"Magische Miniaturen"

Zweimal Wurtinger

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Die Mitte der Ausstellung nehmen die „Zeichnungen im Raum“ Wilfried Wurtingers ein.

Kaufbeuren-Neugablonz – Nach Helmuth Krusche und Sohn Peter Krusche präsentiert das Isergebirgs-Museum nun in seiner zweiten Vater-und-Sohn-Ausstellung Werke von Franz Wurtinger – dem ehemaligen Rektor der Gustav-Leutelt-Schule, der 2016 hundert Jahre alt geworden wäre – und seinem Sohn Wilfried Wurtinger. Die Vernissage fand am 30. Juni im voll besetzten Sonderausstellungsraum statt.

Verantwortlich für die Ausstellung zeichnet erstmals Ute Hultsch, die neue Leiterin des Isergebirgs-Museums. Bürgermeister Ernst Holy überbrachte Grüße der Stadt, dann hatte Wurtinger jun. das Wort.

Er stellte die Werke seines Vaters dynamisch vor, indem er von Bildergruppe zu Bildergruppe wanderte. Zu sehen ist eine Auswahl von Bildern aus allen Schaffensphasen Franz Wurtingers, auch einige Kinderzeichnungen des Neun- bis Fünfzehnjährigen. Bei den Architekturbildern sind deutlich Einflüsse von Lionel Feininger zu erkennen, Wurtingers Hauptthemen waren jedoch vorwiegend weite Landschaften, Wald und Gebirge, Wasserspiegelungen, Wolkenszenerien. Seine besondere Stärke waren Winterbilder, die durch ihre Farbigkeit überraschen. Menschen fehlen ganz auf seinen Bildern, mit Ausnahme einiger Portraits aus der Akademiezeit. Vielfach auf der Grundlage von Zeichnungen entstanden im Laufe seines Lebens unter Ausnutzung aller Möglichkeiten dieser Technik meisterhafte Aquarelle – „magische Miniaturen“, wie es Sohn Wilfried Wurtinger formulierte. Diese weisen fast immer eine leicht melancholische Tendenz auf. Wie bei William Turner bilden sie oftmals nicht unbedingt konkrete Orte ab, sondern fangen – mit Licht und Farbe spielend – Stimmungen ein und geben sie wieder. In späteren Jahren ist er viel gereist – in die Toskana, die Steiermark, nach Spanien und Irland – und hat auch da seine Eindrücke in Bildern festgehalten.

Franz Wurtinger war aber nicht nur Künstler, sondern auch mit Leib und Seele Lehrer, der es nicht müde wurde, seine Kunst selbst nach seiner Pensionierung weiterzugeben, in der Volkshochschule, der Schmuckfachschule oder der Schwabenakademie Irsee.

Als Gastspiel an der Stätte ihres früheren Wirkens stellte schließlich Eva Haupt Wilfried Wurtingers Werk vor. Dieser – wie sein Vater von Beruf Lehrer – hatte eigentlich nie Künstler werden wollen. Erst spät fand er über die Aquarellmalerei und Fotografie zu seiner jetzigen Ausdrucksform: von Paul Klee inspirierte hölzerne Figuren in allen Größen und Gestalten, abstrahiert, kubisch, nicht vollplastisch, dennoch mit räumlicher Wirkung, die Farben auf schwarz, rot und weiß reduziert. „Zeichnungen im Raum“ nennt sie Wilfried Wurtinger. Die kleineren seiner Skulpturen, die bis zu fünf Meter groß sein können und zu deren Aussage auch immer die Form des Sockels gehört, nehmen die Mitte des Ausstellungsraumes ein. Sie wirken absichtlich unfertig, weil ihr Schöpfer der Meinung ist, „es müssen immer Fragen offen bleiben“.

Wilfried Wurtinger.

Für die gezeigten Werke von Vater und Sohn Wurtinger gibt es eine Preisliste, einige sind jedoch unverkäuflich. Die Ausstellung läuft noch bis zum 15. Oktober.

von Ingrid Zasche

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