Aus dem Landgericht

Fall von Kindesmissbrauch vor Gericht

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Der Prozess gegen den 21-Jährigen fand am Montag im Landgericht statt.

Wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes stand ein somalischer Staatsbürger am Montag vor Gericht. Ihm wurde die versuchte Vergewaltigung des siebenjährigen Sohns einer Bekannten vorgeworfen.

Bei einem Besuch in Lindau hatte der Angeklagte den Jungen bäuchlings auf eine Matratze gedrückt, ihm den Mund zugehalten, sich auf ihn gelegt und versucht, ihm sein Geschlecht in den Anus zu drücken. Trotz Gegenwehr des Kindes ließ er nicht von ihm ab, bis die Mutter aus der Dusche kam, die Situation erfasste und den jungen Mann der Wohnung verwies. So lautete die Anklage, die Vorsitzender Dr. Harald Harteis beim Prozess verlas. Das Kind hatte bei der Polizei ausgesagt, dass sein Peiniger ihm die Unterhose nach unten geschoben, sein erigiertes Glied aus der Hose geholt und es zum Einführen mit Spucke benetzt habe.

Einige Punkte bestritt der Angeklagte in seiner Anhörung. Er gab an, mit dem Jungen im Spiel Liegestützen gemacht und eine Kissenschlacht veranstaltet zu haben. Aus Müdigkeit hätten sich beide auf die „schmale“ Matratze gelegt, er auf den Jungen. Er räumte ein, eine Erektion bekommen zu haben. Die weiteren Vorwürfe aber wies er zurück. Die Mutter habe ihm seine bösen Absichten aus Rache angedichtet, argumentierte der Angeklagte, denn er habe im Vorfeld eine mehrmonatige Beziehung mit ihr geführt, die aus Zeitmangel beendet worden sei. Als er sie wegen einer etwaigen Schwangerschaft zum Arzt geschickt habe, hätte er nichts mehr von ihr gehört.

Zahlreiche Widersprüche

Zeugen konnten die Schwangerschaft und die intime Beziehung zwischen dem Angeklagten und der Somalierin allerdings nicht bestätigen. Insgesamt waren die Aussagen des Beschuldigten widersprüchlich. So konnte er den genauen Zeitraum der Beziehung zur Mutter nicht genau nennen.

In vorangegangenen Anhörungen hatte er zudem angegeben, dass der Junge auf seinem Schoß gesessen habe. Auch dass er sich nach der Tat bei der Mutter, wie er sagte, „entschuldigt hatte“, passte nicht zum harmlosen Balgen, das er im Vorfeld dargestellt hatte. Ebenfalls die Zeitangabe von fünf bis sechs Minuten, die sein gesamter Besuch gedauert haben sollte.

Für die Glaubwürdigkeit von Mutter und Sohn sprachen ferner die körperlichen und psychischen Folgen, die beide erlitten haben. Die Frau musste am Abend des Vorfalls wegen eines Schwächeanfalls ins Krankenhaus eingeliefert werden. Das Kind litt seither an Albträumen und wollte nicht alleine gelassen werden. Dies berichtete die Vertretung des Nebenklägers. Erst seit kürzerer Zeit hätten sich die Probleme gebessert, wie die Mutter sagte.

Auch die Kriminalhauptkommissarin, die die Aussage des Jungen am Tag nach der Tat aufgenommen hatte, bestätigte seine Glaubwürdigkeit. Solche Vorfälle lägen normalerweise außerhalb der Erlebniswelt von Siebenjährigen, erklärte sie. Er habe die Geschichte aber am Stück geschildert, was ihres Erachtens dafür sprach, dass er sie selbst erlebt habe. Zudem schloss sie eine Beeinflussung seiner in deutsch erzählten Aussage durch die Mutter aus, da diese kein Deutsch spreche.

Angeklagter als erwachsen eingestuft

Der Bericht der Jugendgerichtshilfe bescheinigte dem Angeklagten volle Reife: In Somalia hatte er bereits geheiratet. Nach Flucht und Gefängnisaufenthalt in Libyen war er über Italien nach Scheidegg gekommen und später nach Weitnau. In Lindau besuchte er die Schule. Zudem arbeitete er als Leiharbeiter und konnte für sich selbst sorgen. Das Schöffengericht wandte daher das Erwachsenenstrafrecht an und verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Die Kosten des Verfahrens sowie die Auslagen des Nebenklägers hat er zu tragen. Der Haftbefehl bleibt aufrechterhalten.

Da der Angeklagte seine anvisierte Tat fast vollenden konnte, handelt es sich um versuchten schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes, so das Gericht. Die Tatbestände des sexuellen Missbrauchs eines Kindes und versuchte Vergewaltigung sind ebenfalls erfüllt.

Belastend wirkt sich für den Angeklagten aus, dass der Junge erst sieben Jahre alt ist und psychische Probleme davongetragen hat. Das Urteil bleibt unter den von der Staatsanwaltschaft geforderten drei Jahren, weil der Beschuldigte keine Vorstrafen hatte und sich in seinem Schlusswort entschuldigte. Er nahm das Urteil sichtlich niedergeschlagen entgegen. Während fortschreitender Verhandlung war er zunehmend nervöser geworden.

Susanne Kustermann

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