Zwei wie Pech und Schwefel

Kultserie „Berlin Berlin“ als Kinofilm – „Sven“ und „Hart“ im Interview

+
„Sven“ (Jan Soskniok, links) und „Hart“ (Matthias Klimsa,rechts) trafen sich mit Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch zum Interview.

Jan Sosniok (*1968 in Gummersbach) begann mit der RTL-Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ seine Karriere als Schauspieler. In „Berlin Berlin“ übernahm er von 2001 bis 2004 die Rolle des Sven Ehlers. Matthias Klimsa (*1971 in Osnabrück) arbeitete nach seiner Schauspielausbildung in England am Theater. Popularität erzielte Matthias Klimsa mit der Rolle des Hart in der ARD-Kultserie „Berlin, Berlin“. In Berlin sprachen die Darsteller, die in der Kinofassung von „Berlin, Berlin“ wieder ihre Serienrollen einnahmen, mit Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch über die Rückkehr zu alten Ufern.

Sosniok: Oh nein, es ist ein Doppelinterview mit DEM?

Klimsa: Ja, sehr schlecht gewählt....

Das fängt ja gut an...! Ich sehe, die Konkurrenz hat sich von der Leinwand bis ins Privatleben ausgebreitet?

Sosniok: Natürlich. Wir sind sofort wieder in die alten Rollen verfallen (lacht).

Über viele Jahre hinweg war der Kinofilm „Berlin, Berlin“ im Gespräch. Gab es irgendwann einen Punkt, an dem Sie dachten, jetzt wird es doch nichts mehr?

Sosniok: Der Wunsch hat uns lange begleitet. Irgendwann haben wir ihn aber auch abgelegt, weil es keine Reaktion darauf gab. Umso überraschter waren wir, als dann irgendwann doch diese Idee aus der Schublade genommen wurde. Wir haben uns so gefreut, wie man sich eben freuen kann, wenn man so etwas machen darf.

Klimsa: Ich habe mich auch gefreut wie ein kleines Kind, als die Zusage kam.

15 Jahre sind zwischen der letzten Folge der Serie und dem Kinofilmstart vergangen. Hatten Sie irgendwelche Bedenken?

Klimsa: Ja, als ich das alleine mit mir ausgemacht habe, gab es diese Bedenken auf jeden Fall. Als wir angefangen haben zu lesen und zu proben, gab es sie nicht mehr. Da war jegliche Sorge wie weggeblasen.

Sosniok: Dem ist nichts hinzuzufügen.

Haben Sie sich selbst Gedanken darüber gemacht, wie sich Ihre Figuren in der Zeit zwischen Serie zum Film weiterentwickelt haben oder haben Sie sich da komplett auf den Drehbuchautor David Safier und sein Können verlassen?

Sosniok: Durch das Drehbuch haben wir eine Vorgabe bekommen, daran haben wir uns orientiert. Die Positionen von Sven und Hart haben sich vertauscht. Das bringt Abenteuer mit sich. Die Figuren sind, wie sie nun einmal sind, und gehen dann dementsprechend auch mit der jeweiligen Situation um. Hart ist jetzt eben erfolgreich und Sven halt nicht so.

Klimsa: Die Vorlage für die jetzigen Figuren war eine ganz andere als wie wir sie damals gespielt haben. Meine Überlegung war eher, wie ist Hart dahin gekommen. Was ist in der Zwischenzeit passiert, dass er so geworden ist? Bei Hart war es eindeutig der Erfolg, der ihn geformt und verändert hat: vom Jeans und Koteletten tragenden Typen mit Lederstiefeln zum Anzugträger. Das war das spannende an der Figur.

Ist die Arbeit am Set bei einer Serie anders als bei einem Film?

Sosniok: Ich würde dieses Projekt als eigenständig betrachten, auch wenn dieser Film an die Serie anknüpft. Man hätte auch eine ganz andere Geschichte erzählen können und dennoch wäre es „Berlin, Berlin“ gewesen, weil auch die Serie immer aus ganz vielen Einzelgeschichten bestand. Wir zeigen quasi nur eine Möglichkeit davon und behaupten, dass sich die Figuren so entwickelt haben, wie es nun zu sehen ist. Mit David Safier, der mittlerweile sehr erfolgreich zusammen mit seinem Sohn schreibt, haben wir jemanden, der uns ein Fundament gibt. Er hat die Serie erfunden und versteht die Figuren und das gibt uns Sicherheit. Wir müssen uns daher gar keine Sorgen machen und es nur umsetzen.

