Abend der Superlativen

Wenn der Präsident des FC Bayern München den Oberallgäuer Fan-Club „Red Baroons“ besucht, ist dies natürlich auch für überregionale Medien von Interesse. Entsprechend dicht umlagert war Uli Hoeneß von Kameras und Mikrofonen. Bei der Autogrammstunde und beim Frage- und Antwortspiel war für die Mitglieder aber auch der persönliche Kontakt möglich und erwünscht. Fotos: Würzner

Uli Hoeneß, der Präsident des FC Bayern München, besucht den Dietmannsrieder Fan-Club „Red Baroons“. Und weil das ein eher seltenes Ereignis ist, bezeichnet Vorstand Kubo Mayr es als „ein Erlebnis, das jeder von uns nur einmal im Leben hat.“ Der Einzug in den Saal vom Laubener „Birkenmoos” zu den Klängen der Alphornbläser wird mit frenetischem Beifall begleitet, und der letzte Zweifler wird mundtot gemacht. Er ist es tatsächlich, der bekannteste Mann Fußball-Deutschlands, leibhaftig, genau so, wie man ihn sonst nur im Fernsehen sieht.

Bei der Begrüßung spart Kubo nicht mit Superlativen: Der wichtigste, schönste und spannendste Tag in der Clubgeschichte, ein Wahnsinnserlebnis. Bürgermeister Berthold Ziegler meint, er könnte es sich einfach machen und die Erfolge des ehemaligen Nationalspielers und Bayernstürmers aufzählen. Er findet aber die Eigenschaften des Wurstfabrikanten aus Franken noch erwähnenswerter. Als da wären Offenheit, Ehrlichkeit, Vorbildfunktion, die soziale und menschliche Seite, die Spielern und Institutionen in schwierigen Lagen aus der Patsche geholfen haben. Dass eine Steigerung noch möglich ist, beweist der Bürgermeister mit dem Geschenk des T-Shirts mit dem Aufdruck „Mehr als a Allgaier ka a Mensch it wera.“ Ob Hoeneß dies jemals schaffen wird? Den Gaumen kann er schon mal mit den Produkten aus lokaler Erzeugung trainieren, die im Geschenkkorb überreicht werden. Nach dem Eintrag ins Ehrenbuch der Gemeinde tritt er schließlich ans Mikrofon, und auch die Stimme ist original, es kann also kein Double sein. Er macht sich über den Vornamen des Vorstands lustig und gewinnt alle Fanherzen im Flug. „Der Besuch bei Fanclubs ist eine gute Sache,“ sagt er, „weil unsere 171 000 Mitglieder die Basis des Vereins bilden, zu der wir die Verbindung halten müssen.“ Sie würden dem Verein auch die Treue halten, wenn es mal nicht so gut liefe. Als Beispiel nennt er Platz vier in der Tabelle, da kommt natürlich Gelächter auf. "Das Wort Hass ist nicht in meinem Sprachgebrauch" In die Geschichte des FC Bayern lässt er Anekdoten einfließen, die ein Fan gerne hört. „Wir gehen bei der Bank auf der linken Seite rein, zur Festgeldabteilung, nicht wie Dortmund. Die nehmen die rechte Tür, da ist die Kreditabteilung.“ Er stellt aber auch fest, dass Geld nicht das Wichtigste sei, sondern die Wurzeln nicht zu vergessen. „Ich finde, Sammy Kuffour hat in der Lederhose eine gute Figur gemacht.“ Wieder ein Schenkelklopfer. Der Konkurrenzverein vor Ort wird nicht verschont. „Nächstes Jahr werde ich 60. Aber als Präsident des FC Bayern sollte ich mir vielleicht angewöhnen, 59 plus eins zu sagen.” Dann wird er ernst. „Das Wort Hass ist nicht in meinem Sprachgebrauch. Er ist der Beginn allen Übels. Wir haben Respekt vor gegnerischen Mannschaften und ihren Fans. Nach dem Spiel sind wir alle wieder Mitglieder der gleichen Gesellschaft.“ Wie es sich kurz vor Weihnachten gehört, werden Geschenke verteilt. Kubo Mayr übergibt einen Scheck über 10 000 Euro für die Dominik-Brunner-Stiftung, Hoeneß revanchiert sich mit Wurst und Fleisch fürs nächste Grillfest. Tolle Preise gibt es zum Abschluss bei einer Tombola. Am lautesten jubelt Klaus Bermanseder. Er gewinnt ein Wochenende mit den Bayern in Basel, dem Champions- League-Gegner. Mit allem was sich ein Fan wünschen kann. Und Matthias Stroh wird diesen Tag nie vergessen. Er hatte Hoeneß gebeten, mal auf der Ehrentribüne Platz nehmen zu dürfen. Der zögerte keine Sekunde, und versprach dem behinderten 26-Jährigen : „Beim nächsten Heimspiel setz ich dich neben mich. Dann habe ich wenigstens Ruhe vor Karl-Heinz Rummenigge.“ Nach der Fragerunde zeigten die Koppachtaler aus Altusried nochmals ihr Können. Die Schuhplattler und Goisslschnölzer beeindruckten den Bayern-Präsident dermaßen, dass er Vorstand Seffes alias Franz Merk eine Einladung an die Säbenerstraße aussprach. Gerne gesehen haben die 350 Mitglieder der „Red Baroons” sicherlich, dass der berühmte Mann sich dann noch die Zeit nahm, bei ihnen zu bleiben und in aller Ruhe das gemeinsame Essen zu genießen.

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