Zweite Auflage des Paurischen Wörterbuchs erscheint im September

Es ist wieder zu haben!

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Hans-Joachim Hübner, Kurt Fischer, Gablonzer Mundartkreis: „Paurisch – Wörterbuch der Gablonzer Mundart“, 296 Seiten, Hardcover, ISBN-10: 3957861284.

Kaufbeuren-Neugablonz –Mitte November 2013 hatte der 1984 von dem beliebten Mundartdichter Heinz Kleinert gegründete Gablonzer Mundartkreis das Nachschlagewerk „Paurisch – Wörterbuch der Gablonzer Mundart“ vorgestellt. Schon knapp ein Vierteljahr später war das Buch völlig vergriffen, antiquarisch werden vereinzelte Exemplare inzwischen für rund 50 bis über 100 Euro angeboten.

Alle, die damals leer ausgegangen sind, haben jetzt eine neue Chance: Der Gablonzer Mundartkreis hat soeben eine „Zweite, durchgesehene und erweiterte Auflage“ herausgebracht. Das Wörterbuch enthält über 8000 Stichworte mit vielen Anwendungsbeispielen, dazu eine Fülle von Redewendungen und Sprichwörtern sowie eine Liste der ausgewerteten Mundartliteratur und der dort vorkommenden Orts- und Flurnamen. Eine detaillierte Einführung in Rechtschreibung und Grammatik trägt zusätzlich zum besseren Verständnis der Mundart bei. Ergänzt wurde nun eine Reihe von Ausdrücken, Redensarten und Flurnamen und ein paar Druckfehler wurden ausgemerzt. Dennoch erhebt das Paurische Wörterbuch auch mit der zweiten Auflage noch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Im „Klappentext“ heißt es: „Paurisch, ein mit dem Lausitzischen und dem Schlesischen verwandter ostmitteldeutscher Dialekt, war einst die Sprache von nahezu 100.000 Menschen in Stadt und Landkreis Gablonz mit der weltbekannten Glas- und Schmuckwarenindustrie. Durch die Vertreibung der Sudetendeutschen 1945/46 wurden die Gablonzer in alle Winde zerstreut. An mehreren Orten in Deutschland und Österreich fanden sie wieder zusammen, unter anderem im Kaufbeurer Stadtteil Neugablonz. In ihrer neuen Heimat half die Besinnung auf den eigenen Dialekt den Vertriebenen bei der Bewahrung ihrer Identität.“

Allerdings war das Paurische (=Bäurische) mit seinen oftmals derben und vulgären Ausdrücken schon bei den städtischen Gablonzern gar nicht so sehr hoch angesehen. „Du sollst doch schön sprechen“, hieß es häufig, wenn ein Kind zu Hause pauerte. Zwar entstand über die Jahre eine umfangreiche Mundartliteratur und viele Veranstaltungen standen auch in der neuen Heimat im Zeichen der Dialektpflege.

Das moderne Leben und das Bestreben vieler städtischer Gablonzer, die „unfeine“ Mundart abzulegen, führten jedoch dazu, dass heute nur noch ein verhältnismäßig kleiner Kreis von Menschen – vorwiegend die ältere Generation – im Alltag Paurisch spricht. Viele jüngere Menschen bedauern das inzwischen, zumal Mundart von Nord bis Süd jetzt ganz allgemein wieder im Trend liegt: Platt und Kölsch, Hessisch, Bayrisch, Schwäbisch und Sächsisch, um nur einige zu nennen, und obwohl regional begrenzt – auch das Paurische.

Die seit dem ersten Erscheinen stetige Nachfrage ließ darauf schließen, dass für das Wörterbuch nach wie vor ein gewisser Bedarf besteht. Die zweite Auflage ist überall im Buchhandel erhältlich.

von Ingrid Zasche

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