Abenteuer in Afghanistan

Die Senioren der Pfarrei St. Blasius und Quirinus haben spontan für das „Irene-Salimi-Kinderhospital“ gespendet. Vom Senioren-Leitungsteam auf 600 Euro erhöht, übergibt Anna Kollroß die Spende an Werner Rauh. Foto: Scharrer

Es gibt nichts Gutes – außer man tut es. Mit dieser Lebensphilosophie Erich Kästners im Gepäck haben sich im Frühjahr 2010 sieben Oberallgäuer Handwerker und Helfer auf den Weg nach Afghanistan gemacht. Ziel ihrer – nicht ungefährlichen – Mission war die Hauptstadt Kabul, wo sie im „Irene Salimi-Kinderhospital für Orthopädie und Chirurgie“ eine solar-betriebene Kühl-Heizanlage im Auftrag der deutschen Georg Dechentreiter Wohlfahrt-Stiftung einbauten. Diese Maßnahme wurde dringend erforderlich, da in dem 1807 Meter ü. NN liegenden Kabul die Winter sehr kalt sind und deshalb in dieser Zeit nicht operiert werden konnte.

Wie dieses humanitäre Hilfsprojekt in Angriff genommen und trotz zahlreicher Unvorhersehbarkeiten – so fiel beispielsweise ein Materialcontainer in die Hände der Taliban und wurde verbrannt – einen guten Abschluss fand, darüber informierte Solar-Expeditionsteilnehmer Werner Rauh im Rahmen eines gutbesuchten Seniorennachmittags der Pfarrei St. Blasius und Quirinus in Dietmannsried. Im Kinderhospital werden mit afghanischen und deutschen Ärzteteams kranke und verletzte Kinder aus allen Teilen Afghanistans ohne ethnische oder geschlechtliche Diskriminierung behandelt und operiert. Außerdem bildet das Hospital junge Nachwuchsärzte und Krankenpfleger aus. Während der oft Wochen dauernden Gesundung erhalten die kleinen Patienten Schulunterricht und auch für ihre Mütter wird gesorgt. Angetan in landestypischer Gewandung berichtete nach Einstimmung mit afghanischer Musik Werner Rauh – unterstützt von acht kleinen Filmen und einigen Dias – von seinen ganz persönlichen Eindrücken, die er von Land und Leute im Verlauf seiner ehrenamtlichen Tätigkeit im Montage-Team gewinnen konnte. Die Zuhörer waren von den Schilderungen der für Europäer zum Teil noch mittelalterlich anmutenden Zustände in vielen Bereichen der täglichen Grundversorgung mit Brot, Fleisch und Mais, dann Behausung und sanitäre Verhältnisse, tief beeindruckt. Wie eine Oase des Glücks auf Zeit in dem vom Krieg gebeutelten Land erscheint dagegen das Kinderhospital, wo aus allen Provinzen Afghanistans kommende kranke Kinder ohne ortsübliche Schmiergeldzahlungen auf humanitärer Basis operative Hilfe nach deutschem Standard erhalten. Nicht ohne Schmunzeln wurden auch Alltagsprobleme der Afghanen und deren Lösungen präsentiert, etwa wie man denn eine vollverschleierte Frau kennenlernen kann, wenn von dieser nur die Füße zu sehen sind. Enormes Improvisationstalent wurde von den Handwerkern abverlangt hinsichtlich der Zusammenarbeit mit nicht ausgebildeten Bauhelfern vor Ort, was bedeutete, nach internationaler Gepflogenheit sich mit Händen und Füßen zu verständigen. Viel Improvisation war auch während täglich zwölf Stunden Arbeit nötig, etwa zwei übereinandergestellte Klinikbetten als Gerüst. Nach drei Monaten war der Auftrag ausgeführt – seit Juni 2010 liefern die 147 Sonnenkollektoren auf dem Dach heißes Wasser und Wärme. Fazit: „Statt einer Kreuzfahrt haben wir eben ein Abenteuer in Afghanistan erlebt“.

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