Verkehrsbeschränkung?

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Tempo-30-Zone, für LKWs gesperrt aber: Landwirtschaftlicher Verkehr frei – so zeigt sich die derzeitige Verkehrssituation an der Malstatt in Leubas. Während Landwirte auch weiterhin die Straße durch das Wohngebiet nutzen wollen fordert die Anwohnergemeinschaft „An der Malstatt“ den landwirtschaftlichen Transitverkehr auf die Leubaser Straße und Heisinger Straße zu verlagern.

Kempten – Schon seit Jahren existiert der Konflikt zwischen Landwirten und Anwohnern in der Malstatt in Leubas.

Während Landwirte aus dem Südosten von Leubas die Straße „An der Malstatt“ als Transitroute zu ihren Nutzflächen zwischen Haldenwang, Lauben und Dietmannsried befahren, wünschen sich die Anwohner dieser Straße, dass die landwirtschaftlichen Nutzfahrzeuge die Alternativroute über die Leubaser Straße und Heisinger Straße nutzen. Um dies zu unterstreichen fordert die Anwohnergemeinschaft das Zusatzschild „Landwirtschaftlicher Verkehr frei“ zu entfernen.

1100 Meter und ganz viel Emotionen. So könnte man den Konflikt um die Nutzung der Malstatt in Leubas als Transitroute für die Landwirtschaft umschreiben. Die eine Seite pocht darauf, dass sie diesen Weg schon seit ewiger Zeit genutzt hat – und weiterhin nutzen möchte. Die andere Seite macht deutlich, dass sich entlang der Malstatt ein Wohngebiet entwickelt hat, das auch von Seiten der Verkehrsführung entsprechend berücksichtigt werden sollte. Während von Seiten der Landwirtschaft eine Hetzkampagne gegen Bauern und deren Arbeit vermutet wird, fragen sich die Anwohner der Malstatt warum in dieser Straße, in der kein einziger landwirtschaftlicher Betrieb ansässig ist, landwirtschaftlicher Verkehr weiterhin gestattet sein soll.

Zu den Fakten: Die 500 Meter lange Straße „An der Malstatt“ ist Teil eines Wohngebietes und wird gerne von Autofahrern als Abkürzung ins Gewerbegebiet Daimlerstraße/Dieselstraße genutzt. Reine Wohngebiete sollten zum Wohle der dort lebenden Menschen von Durchgangsverkehr entlastet werden und so wurde die Malstatt in eine Tempo-30-Zone umgewidmet und die Durchfahrt für LKWs verboten. Trotz der dort geltenden Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometer pro Stunde werden in der Malstatt Raser mit Geschwindigkeiten von über 70 km/h registriert. Trotz des dort geltenden Durchfahrtsverbotes für Last-Kraft-Wagen über 3,5 Tonnen nutzt der eine oder andere LKW-Fahrer die Malstatt als Abkürzung ins Gewerbegebiet. All diese Verstöße lassen sich mit offiziellen Messungen der Stadt Kempten belegen. Von der Abzweigung Leubaser-Straße/An-der-Malstatt bis zur Abzweigung An-der-Malstatt/Heisinger-Straße fährt (oder läuft) man 500 Meter – für die Alternativroute über die Abzweigung Kaufbeurer-Straße/Heisinger-Straße braucht man 1600 Meter. Das sind 1100 Meter mehr.

Die längere Strecke hat aber auch Vorteile: Während bei der Abkürzung von der Leupolzer Straße durch die Malstatt in Richtung Heising dreimal abgebogen werden muss, benötigt das Befahren der längeren Strecke ein Abbiegemanöver weniger – und damit einmal Bremsen, Anhalten und Beschleunigen weniger. Und während die Leubaser Straße und die Heisinger Straße von der Bauweise her für viel Verkehr und für schwere Fahrzeuge ausgelegt sind, trifft das auf die Straße „An der Malstatt“ nicht zu. In einem Antrag an Politik und Verwaltung hat die Anwohnergemeinschaft Argumente für die Entfernung des Zusatzschildes „Landwirtschaftlicher Verkehr frei“ aufgeführt. Um die Forderung nach einem Ende des Transitverkehrs durch die Malstatt zu unterstreichen haben die Anwohner Schilder aufgestellt auf denen zu sehen ist wie sich ein Traktor mit einem wuchtigen Anhänger durch die verkehrsberuhigte Straße quält.

Michael Schropp

Kommentar: 

Große Fahrzeuge auf große Straßen

Nein, es geht hier nicht darum Landwirten ihre Arbeit unmöglich zu machen. Und es geht auch nicht darum, ob die energetische Verwertung von Mais in Biogasanlagen angesichts des Hungers in vielen Ländern Afrikas ethisch zu vertreten ist. Die Frage ist die, ob die immer größer werdenden landwirtschaftlichen Nutzfahrzeuge die Straße „An der Malstatt“ als Transitroute weiterhin nutzen müssen. Gäbe es keine Alternativroute wäre die Antwort ohne Zweifel „Ja“ – aber es gibt eine Alternative. Sowohl die Leubaser Straße als auch die Heisinger Straße sind gut ausgebaut und breit. Über diese Straßen fahren tagtäglich zahlreiche schwere Lastkraftwagen. Somit ist diese Route wie gemacht für große und schwere Traktoren samt Anhänger. Die Tempo-30-Regelung in der Malstatt hat den Sinn und Zweck die Geschwindigkeit zu drosseln und gleichzeitig Lärm- und Abgasemissionen zu reduzieren. Das gleiche Ziel verfolgt das Fahrverbot für Lastkraftwagen. Die Forderung der Anwohner, die Durchfahrt für den landwirtschaftlichen Verkehr zu sperren, ist somit verständlich. Es wäre so einfach, von Seiten der Landwirtschaft ein Zeichen des guten nachbarschaftlichen Miteinanders zu setzen: Große Fahrzeuge gehören auf große Straßen.

Michael Schropp

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