"Abnehmen und Sport treiben"

Dass Diabeteserkrankungen in den letzten Jahren zur Volkskrankheit avanciert sind, gilt nicht mehr als Geheimnis. Entsprechend groß war das Interesse beim 5. Allgäuer Diabetikertag im Kornhaus. Unter dem Motto „Diabetes auf den Punkt gebracht“ bot die Veranstaltung des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Kempten-Allgäu mit Infoständen und reihenweise Fachvorträgen nicht nur für bereits von der Erkrankung betroffene Besucher Wissenswertes.

So stand unter anderem die richtige Ernährung ebenso auf der Agenda wie die Problematik von Unterzucker oder schwankendem Zuckerspiegel bis zur optimalen Insulintherapie – besonders für an Diabetes Typ1 Erkrankte ein wichtiger Punkt. Beliebt war der „Parcours der Sinne“, bei dem spielerisch die bei Diabetikern besonders gefährdeten Gefäße, Füße und Augen getestet werden konnten. Die erste Station forderte zum „Schmecken mit unserer Zunge“ auf. Zur Auswahl standen Gurken und Tomaten einmal mit, einmal ohne Salz, fettreicher und –armer Käse sowie Fruchtaufstriche stark oder schwach gesüßt. Was für Nicht-Diabetiker selbstverständlich zu erschmecken ist, können viele Diabetiker aufgrund von Folgeschädigungen nicht mehr unterscheiden. Beim „Tasten mit unseren Füßen“ galt es, barfüßig die Füllungen Stroh, Kiesel, Sand und Matte von vier aneinander gereihten Kissen zu erkennen. Es sei besonders wichtig, „dass die Empfindungsfähigkeit erhalten bleibt“, erklärte Dr. Dorothea Schupp vom MVZ, da die „Schmerz- und Temperaturempfindlichkeit mit der Zeit verloren geht“. Deshalb sei es wichtig, dass Diabetiker ihre Füße täglich auf Verletzungen hin kontrollieren, die sie oft nicht mehr spüren würden. Beim „Sehen mit unseren Augen“ konnte man mit Spezialbrillen erleben, wie sich normale Alterskurzsichtigkeit vom „Grünen Star“ mit seinem tunnelartig eingeschränkten Sichtfeld oder dem „Grauen Star“, unterscheidet. Oft verharmlosend als „Alterszucker“ bezeichnet, seien beim Diabetes Typ2 die gleichen Folgerisiken gegeben wie bei Typ1, warnte Dr. Reinhard Hettich vom MVZ gegenüber dem KREISBOTEN vor einem zu laxen Umgang damit. „Wenn einer das Etikett Diabetiker bekommt“, bedeute das vor allem bei Typ2 in der Regel „Abnehmen und Sport treiben“. Viele schafften das aber nicht und bevorzugten die Einnahme von Tabletten. „Es braucht schon eine gewisse Disziplin als Diabetiker“, wies Hettich auf die Notwendigkeit hin, die Leute dafür zu sensibilisieren. Neue Ernährungs-Lehre Dabei sei es oft nur eine Frage der Wahl. „Ein ganzes Schnitzel entspricht im Fettgehalt einem kleinen Stück Currywurst“, verdeutlichte er, woran es bei den meist übergewichtigen Typ2-Diabetikern hapert. Neu würden heute nur mehr drei statt der bisher fünf Mahlzeiten pro Tag empfohlen. Auch gehe es nicht um „null Zucker“, sondern einfach weniger zu sich zu nehmen. Als extrem wichtig erachtete auch Hettich das Thema Füße. Der Fuß werde nämlich „taub oder pelzig“, was soweit führe, dass Betroffene über heißen Teer oder Scherben laufen könnten ohne es zu merken. An Diabetes selbst sterbe keiner, fügte er an, „die Füße begrenzen das Leben von Diabetikern“ durch Blutvergiftung nach Verletzung. Deshalb seien auch die richtigen Schuhe „enorm wichtig“, betonte er.

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