Fahrt mit tragischen Folgen

Zwei Menschen tot: Betrunkener Autofahrer aus Kaufbeuren wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

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Kaufbeuren – Es war ein emotionaler Fall, der vergangene Woche vor dem Amtsgericht Kaufbeuren verhandelt wurde: Ein 32-jähriger Kaufbeurer hatte im September 2019 auf der B12 bei Jengen einen verheerenden Autounfall verursacht, bei dem ein Ehepaar ums Leben kam. Der Unfallverursacher hatte 1,07 Promille Alkohol im Blut und setzte sich trotz Fahruntauglichkeit hinters Steuer. Wegen zweifacher fahrlässiger Tötung wurde er zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt.

In einem Iglinger Nachtclub hatte der Mann laut Anklage in der Unfallnacht den Geburtstag einer Freundin gefeiert und Alkohol getrunken. Per Taxi fuhr er anschließend mit Freunden zu einem Schnellrestaurant. Zu dem Zeitpunkt sei der 32-jährige nach eigenen Angaben müde gewesen. Trotz Warnung seiner Freunde, die ihm davon abrieten, in seinem Zustand mit dem Auto den Heimweg anzutreten, setze sich der Kaufbeurer nach der Rückkehr in den Nachtclub hinters Steuer. Von dort aus fuhr er mit einer Freundin in seinem Auto los. Gegen sieben Uhr kam es dann zu dem folgenschweren Unfall, als der Mann auf der B12 bei Jengen während der Fahrt in einer Rechtskurve in einen Sekundenschlaf fiel und frontal mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zusammenstieß. Die 51-jährige Fahrerin erlitt dabei schwere Verletzungen, ihre beiden Mitfahrer im Alter von 51 und 58 Jahren starben noch an der Unfallstelle. Auch der Angeklagte und seine 32-jährige Beifahrerin wurden schwer verletzt.

Großes Leid verursacht

Laut Anklageschrift sei der Unfall für den Angeklagten vermeidbar gewesen, denn er hätte „bei kritischer Selbstüberprüfung erkennen müssen, dass er in dem Zustand ungeeignet zum Führen von Fahrzeugen war“. Trotzdem habe er sich entschieden, ins Auto zu steigen und habe dadurch „grenzenloses Leid verursacht“. Leid für die Hinterbliebenen, Freunde, Kollegen, Verwandten und die Tochter des Ehepaars. Einige von ihnen waren auch beim Prozess anwesend. Die 51-jährige Fahrerin, die den Unfall schwer verletzt überlebte, habe durch den Unfall nach eigener Aussage ihre besten Freunde verloren. Unter den psychischen und körperlichen Folgen leide sie bis heute. An das Unfallgeschehen habe sie keinerlei Erinnerungen. „Was ist passiert, ich verstehe das einfach nicht“, brachte die Zeugin ihre Fassungslosigkeit über das Geschehene zum Ausdruck. Dass sie nicht die geringste Schuld am Unfall trägt und ihn nicht hätte verhindern können, stellte das Gericht dabei deutlich klar.

„Wie ein Alptraum“

Für den Angeklagten, der sich gleich zu Beginn der Verhandlung bei der 51-Jährigen entschuldigte, sei der Unfall wie ein Alptraum gewesen. Als er zu sich kam, sei überall die Polizei gewesen, der Airbag war offen, und erst nach und nach habe er realisiert, was da gerade passiert war, dass es zwei Tote als Folge des schrecklichen Unfalls gibt. „Es tut mir von ganzem Herzen leid. Das war nicht meine Absicht“, äußerte der Angeklagte vor Gericht sein Bedauern. „Jeden Tag verfluche ich diesen Tag, an dem ich den Unfall gebaut habe, bei dem zwei Menschen gestorben sind“, zeigte sich der Unfallverursacher reuig. Der 32-Jährige, der sich in psychologischer Behandlung befinde und wegen familiärer Probleme schon seit Längerem unter Schlafstörungen leide, habe seither keinen Alkohol mehr getrunken. Laut Verteidiger habe sich der Angeklagte so gut es geht um die Begrenzung des Schadens bemüht und sein Handeln aufrichtig bereut.

Wie der Staatsanwalt verdeutlichte, trage man als Fahrzeugführer eine „gewisse Verantwortung für die anderen Verkehrsteilnehmer“. Hier habe der Angeklagte ein „hohes Maß an Pflichtwidrigkeit“ an den Tag gelegt, mit schwerwiegenden Folgen und bleibenden Auswirkungen auf die Geschädigte und die Hinterbliebenen. Bei der Urteilsverkündung äußerte die Richterin die Hoffnung, dass die verhängte Freiheitsstrafe als „abschreckendes Beispiel“ dienen möge.

von Mahi Kola

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