Klimsa: Das Vertrauen, das David an uns hatte, haben wir auch ihm geschenkt. Wir konnten uns immer darauf einlassen, was er geschrieben hat, weil wir wussten, dass er die Figuren nicht verraten wird. Die Figuren wurden schon in der Serie immer in Situationen geschmissen, die es gar nicht gibt. Bei jeder neuen Folge, die ich zu lesen bekam, habe ich mich gefreut wie ein kleines Kind, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht. Jedes Mal wurde ich überrascht und das macht alles so wahnsinnig erfinderisch.

Sosniok: David hatte den schwierigsten Part von uns allen. Er musste nach dieser langen Zeit die Figuren wieder auferstehen lassen und so führen, dass man sie erkennt.

Mit welchen Rollen können Sie sich besser identifizieren? Mit den jüngeren oder älteren Versionen von Sven und Hart?

Sosniok: Wenn ich die Rolle von Sven beruflich und optisch sehe, dann habe ich von ihm jeden Teil in mir. Bei der Liebe, die er für Lolle empfindet, trennen sich unsere Wege. Ich habe da eher die Einstellung, dass wenn mich jemand nicht lieben will, dann will er mich nicht lieben und dann lasse ich ihn gehen und sein eigenes Glück finden. Sven will das aber nicht. Der strebt danach, das Chaos aufrechtzuerhalten. Sven, Hart und Lolle sorgen ja gemeinsam dafür, dass dieses „Abenteuer“ bestehen bleibt.

Klimsa: Hart wäre immer noch der, der er mal war, wenn er keine Entwicklung durchlaufen hätte. Es gab vor Zeiten schon einmal eine „Was-wäre-wenn“-Folge, wo seine Entwicklung angedeutet wurde. Da hatten wir schon einmal die Chance, die Figur in einer ganz anderen Art und Weise zu spielen. Im Film passiert dies jetzt im großen Stil. Für mich als Matthias ist mir der alte Hart näher geblieben. Ein Mensch, der immer dann erscheint, wenn man ihn nicht braucht und immer genau das sagt, was man gerade nicht hören will. Hart kann nicht lügen und sieht auch keinen Sinn darin. Nur wenn man die Wahrheit abbildet, kann man sich auch entwickeln. Der neue Hart redet über Geschäftsabschlüsse, was ich so gar nicht mit mir selbst vereinen kann. Wenn ich mir meinen vollen Schreibtisch zu Hause vorstelle, möchte ich wegrennen. Da ist mir der Chaot in Jeans persönlich näher.

Sie beide haben zuletzt vermehrt Rollen in TV-Produktionen gespielt. Ist die Rolle in einem Kinofilm etwas besonderes?

Sosniok: Das Ergebnis ist etwas ganz anderes...

Klimsa: Auch die Arbeit an sich unterscheidet sich. Von der schauspielerischen Seite ist es die gleiche Arbeit, aber von der Technik her unterscheidet es sich. Die Bilder werden anders visualisiert.

Was bedeutet Freundschaft für Sie?

Sosniok: Die Freundschaft zwischen uns ist befruchtend. Matthias bringt mich häufig zum Lachen. Aber wir lernen auch viel voneinander und vertrauen uns. Wir wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können, selbst nachts um 2 Uhr. Freundschaft hat mit Vertrauen und Interesse an einer Person zu tun. Man weiß meist sehr schnell, ob man eine Person näher in sein Leben lassen möchte oder nicht. Bei uns hat „Berlin, Berlin“ dafür gesorgt, dass unsere Freundschaft über die Jahre gewachsen ist.

Klimsa: Man kann sich auch beruflich aufeinander verlassen. Der erste gemeinsame Drehtag nach 15 Jahren fühlte sich so an, als ob wir gestern erst mit der Serie aufgehört hätten. Es war direkt alles wieder da. Wenn man sich trotz der langen Pause so aufeinander verlassen kann, dann hat das etwas mit Hingabe zu tun. Und eben auch mit ganz großem Vertrauen und Respekt voreinander. Freundschaft kann tiefer gehen als eine Liebesbeziehung.

Zusatzinformation: Der Kinostart wurde auf einen unbekannten Zeitpunkt verschoben.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kaufbeurer Ordnungsamt kontrolliert verdeckt
Kaufbeurer Ordnungsamt kontrolliert verdeckt
Nicole Schaller übernimmt Praxis in Friesenried
Nicole Schaller übernimmt Praxis in Friesenried
45 langjährige „Goldene Meister“ ausgezeichnet
45 langjährige „Goldene Meister“ ausgezeichnet

Kommentare