"Splitter" aus der Altstadt

Alstadtbrief: Burghalde will wachgeküsst werden

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Dass der Aufgang zum „Stiefkind“ Burghalde seit Jahren durch einen Bauzaun verschandelt ist, monieren die Altstadtfreunde Jahr für Jahr.

Kempten – Er hat sich schon lange als lobendes wie mahnendes Medium etabliert, das einmal im Jahr die positiven – oder eben mangelnden – Entwicklungen im Gebiet der ehemaligen Reichsstadt thematisiert. Aktuell ist Nr. 44/2017 des Altstadtbriefs der Kemptener Altstadtfreunde erschienen.

An Themen mangelt es dem Verein auch diesmal nicht, wie schon allein der umfangreiche Bericht des Vorsitzenden Dietmar Markmiller zeigt: Darin ist von mittlerweile neun Arbeitskreisen die Rede, in denen sich Mitglieder des Vereins unter anderem mit möglichen Nutzungen des ehemaligen Pumpenhauses, dem diesjährigen Stadtjubiläum „200 Jahre vereintes Kempten“ oder dem Dauerthema Zukunft der Burghalde beschäftigen. 

Apropos Burghalde: Neben Markmillers lieben Not damit, dass „die Kommunalpolitik zwar offene Ohren“ für die Ideen und Vorschläge der Altstadtfreunde über die letzten Jahre gehabt habe, den Worten aber leider „fast keine Taten gefolgt“ seien und anders als die von ihm gelobte Umsetzung des Mittelalterspielplatzes beispielsweise der „hässliche Bauzaun“ seit „zig Jahren“ noch immer unverändert am Fuße der Burg stehe, naht Bewegung von einer anderen Seite: Das Theater in Kempten plant die dortige Freiluftbühne in den Sommermonaten mit einem interaktiven Märchentheater zu bespielen. Wie Markmiller gegenüber dem Kreisboten sagte, ist das aus seiner Sicht „eine wunderbare Initiative und man sieht, dass auch andere Personen in Kempten die Burghalde für etwas Besonderes halten“. 

Fakt ist, dass die Bühne früher zwar oft für Veranstaltungen, vor allem Konzerte, genutzt worden war, seit Jahren aber wieder wachgeküsst werden will. Zu oft hatten Veranstaltungen wegen Regens abgesagt werden müssen und auch das jährliche Sommerkino leidet oft genug unter schlechter Witterung; ganz zu schweigen vom Fest International, das wegen Schlechtwetters, zumindest gefühlt, öfter abgesagt als durchgeführt wurde. Aus Sicht Markmillers „wäre zum Beispiel eine Idee, Bühne und Sitzplätze mit einem flexiblen Dachsystem, z.B. einer Art Sonnensegel, zu versehen, um weiteren Initiativen die Möglichkeit zu geben, sich auf der Burghalde zu engagieren“. 

Eines der im Altstadtbrief insgesamt sieben ausführlich behandelten Themen sind die Sparkassenpläne an der Promenadestraße (der Kreisbote berichtete mehrfach), dem sich Vereinsmitglied Dieter Schade, Baudirektor a.D., in einem Artikel widmet. Er weist einmal mehr darauf hin, dass der älteste Katasterplan der Stadt aus dem Jahr 1828 die „kleinteilige Struktur des Stadtquartiers mit Häusern, in denen überwiegend Handwerkerfamilien und Kleinhändler lebten“ zeige, einzige Ausnahme das „immer schon stattliche Anwesen der Stadtwirtschaft mit Brauerei in der Promenadestraße 7. Nicht nur in diesem Haus gebe es deutliche Relikte aus dem und Hinweise auf das Mittelalter. Mit der Sparkasse Allgäu sei man bezüglich deren Absichten zur Neugestaltung des Quartiers im Gespräch, um eine „möglichst gute bauliche Lösung in einem von ihr durchzuführenden Wettbewerbsverfahren zu ermitteln, in dem die städtebaulichen Rahmenbedingungen und die Vorgaben zum Denkmalschutz fest vorgegeben werden“, so die Forderung der Altstadtfreunde. 

In einem Gespräch Anfang Dezember letzten Jahres habe, so ist zu lesen, die Sparkasse bereits erklärt „auf die stadtarchäologischen Befunde Rücksicht zu nehmen, sofern ihre Schutzwürdigkeit durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege festgestellt wird“. Neben Kurzberichten des Vereinsvorsitzenden unter anderem zum „Dauerbrenner“ Kronenstraße, dem Mobilitätskonzept 2030, der „gelungenen Sanierungsmaßnahme“ Schützenstraße/An der Stadtmauer und und und, gibt es im neuesten Altstadtbrief ausführliche Artikel auch zu: „Sozialbau saniert Sheddachhalle“ von Herbert Singer; Pumpenhaus: Versunken im Dornröschenschlaft“ von Franz G. Schröck, Architekturforum Allgäu; „Spektakulärer Brückenaushub schreitet voran“ zur Sanierung der König-Ludwig-Brücke von Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann; „1818 – 2018: 200 Jahre vereinigte Stadt Kempten“ von Stadtarchivar Franz-Rasso Böck; „Projekt Pax-Glocke für den St.-Mang-Platz“ von Dekan Jörg Dittmann und Bruno Fischle sowie „Kunstreich feiert 5 Jahre und 50 Ausstellungen“ von Stephan A. Schmidt. 

Der Altstadtbrief liegt an vielen öffentlichen Stellen zur Mitnahme aus und ist ab Mitte Februar im Internet unter www.altstadtfreunde-kempten.de verfügbar. Und was die Burghalde betrifft: Ein Fest International wird es dort heuer nicht geben, wie die Vereinsvorsitzende Gaby Heilinger auf Nachfrage des Kreisboten die „nach hartem Kampf“ frisch getroffene Entscheidung bekanntgab. „Es passt dieses Jahr einfach nicht“, auch weil wegen der 200-Jahr-Feier diesen Sommer praktisch jedes Wochenende die Burghalde schon belegt sei. Generell soll das Burghaldefest künftig nur noch alle zwei Jahre stattfinden.

Christine Tröger

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