigungsunion sei eine strukturierte engere militärische Zusammenarbeit in 17 ausgewählten Projekten beschlossen worden, an der neben Deutschland 24 weitere europäische Staaten teilnehmen. Dazu gehören unter anderem ein gemeinsames medizinisches Kommando und europaweit logistische Drehscheiben. Er beschrieb den Beitrag der Bundeswehr beim Kampf gegen den internationalen Terrorismus in Nahost und die Stationierung von Einheiten in den baltischen Staaten als Reaktion auf die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Russland und die fortgesetzte Destabilisierung der Ukraine. Auf die Bedrohungen der Bundeswehr mit täglich mehr als 4.500 digitaler Angriffe auf ihre Systeme wurden existierende Einheiten mit entsprechender Expertise im neuen Organisationsbereich Cyber- und lnformationsraum der Bundeswehr (CIR) gebündelt. Zudem zeichnen sich Trendwenden in den Bereichen Haushalt, Personal und Material ab. Gerade die Steigerungen bei Personal und Material führen nach seinen Worten zu einem erhöhten Bedarf in der Ausbildung.

Steigender Bedarf

Letztere stehe daher im Fokus vieler Überlegungen bei der Bundeswehr. Im vergangenen Jahr hat die Abteilung Süd in 320 Lehrgängen mit 134 verschiedenen Lehrgangstypen 2317 junge Frauen und Männer ausgebildet. Für 2018 erwartet Niedermeier statt der durchschnittlichen 350 Schüler am Tag in Teilen eine Steigerung auf bis zu 600. Die Professionalität der engagierten und qualitativ hochwertigen Ausbildung sei mit der Auszeichnung des Prinz-Heinrich-Preises durch das Luftwaffentruppenkommando belegt worden. „Er ist Ansporn, unsere Ausbildung auf dem hohen, erreichten Niveau fortzusetzen und wo immer möglich noch weiter zu verbessern“, so der Kommandeur.

Die enge Verbundenheit der Bundeswehr mit der Stadt Kaufbeuren sei auch im letzten Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen und gemeinsamen Aktivitäten hochgehalten worden. Insbesondere die Aktion „Helfen macht Schule“ sei ein Ausdruck der Dankbarkeit für die hervorragende Integration der Bundeswehrangehörigen in die Stadt, an der auch künftig festgehalten werde.

„Mit Stolz kann die technische Ausbildung auf 60 Jahre in Kaufbeuren zurückblicken. Diese 60 Jahre begründen eine Tradition, die uns auch zukünftig Orientierung und Identifikation für unser Selbstverständnis sein kann, sogar sein soll“, sagte der Kommandeur. Diese 60-jährige Tradition wolle man lebendig halten und er schloss mit den Worten: „Ich persönlich wünsche mir, dass wir Kaufbeuren noch sehr lange unsere Heimat nennen dürfen.“

Hohe Investitionen

Bei seiner in großen Teilen launigen Rede bezeichnete die Stadtspitze „die bestmögliche Ausbildung“ am Fliegerhorst als Steilvorlage für den zukünftigen Verteidigungsminister, „diesen ausgezeichneten Ausbildungsstandort zu erhalten“. Schon allein wegen dieses Entscheidungsbedarfs in Kaufbeuren müsse in Berlin schnellstmöglich eine handlungsfähige Regierung gebildet werden. Aber statt hoher Politik wolle er lieber „niedere Politik sondieren“, so Bosse.

Die Stadt müsse innerhalb der nächsten vier Jahre „unglaublich viele Aufgaben erledigen“, die ein Investitionsvolumen mit der Rekordsumme von 93,2 Millionen Euro bedeuten. Als größte Brocken nannte er die Generalsanierung des Jakob-Brucker-Gymnasiums (22,8 Mio.), Neubau und Erweiterung der Feuerwehr (10 Mio.), Investitionen in Straßen und Wege (9,5 Mio.) und in das Kanalsystem (8,1 Mio.) sowie Umbau, Sanierung und Erweiterung von Kitas Am Leinauer Hang und Grünwalder Straße (6,4 Mio.). Auch 2017 habe es laut Bosse keine Neuverschuldung gegeben. Darüber hinaus seien die Schulden um 1,5 Millionen Euro auf den niedrigsten Schuldenstand seit 20 Jahren gesunken und die Steuern seit 25 Jahren nicht erhöht worden. Bei der Kriminalitätsbekämpfung ist Kaufbeuren noch besser als die meisten anderen Städte im Freistaat. „Dank Polizei und engagierter Bürger“, sagte der OB. Er schätzt die Zukunftsperspektiven für die Stadt durch die bereits jetzt absehbaren Verbesserungen beim Ausbau der B12 und bei der Bahnanbindung sowie ein gut verträgliches Bevölkerungswachstum von einem Prozent pro Jahr als hervorragend ein.

Am Ende seiner Ansprache warb der Rathauschef noch in eigener Sache als zweiter Vorsitzender für den „Allgäuer Hilfsfond“, der sich selbst als die „stille Hilfe im Allgäu“ bezeichnet. Abschließend berichtete er in amüsanter Form über eine in der Kämmerei eingedrungene Ratte, die letztendlich in der EDV-Abteilung gefangen worden war. „Wir sind wieder ratt-los im Ratt-Haus“, schloss er schmunzelnd.

von Wolfgang Becker

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