Neu gegründete Bürgerbewegung kämpft für den Erhalt des Riedberger Horns

Demo am Samstag vor Horst Seehofer

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Setzen sich für als Mitglieder der Bürgerbewegung „Freundeskreis Riedberger Horn“ für den Erhalt des Riedberger Horns als strengste Alpenschutz_Zone C ein: (v.l.) Hans-Jürgen Richter, Gerti Epple, Barbara Schäffeler, Martin Simon, Hermann Siegel und Peter Nessler.

„Wir wollen das Riedberger Horn in seiner jetzigen Form bewahren“ und damit auch „unsere Heimat schützen“ lautet die Kernbotschaft des „Freundeskreis Riedberger Horn“, die ihr Sprecher Martin Simon beim Pressetermin am Montagvormittag im Bahnhof Oberdorf verkündete.

Innerhalb nur einer Woche hat der spontane Zusammenschluss von Allgäuer Bürgerinnen und Bürgern 1500 Mitstreiter vor allem aus Kempten und dem Oberallgäu generiert, die sich zudem bereit erklärt haben, namentlich in einer ganzseitigen Anzeige gelistet zu werden (insgesamt sind es aktuell 2000 Freunde). Ihnen allen geht es um den Schutz des Riedberger Horns vor zu massiven Eingriffen in die Landschaft, wie sie einige ­Touristiker, Hoteliers und Politiker durch den Bau einer Skischaukel zugunsten von mehr Gästen planen, sowie um den Erhalt des Alpenplans. Und, es geht darum „einen Präzedenzfall zu verhindern“, für diejenigen, „die schon in den Startlöchern stehen“ um Naturschutz dem Profit opfern zu können.

Dass in München offenbar der Eindruck entstanden ist, „alle Allgäuer wollen es“, dem aber so nicht sei, ärgert nicht nur Simon, der von einem „ernüchternden Bürgerbeteiligungsverfahren“ spricht. Bevor die Entscheidung im Landtag voraussichtlich kommenden Herbst fallen wird, haben die „Alpenrebellen“ noch einige Aktionen in petto. Diese Woche schon sollen die erwähnten Anzeigen in den hiesigen Printmedien erscheinen und auf eine Demo aufmerksam machen, für die der Freundeskreis auf möglichst zahlreiche Unterstützer hofft: kommenden Samstag um den Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer auf dem Weg vom Kornhaus zur Eröffnung der Festwoche zu bitten, sich für die Angelegenheit Riedberger Horn „kurz Zeit zu nehmen“ und ihm eine Resolution zu überreichen. Dieser sei darüber im übrigen informiert, wie auch die Demo selbstredend angemeldet und genehmigt sei, betont Simon, dass alles seine Ordnung habe.

Aber Simon ist nicht der Einzige, der sich bereits an diesem Montagmorgen Luft machen möchte. Auch die Allgäuer Wildkräuterfrau Gerti Epple findet, dass es „nicht sein kann, dass man Gesetze missachtet“ für wirtschaftlichen Profit und man dafür „so viel Natur zerstört“. Ihres Erachtens ist das ganze Projekt auch „nicht durchdacht“, denn offensichtlich habe niemand weiter gedacht, „wie die Menschen dann zu diesem Berg kommen, wenn wir eh schon jetzt den Stau haben“. Da würden wir wieder anfangen müssen Straßen zu bauen, blickte sie auch ins Nachbarland Richtung Ifen, wo eine neue Sesselbahn sechs Mal so viele Menschen befördern soll wie bisher.

Die Haldenwangerin Barbara Schäffeler stört es generell, dass „das Allgäu immer mehr als Marke verschleudert wird“ und dafür Ruhe und Natur zerstört würden. Auch „dass bayerische Steuergelder für Schneekanonen und Schneiteiche verwendet werden“ ist ihr ein Dorn im Auge.

Seit 700 Jahren lebe seine Familie hier, sagt der 67-jährige Hermann Siegel aus Niedersonthofen, der „immer mehr Ökonomie statt Ökologie“ beobachtet. Er sei nicht gegen Tourismus, aber „wir brauchen auch naturverbundenen Tourismus“, wo man noch Ruhe finden könne. „Wo gibt’s die noch?“ Am Ende werde doch alles „privatwirtschaftlichen Interessen geopfert“. Besonders wichtig findet er, dass sich auch junge Leute engagieren und zeigen, dass ihnen Heimatschutz „eine Herzensangelegenheit ist“. Es werde überall viel von Nachhaltigkeit geredet, aber gerade bei Politikern habe er „nicht den Eindruck, dass alle verstanden haben was das ist“.

Peter Nessler sitzt für die ödp im Kreistag und betreibt unter anderem eine kleine Bergwirtschaft. Der 68-jährige ebenfalls Niedersonthofener blickt mit Sorge auf den „Ganzjahrestourismus“ in den Bergen. Er findet, die Allgäuer Berge – auch die Region – „verträgt nur eine bestimmte Menge Leute“, sonst würden Natur und Ökologie „auf der Strecke bleiben“. Er sagt klar: „Hände weg vom Riedberger Horn.“ Das häufig bemühte Argument, die Region werde touristisch abgehängt, sollte die Skischaukel nicht gebaut werden, kann er nicht nachvollziehen, denn die Wachstumszahlen sprächen auch jetzt schon eine andere Sprache. Er sieht Balderschwang eher gefährdet „ein Rummelplatz“ zu werden. Seit 40 Jahren würden Gäste den „ressourcenschonenden“ Urlaub auf dem Bauernhof, wie auch er ihn anbiete, schätzen; ein Weg, der „erfolgreicher denn je“ sei.

Der Oberdorfer Hansjürgen Richter nennt ein Schlüsselerlebnis als Grund für sein Engagement. Vor einigen Jahren habe ein Lokalpolitiker in Oberdorf kurzerhand eine Hecke in einem „kartierten Biotop“ entfernt, um das –sein – Grundstück besser verkaufen zu können. „So etwas möchte ich nicht noch einmal erleben“, ist er „besonders stolz“ darauf, dass „wir eine Bürgerbewegung sind“, ohne Verband oder ähnlichem dahinter.

Simon ist sicher, dass es „noch nicht zu spät ist“. Eine Entscheidung soll voraussichtlich diesen Herbst im Landtag getroffen werden. Nach Aufhebung der Schutzzone C sei das Landratsamt Oberallgäu mit seinem Chef Anton Klotz die genehmigende Behörde, was es wieder „regionaler“ mache. Simon beobachtet schon jetzt Vorgänge in „Salamitaktik2, zum Beispiel Schneiteiche auf der Grenzlinie zum Schutzgebiet, was Verbände „im Auge behalten müssten“, um gegebenenfalls einzuschreiten. Schäffeler ist sich sicher, dass die Sache „irgendwann vor Gericht entschieden wird“. Und bis dahin werde es eine Weile dauern und genug Gelegenheit geben, weitere Aktionen durchzuführen, sind sich die anwesenden Freundeskreisler einig. Hoffnung macht ihnen das positive Feedback, das sie bei der Unterschriftensammlung erhalten hätten. Nun hoffen sie auch auf Unterstützung bei der Demo kommenden Samstag, 12. August, 11 Uhr an der Ecke gegenüber dem „Stift“.

Eine Website soll im Herbst online gehen. Da es ein spontaner Zusammenschluss ist muss bis dahin die Email-Adresse

freundeskreis.riedberger.horn@gmail.com genügen.

Christine Tröger

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