Patroziniumsfest am 11. Oktober 

Sammeln – Bewahren – Erinnern

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Stolz präsentiert Anni Gries den Schrank voller säuberlich beschrifteter Mappen. Die alten Karten und die Gemälde werden separat aufbewahrt.

Kaufbeuren-Oberbeuren – Dass sie „ihr” Oberbeuren mit allen Fasern ihres Herzens lieben, können die Oberbeurer Heimatfreunde – Ruheständler zwischen 65 und 87 Jahren, davon nur zwei „eingeborene” Oberbeurer – kaum verbergen.

Deshalb haben sie 2007 das St. Dionysius-Archiv Oberbeuren gegründet und unter dem Motto „Sammeln – Bewahren – Erinnern” ehrenamtlich damit begonnen, alte Fotos, Karten und Zeit(zeugen)-Dokumente zur vorwiegend jüngeren Vergangenheit zusammenzutragen. 

Immer wieder kommen aus Privatbesitz andere kleine Kostbarkeiten zum Vorschein: hier ein Fotoalbum von der Jahreskrippe 1953, dort ein Album von der Glockenweihe 1949, mal eine Festschrift von der Pfarrgemeinde 1981 oder eine alte Luftaufnahme. Einmal im Monat trifft man sich im St. Dionysius-Stüberl im Pfarrhof, um Neuzugänge zu sichten, einzuordnen, zu beschriften und zu katalogisieren. 

Herzstück der Sammlung ist ein ganz besonderer Schatz: die von dem Maler und Ehrenbürger Oberbeurens, Eduard Wildung (1901-1987), hand- schriftlich begonnene und von Jürgen Rößler weitergeführte und ergänzte umfangreiche Ortschronik mit vielen Zeichnungen von Wildung und einem allgäuerisch gereimten Vorwort von Clara Rothärmel. 

Weil die Rößler-Kinder nicht daran interessiert waren, wurde die Chronik, die inzwischen fünf Mal kopiert wurde, der Pfarrgemeinde überlassen. Josef Weiß hat die Chronik ab 1972 fortgeschrieben und Ergänzungen ab 1947 eingefügt. Die Fortschreibung ist mittlerweile in drei Exemplaren vorhanden. Oberbeurer Ge- schichtsdaten ab 1520 bis 2013 wurden von Peter Bojanowski tabellarisch erfasst. 

Nach einer Zusammenarbeit mit dem Kaufbeurer Stadtarchiv befragt, wo die älteren historischen Dokumente seit der Eingemeindung aufbewahrt werden, meinte Josef Weiß allerdings: „ach, Stadtarchiv – des sind die Gschtudiertn, die wolln mit uns oifache Leut nix zum tun han...” 

Seit der ersten Ausstellung des St. Dionysius-Archivs am Patroziniumstag 2013 sind viele neue Bestände hinzugekommen. Bald wird der bisher benutzte Schrank nicht mehr ausreichen für all die säuberlich beschrifteten Mappen mit Dokumenten, Zeitungsausschnitten und Sterbebildern aus Oberbeurer Haushalten, Dachbodenfunden und Nachlässen. Vergleichsbilder von früher und heute von Bauernhöfen, von Häusern und vom Mösle sind da ebenso zu finden wie Fotos von Vereins- und Fronleichnamsumzügen, von Ortsfesten, früheren Schulklassen und vielem mehr. 

Zum Beispiel haben sich auch die über 40 Jahre lang verschollenen Noten des von Clara Rothärmel zur Melodie des Seemannslieds „Der Tag war grau, der Tag war schwer” getexteten „Oberbeu-rer Liedes” wieder angefunden, dessen erste Takte den Brunnen vor dem Haus der Vereine zieren. 

Patroziniumsfest am 11. Oktober 

Das Archiv St. Dionysius will heuer zum Patroziniumsfest am Sonntag, den 11. Oktober, erneut allen interessierten Bürgern von Oberbeuren und Umgebung seine Schätze präsentieren und lädt dazu in den Pfarrsaal ein. Mittelpunkt der kleinen Ausstellung werden die Exemplare der Rößler’schen Chronik sein, für die Josef Weiß extra Lesepulte gezimmert hat. Weiß, dessen private Fotosammlung rund 1200 Dias und 500 wohldokumentierte Bilder umfasst, zeigt außerdem jeweils zur vollen Stunde eine Diaschau zum Thema „Oberbeuren in früheren Zeiten“. 

Darüber hinaus werden die Oberbeurer Künstler Inge Rößler und Klaus Meiler einige ihrer Ölbilder und Aquarelle ausstellen Die Heimatfreunde freuen sich auf zahlreiche Besucher, deren eventuelle Fragen zu den Fotos sie gerne beantworten wollen.

von Ingrid Zasche

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