Zweifel an Verkehrsprognose

Buchloe-Lindenberg: Staatliches Bauamt informiert Bürger zum Ausbau der B12

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Aktuell würden laut Staatlichem Bauamt knapp 20.000 Fahrzeuge täglich die B12 im Bereich Buchloe – Untergermaringen in beiden Richtungen nutzen. Nach dem vierspurigen Ausbau soll der Verkehr um 25 Prozent steigen. Dies sei zu niedrig angesetzt, glaubt Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger und fordert entsprechende Lärmschutzmaßnahmen.

Buchloe-Lindenberg – Es ist gerade einmal fünf Jahre her, dass die B12 dreispurig ausgebaut wurde. Schon damals galt Horst Seehofers Versprechen, einen vierspurigen Ausbau der B12 zwischen Buchloe und Kempten Wirklichkeit werden zu lassen. Mit der Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan 2030 ist der Ausbau beschlossene Sache. Mit der Umsetzung wurde das Staatliche Bauamt in Kempten beauftragt. Dort steht man allerdings erst am Anfang der Planungen.

In einer ersten Bürgerversammlung im Buchloer Stadtteil Lindenberg wurden am Mittwoch die Anwohner informiert. Die Informationen waren aufgrund des frühen Planungsstandes noch sehr allgemein. Einzig über die vier Trassenvarianten konnten sich die Besucher der Veranstaltung ein Bild machen.

Die rund 51 Kilometer lange Ausbaustrecke, die nicht nur Buchloe mit Kempten sondern auch die beiden Autobahnen A96 und A7 verbinden soll, ist in sechs Planungsabschnitte eingeteilt. Begonnen wird, so der Leiter des Projektes, Thomas Hanrieder, jeweils an beiden Enden, also auf dem Abschnitt Buchloe – Untergermaringen und Kempten – Wildpoldsried. Den frühesten Baubeginn für den Streckenabschnitt Buchloe – Untergermaringen sieht Hanrieder im Jahr 2021, vorausgesetzt, die Planfeststellungsverfahren ziehen keine langwierigen Verwaltungsgerichtsverfahren nach sich. Die Bauzeit dürfte bei zwei Jahren liegen.

Im gegenwärtigen Verfahren der Vorplanung haben Bürger und Anlieger noch keine Einspruchsmöglichkeit. Das ist erst im kommenden Planfeststellungsverfahren möglich. Auch kann die Behörde derzeit noch keine benötigten Grundstücke aufkaufen oder tauschen.

Thomas Hanrieder begründete die Notwendigkeit des vierspurigen Ausbaus der B12, der nach heutigem Stand insgesamt 265 Millionen Euro kosten wird, mit zunehmenden Verkehrsaufkommen und einer erheblichen Verbesserung der Verkehrssicherheit.

Zweifel an den Zahlen

Derzeit nutzen knapp 20.000 Fahrzeuge täglich die B12 im Bereich Buchloe – Untergermaringen in beiden Richtungen. Hanrieder erläuterte, der Prognose nach könne man nach der Fertigstellung mit einer Zunahme um 25 Prozent auf 25.000 Fahrzeuge täglich rechnen.

Für Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger ist der Ausbau Fluch und Segen zugleich. Auch er sieht das Problem der vielen Unfälle auf der Strecke. Er sieht aber auch die Lärmproblematik, die auf seinen Stadtteil Lindenberg zukommt.

„Die Prognosen für das zukünftige Verkehrsaufkommen liegen viel zu niedrig“, zweifelt Buchloes Bürgermeister Schweinberger. „Wenn ich heute in mein Navi von Buchloe nach Kempten eingebe, dann werde ich über die A96 und A7 geführt. Das sind 86 Kilometer. Wenn der vierspurige Ausbau erst einmal fertig ist, dann führt das Navi mich mit Sicherheit über die B12“. Schon allein das sei ein Grund, diese Zahlen anzuzweifeln, sagte Josef Schweinberger. Da werde es auf jeden Fall Verschiebungen geben.

Problem für den Buchloer Bürgermeister ist die Tatsache, dass sich die Lärmschutzmaßnahmen nach den prognostizierten Verkehrszahlen richten. Und hier, so konnte der Rathauschef berichten, habe er bei der Prognose zur A96 nur schlechte Erfahrungen gemacht. Inzwischen verkehren dort 20.000 Fahrzeuge mehr als vorausgesagt. Zusätzlicher Lärmschutz oder eine Geschwindigkeitsbegrenzung seien nachträglich nicht durchsetzbar.

„Ich will den besten Lärmschutz für unsere Bürger in Lindenberg“, forderte Josef Schweinberger und kündigte seinen Widerstand gegen die seiner Meinung nach zu niedrigen Prognosezahlen an. Das Problem sei unter anderem auch die Tatsache, dass die Lärmwerte nicht gemessen, sondern berechnet würden. Werden dann noch falsche Prognosezahlen zugrunde gelegt, sei das nicht hinnehmbar.

In der Diskussionsrunde tauchte die Frage auf, ob eine Geschwindigkeitsbegrenzung aus Lärmschutzgründen möglich ist. Das konnte und wollte Thomas Hanrieder zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht versprechen, ließ aber durchblicken, dass im Bereich Lindenberg durchaus eine Chance bestehe. Für Stadträtin Elfriede Klein (Grüne) ist das zu wenig. „Sind wir hier Bürger 2. Klasse?“, fragte sie. Wenn man nach München fährt, gebe es jede Menge Geschwindigkeitsbegrenzungen aus Lärmschutzgründen.

Einer der unmittelbaren Anwohner, der seine Grundstücke wegen des Ausbaues zur Verfügung stellen muss, ist Andreas Bersch. Der Landwirt kritisierte die in Aussicht gestellten Quadratmeterpreise von fünf bis sechs Euro als Enteignung. „Wertgleiche Tauschflächen wären mir lieber“, sagte er.

von Siegfried Spörer

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