"Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr"

164. Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Kempten: Weniger Einsätze in 2019

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„Qui debitum honorem et gloriam” – Ehre dem, dem Ehre gebührt. Rudolf Berz (M.) erhielt aus der Hand von Bürgermeister Josef Mayr (l.) und Stadtbrandinspektor Stefan Hager (r.) die Ehrenurkunde der Feuerwehr Kempten für 50 Jahre aktiven Dienst.

Kempten – Ein bisschen fiel die diesjährige 164. Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Kempten e.V. aus dem Rahmen. Die Versammlung fand heuer in der Mensa der Hochschule Kempten statt.

Zudem ließ Stadtbrandrat Andreas Hofer zu Beginn seiner Rede verlauten, dass aufgrund des Coronavirus einige Sicherheitsmaßnahmen wie Händewaschen, Abstandhalten, Niesen in die Armbeuge und das Ausschlagen eines Begrüßungshandschlags nach Möglichkeit von den Gästen am Abend befolgt werden sollten. 

Rund 250 Feuerwehrler hatten sich in der Hochschule Kempten eingefunden, um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen, in die Zukunft zu schauen und einige ihrer altgedienten Kameraden zu ehren. Zehn Tage vor der Kommunalwahl waren auch rund die Hälfte aller Stadträte gekommen. 

Rückläufige Zahlen
Grundsätzlich war die Anzahl der Einsätze der Feuerwehr Kempten im Jahr 2019 rückläufig. Die Zahl der Gesamteinsätze nahm um 84 auf 1015 ab, die Zahl der abgeleisteten Einsatzstunden ging leicht zurück auf 7919. Im Einzelnen stellten sich die Einsätze der FFW Kempten e.V. wie folgt dar: Einsätze im abwehrenden Brandschutz (Brände) 429 (-57); Einsätze im technischen Hilfsdienst 544 (-22); Einsätze mit ABC-Gefahrstoffen 31 (-4) und Sonstige Tätigkeiten 13 (-1). Die Zahl der Wachleistungen betrug 2019 216 mit insgesamt 10.064 Gesamtstunden, was einem Plus von 700 entspricht. Die Anzahl der Sicherheitswachen hatten im Vorjahr 98 betragen. 

Hochwasser und Sturm 
Zu Beginn seines Jahresrückblicks verblieb Stadtbrandrat Andreas Hofer vorerst bei den beiden außergewöhnlichen Einsätzen dieses Jahres. Am 3. Februar 2019 lautete die Wetterprognose für den Raum Allgäu: starke Niederschläge mit Hochwassergefahr. Aufgrund dieser Warnung war es den Verantwortlichen der FFW möglich, alle notwendigen Absperr- und Sicherheitsmaßnahmen zu vollziehen, um Schlimmeres zu verhindern. Mit einer Höhe von 455 Zentimetern erreichte die Iller im Stadtgebiet Kempten knapp die Meldestufe 3. Auch den Umgang mit den Folgen von Sturmtief Sabine vom 10. Februar im aktuellen Jahr erwähnte Hofer. So waren allein in Kempten die Feuerwehren zu 74 Einsätzen ausgerückt. Von heruntergebrochenen Ästen, über entwurzelte Bäume bis hin zu abgedeckten Dächern war alles dabei. Glücklicherweise war niemand bei den Einsätzen verletzt worden. Stadtbrandrat Hofer zeigte sich stolz über die Tatsache, dass zu beiden Großeinsätzen, die sich werktags ereignet hatten, genügend Feuerwehrler den Weg zu ihren Feuerwachen fanden. Derzeit kann die Feuerwehr Kempten e.V. auf 476 Aktive, davon 31 Frauen zurückgreifen. Glücklich zeigte sich Hofer auch über die Zahl von 45 Jugendlichen in den Reihen der Kemptener Floriansjünger.

Denkwürdiges
Wenig Verständnis zeigte Stadtbrandrat Hofer für die nach wie vor von vielen Mitbürgern gezeigte Respektlosigkeit gegenüber Feuerwehrlern.„Ich habe keinerlei Verständnis für diese Entwicklung und wundere mich nicht nur über die uns teilweise vorgebrachte Aggressivität, sondern auch über das ausufernde Anspruchsdenken und den fahrlässigen Leichtsinn vieler unserer Mitbürger“, so Hofer. Als den denkwürdigsten Einsatz des Jahres 2019 bezeichnete er den Hauseinsturz vom 19. Mai in Rettenbach am Auerberg, bei dem es den Tod eines Mannes und eines Kindes zu vermelden gab. Trotz dieser Tragik habe sich bei diesem Einsatz gezeigt, dass das Zusammenwirken der Feuerwehren aus Kempten und dem Oberallgäu gut funktioniert. „Stadt und Land – Hand in Hand“, beschwor Hofer. Besonders erwähnte der Stadtbrandrat die beiden Aktionstage aus 2019: den „Berufsfeuerwehrtag“ und den „Reinschautag mit Oldtimer-Corso“, an dem sich 29 Fahrzeuge aus den letzten Jahrzehnten beteiligt hatten. In diesem Jahr wird es am 5. September einen „Tag der offenen Tür“ bei der Feuerwehr Kempten geben. 

Ehrungen
In Vertretung von OB Thomas Kiechle hielt Bürgermeister Josef Mayr ein Grußwort an die rund 250 anwesenden Mitglieder der FFW Kempten. Mayr lobte „die Bereitschaft aller Feuerwehrler, Aufgaben zu schultern“. Allein hierfür sprach er allen Ehrenämtlern ein „großes Vergelt‘s Gott“ aus. Mayr kündigte für dieses Jahr bauliche Maßnahmen an der Hauptwache in der Rottachstraße sowie für die Standorte Lenzfried und Hohenrad an. Ausstattungsmäßig werden die Feuerwehren heuer einen Raupenstapler, Abrollbehälter und sechs Rollcontainer erhalten. In einem weiteren Grußwort bedankte sich Kreisbrandinspektor Dieter Freudling für die hervorragende Zusammenarbeit der Feuerwehren Oberallgäu mit der FFW Kempten e.V.. Umso mehr freute es ihn, am Ende des Abends seinen Kollegen Hofer mit dem Bayerischen Feuerwehr Ehrenkreuz in Gold auszuzeichnen. Eine besondere Ehrung erfuhr auch Rudolf Berz, dem durch Stadtbrandinspektor Stefan Hager die Ehrenurkunde der Feuerwehr Kempten für 50 Jahre aktiven Dienst unter dem stehenden Applaus seiner Kameraden verliehen wurde. 


Weitere Ehrungen
• 30 Jahre Dienstzeit: Robert Staiti, LZ1; Christian Pontner, LG 11; Christian Bosch, WFW Edelweiß • 40 Jahre Dienstzeit: Bernhard Segger • 50 Jahre Dienstzeit: Rudolf Berz, LZ 1 • Ehrennadel 80 % Übungsbesuch: Roberto Mastrostefano, LZ 1; Patrick Streit, LZ 2; Rebecca Hartmann, LG 11; Thomas Mair, LG 11 • Deutsches Feuerwehr Fitness Abzeichen: Maximillian Riedel in Bronze; Christian Kraft in Silber • Staatliches Ehrenzeichen in Gold: Bernhard Segger, LZ 1

Jörg Spielberg

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