Sechs Konzertabende

Vielfältige Festwochenkultur

+
Partystimmung beim „Jamaram“-Konzert auf und vor der Bühne.

Kempten – Sechs Abende Kontrastprogramm zum Festwochenbetrieb. Sechs Aben-de, mit völlig unterschiedlichen musikalischen Angeboten. Die Festwochenkultur hat sich längst aus ihrem anfänglichen Schattendasein befreit, hin zur gern genutzten Alternative zu Bierzelt und Stadtparkbühne.

Dass das Publikum heuer gleich vier der insgesamt sechs Konzertabende bei sommerlich-lauen Temperaturen in der besonderen Atmosphäre des Innenhofes der Residenz genießen konnten, gibt es auch nicht alle Jahre.

Fast schon einen Traditionsbruch gab es zum Auftakt mit der Residenzhofserenade, die in den letzten Jahren immer vom Bläser-Ensemble „Abarizzo“ bestritten wurde. Nicht so in diesem Jahr, in dem rund 250 Zuhörer einen rundum gelungenen Abend mit dem Grassauer Blechbläser Ensemble erlebte. Irische Stimmung beherrschte den Residenzhof am folgenden Abend bei der ausgelassenen Irish Folk Night, für die „Goitse“ ihr Bestes gaben.

Gemischte Gefühle

Gemischte Gefühle löste der Abend mit der „Sinatra Tribute Band“ und Max Neissendorfer am Gesangsmikro aus. An der Band lag es nicht. Die bekam, wie auch die Sängerin Barbara Mayr als Special Guest, durchweg gute Noten vom Publikum. Es war der als „the one and only“ angekündigte Sinatra-Ersatz, der sein Publikum spaltete. Während manche es bei Stücken wie „Got you under my skin“, „I get a kick out of you“ oder „Strangers in the night“ einfach genossen in Erinnerungen zu schwelgen, dachten andere erbost darüber nach, vorzeitig zu gehen oder – taten dieses. „The voice“ kämpfte immer wieder mit seiner Stimme – die auch ihre glanzvollen Momente hatte – und auch der „Humor“ seiner Moderationen stieß beim Publikum auf geteiltes Echo. Einige vermuteten zudem ein Zuviel an Alkohol vor dem Auftritt – zusammen genommen alles Eigenschaften, die man zumindest dem späteren „Frankie- boy“ nachsagt. Für einen gelungenen Abend – ob beabsichtigte Authentizität oder un- glückliche Fügung – offensichtlich nur bedingt geeignet.

Einer der Höhepunkte dann das Konzert mit der Münchner Band „Jamaram“, die mit Spaß, Raggae, Funk, Latin... auf ihrer „Heavy Heavy Tour“ Station im Residenzhof machte. Sie hatte nicht nur generationenübergreifend in die Glieder fahrenden Sound dabei, sondern auch Botschaften, unter anderem, dass „es an allen Ecken brennt“ und „bis wir nicht geschafft haben friedlich miteinander umzugehen, leben wir in einem Zoo“, was mit „Zoo“ auch gleich ausgiebig besungen wurde. Uwe Kaa hatte die rund 700 Fans schonmal im Vorprogramm mit deutschsprachigem Reggea-Rap zur Beatbox „warm“ gemacht und wurde später von Jamaram-Sänger Tom Lugo nochmals für ein gemeinsames Ständchen auf die Bühne geholt. Sofort eingestiegen sind auch die vier Mädels, die Lugo auf die Bühne holte und mit Flitterpuscheln an den Händen ausstattete. Die Choreographie dazu gab’s vom Vortänzer. Publikumsnähe im wahrsten Sinne des Wortes zeigten Lugo und ein paar Bandmitglieder auch weitermusizierend beim Bad in der Menge – die Smartphones blitzten nur so. Erstaunlich das perfekte Timing der Band: Mit dem letzten Ton fing es (kurz) an zu regnen.

Regen zwang „Power Percussion“ zwar zum Auftritt ins dann auch gut gefüllte Stadttheater. Der Stimmung konnte das nichts anhaben. Das Publikum erlag den heißen Rhythmen, die die sieben Mannen mit Einfallsreichtum und Witz auf ungewöhnlichen Instrumenten und mit grell-bunten Lichteffekten durch den Theatersaal jagten von Anfang an. Störend waren nur die Sitzreihen. Aber auch die waren gegen Ende kein Hinderungs- grund mehr dem Bewegungsdrang freien Lauf zu lassen. Fetzig aber „gesitteter“ gestaltete sich das traditionelle Gemeinschaftskonzert, das vergangenen Samstagabend wegen des Wetters ins Kornhaus verlegt werden musste. Der Musikverein Sankt Mang unter dem Dirigat von Helmut Brutscher hatte die Harmoniemusik Oy mit ihrem Dirigenten Manfred Briechle eingeladen. Das abwechslungsreiche Programm bot einen schönen Wechsel von modernen und traditionellen Arrangements. Große Spielfreude zeigten beide Kapellen gleichermaßen und das Publikum genoss diese sichtlich bei Stücken wie „Stolzes Alpenland“, James Bond“ oder „La Storia“ von den Oyern sowie „Nessaja“, „I do it for you“ oder „Glenn Miller Parade“ von den Sankt Mangern. Ein rundes und schönes Konzert, als Abschluss der Festwochenkultur.

Mehr Bilder zur Festwochenkultur finden sie unter Fotostrecken.

Christine Tröger

Meistgelesen

Erlebnistag im Grünen Zentrum
Erlebnistag im Grünen Zentrum
Stadtgeschichte: Die Kemptener Illerbrücken im Wandel der Zeit Teil 2
Stadtgeschichte: Die Kemptener Illerbrücken im Wandel der Zeit Teil 2
Langjähriger Leiter der Arbeitsagentur offiziell verabschiedet
Langjähriger Leiter der Arbeitsagentur offiziell verabschiedet
Bienen sterben leise – ganze Völker gehen verloren
Bienen sterben leise – ganze Völker gehen verloren

Kommentare