Abreißen und neu aufbauen

Bauschutt, kaputte Treppen, Tauben und Dreck – so sieht das Sudhaus von innen aus. Foto: Läufle

Außen hui, innen pfui – so könnte man den Zustand des Sudhauses auf dem Brauhaus-Gelände beschreiben. Für die Entwicklung des Geländes stellt das Sudhaus in diesem Zustand ein echtes Hindernis dar. Deshalb beantragten die Projektentwickler, die G&G Projektentwicklung GmbH & Co. KG, dass sie das markante Gebäude nun doch abreißen dürfen, jedoch wollen sie es um vier Meter gen Süden verschoben mit gleicher Gestaltung und Baukörperform wieder aufbauen. Abgestimmt wurde über den Antrag noch nicht, die Mitglieder des Bauausschusses durften sich aber vor Ort vom Zustand des Hauses überzeugen. Damit auch die Kemptener Bürger sich ein Bild machen können, bietet der Architekt am kommenden Samstag Führungen durch das Sudhaus an.

„Die Planungen für das Brauhaus-Gelände werden durch das Sudhaus enorm erschwert“, betonte Architekt Klaus Kehrbaum vor Ort. Das Sudhaus sei im Jahr 1904 als Maschinenhalle gebaut worden und im Zuge der wechselnden Nutzungen ständig umgebaut worden. Innen habe es keine Struktur mehr und sei daher aus seiner Sicht nicht erhaltenswert. Um es nutzbar zu machen, „müssten wir es komplett zurückbauen“, erklärte der Architekt. Außerdem stellt das bestehende Gebäude im Rahmen der Baumaßnahmen für die geplante Tiefgarage eine erhebliche Erschwernis dar und würde enorme, nicht zumutbare Mehrkosten verursachen. An seinem derzeitigen Standort werfe das Sudhaus zudem Schatten auf das gegenüber vorgesehene Haus und mache damit eine Wohnnutzung unmöglich. Originaler Nachbau „Ich verstehe, dass die Bürger wollen, dass das Sudhaus erhalten bleibt“, betonte Kehrbaum. Allerdings sei es hauptsächlich das neubarocke Erscheinungsbild der West- und Nordfassade, die den Ort seit Jahrzehnte präge. Die Fassade des Sudhauses würde eins zu eins wieder hergestellt, „wenn Sie uns gestatten, das Gebäude vier Meter zurückversetzt wieder aufzubauen“, versprach Kehrbaum. Das das dann auch wirklich geschieht, würde durch einen Vertrag festgelegt werden. Bei einer Führung durch das Sudhaus veranschaulichte er den Bauausschussmitgliedern die Problematik. Hans Mangold (Grüne) konnte sich mit dem Vorschlag der Projektentwickler anfreunden. „Ich kann das fachlich nachvollziehen, dass das Haus so nicht genutzt werden kann“, meinte er. Dass die Fassaden bei einem Neuaufbau wieder hergestellt werden bezeichnete er als „gute Lösung“. „Damit gibt es dem Quartier weiterhin ein Gesicht.“ OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) zeigte nochmals die Problematik auf. Das Ziel sei, dass das Erscheinungsbild erhalten bleibe. Es stelle sich die Frage, ob dafür das Sudhaus über die Erhaltungssatzung zwingend erhalten werden muss, oder ob es reiche die Kubatur und die beiden Hauptfassaden wieder aufzubauen. Führung am Samstag Eine Entscheidung ist vergangene Woche im Bauausschuss noch nicht gefallen. Vielmehr sollen sich zunächst auch die Kemptener Bürger vom Zustand des Gebäudes überzeugen können. Architekt Klaus Kehrbaum bietet daher am kommenden Samstag, 21. Mai, Führungen durch das Sudhaus an. Aufgrund des baulichen Zustandes des Gebäudes wird allerdings in Gruppen geführt. Treffpunkt für Interessierte ist entweder vormittags zwischen 10 und 11 Uhr oder nachmittags zwischen 14 und 15 Uhr vor dem Sudhaus.

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