Zweckehe statt Liebesheirat

200 Jahre vereintes Kempten

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Die ersten Flyer liegen bereits aus.

Kempten – Eine Ehe, die schon 200 Jahre hält und alles andere als mit einer Liebesheirat begann – da kann man schon mal mit der gesamten „Familie“ ein Jahr lang so richtig feiern.

2018 ist es so weit und dem Anlass angemessen waren einige der Hauptdrahtzieher für das fröhlich-festlich anmutende Programm Mitte der Woche im Rathaus versammelt, um die Höhepunkte der Feierlichkeiten vorzustellen.

Seit August schon ist Christa Eichhorst, erst im Sommer in den Ruhestand verabschiedete Ex-Chefin des OB-Büros, als Projektleiterin mit der Programmplanung und Organisation für das Jubiläum „200 Jahre vereintes Kempten 1818-2018“ beschäftigt. „Ein Glücksfall“ findet Dr. Richard Schießl, Referent für Wirtschaft, Kultur und Verwaltung. Eben aus der Druckpresse gekommen hat Eichhorst einen Packen Flyer – das Logo (Gestaltung: Manuel Protzen) stellt die Umrisse der zusammengewachsenen Stadt dar – dabei. Im Februar 2018 soll das detaillierte Programmbuch erscheinen. Die einzelnen Sparten sind mit unterschiedlich farbigen Logos übersichtlich gestaltet: Geschichte und Führung; Kunst und Ausstellung; Kirche und Konzerte; Feste und Märkte; Sport und Aktionen – eine Programmvielfalt, bei der jeder fündig wird, ist sich OB Thomas Kiechle sicher und erklärt, dass man das Motto „bewusst gewählt“ habe. Denn, es habe nach der Zweckheirat zwar einige Zeit gebraucht, bis sich die beiden Städte, Reichs- und Stiftsstadt, sozusagen „mit therapeutischer Hilfe“ einander angenähert hätten. Aber man könne sagen, „dass wir heute an einem Strang ziehen“.

Und da dabei die Bürger eine wesentliche Rolle spielen, soll es auch „ein großes Bürgerfest über das Jahr verteilt“ werden, mit „lockeren und leichten Zugangsmöglichkeiten“ zum historischen Anlass satt nur intellektuellen Fachveranstaltungen. Eine interessante Zusammenfassung der historischen Geschehnisse lieferte dennoch Stadtarchivar Dr. Franz-Rasso Böck und lenkte den Blick auch auf die beiden heutigen Begrifflichkeiten „Stiftsstadtfreunde und Altstadtfreunde“, was zeige, „dass man an einem Strang zieht“, aber aus Gegensätzlichkeiten heraus. Da die Pflege von Gemeinschaft ein durchaus „sehr aktuelles Thema“ sei und nicht nur in Bezug auf Integration eine „Aufgabe bis heute ist“, habe man versucht das Thema des Zusammenhalts darzustellen, betont auch Schießl die tiefere Bedeutung des Jubiläums.

Was geplant ist

Unter anderem mit speziellen Erlebnisführungen beteiligt sich KemptenTourismus und stellt dabei auch das heutige mit dem früheren Kempten gegenüber, wobei eine Stadtführerin und „Kempten Kati“, verkörpert durch eine Schauspielerin, agieren, wie Tourismus-Chefin Stefanie ­Schmitt erläuterte. Auch Vorträge zur Stadtgeschichte sind im Angebot, z.B. zum Thema „Ein Schritt vor – zwei zurück: Kemptens langer Weg zur städtischen Einheit“ von Stadtarchivar Böck. Als „einmalig in Deutschland“ warb Schmitt für das interaktive Märchentheater „Alice im Wunderland – neu erträumt“ auf der Burghalde.

Theater soll es auch im großen Sitzungssaal des Rathauses geben, wo sich Jugendliche im Rahmen der Schultheatertage damit beschäftigen sollen, wie sie leben wollen.

Eine Gegenüberstellung von Moderne und dem Alten gibt es auch seitens des Kulturamts, das mit einer ganzen Reihe von Ausstellungen dabei ist, zum Beispiel mit der Doppeljubiläumsausstellung „Ansichtssache“. Was Kulturamtsleiter Martin Fink freut ist, dass es einmal angestoßen einen regelrechten „Dominoeffekt gegeben hat“ und viele Vereine „dabei sein wollten“.

Ein Kunstaktion-Gewinnspiel mit Ausstellung hat sich die Kunstschule Allgäu der vhs ausgedacht, bei dem es darum gehe, „dass Kempten thematisch bearbeitet wird“, wie Iris Kessler von der vhs Kempten vorstellte. Teilnehmen können alle Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 19 Jahren, die in Kempten wohnen oder zur Schule gehen, studieren oder arbeiten.

Neben ebenfalls reichen Sport- sowie kirchlichen (Konzert-)Angeboten von St. Lorenz und St. Mang, in denen der ökumenische Geist gepflegt wird, dürften vor allem die Märkte und Feste – u.a. wird das Stadtfest (6.-8. Juli) einen Tag vorgezogen und am 5. Juli „Ein Fest für alle“ – Mir feiret zämed auf dem St. Mang-Platz stattfinden – auf großes Interesse stoßen. Und, „um auch die zu erreichen, die in kein Museum gehen“, wie Schießl schmunzelnd meinte: das 1818-Bier aus der einzigen Braustätte Kemptens, Michl Bier in Neuhausen, gebraut nach einem Rezept aus dieser Zeit sowie das 1818-Brot von Kemptener Bäckermeistern nach Vorgaben aus dem Brotmuseum in Ulm.

Christine Tröger

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