Kein Jazzfrühling 2020

Absage an Absage prägt derzeit nicht nur Kemptens Kulturleben

+

Kempten – Das Prinzip Hoffnung hatte der Kleinkunstverein Klecks für die Durchführung des 36. Kemptener Jazzfrühlings bis zuletzt hoch gehalten.

Vergangenen Montag wurde ihr von behördlicher Seite ein Ende gesetzt:

Wie der Verein in einer Pressemitteilung bekannt gab, hat er die aufgrund der Entwicklung von COVID-19 und der hierzu getroffenen Maßnahmen „klare Anweisung“ erhalten, „dass der Kemptener Jazzfrühling für dieses Jahr leider abgesagt werden muss“. Damit findet der Kemptener Jazzfrühling erstmals seit 1985 nicht statt. Auch wenn der Arbeitskreis Jazzfrühling bereits „unglaublich viel Arbeit in die Vorbereitungen“ gesteckt habe, verstehe er die Entscheidung. Dass die Entscheidung „richtig“ ist, sagt auch Andreas Schütz, einer der Booker des Jazzfrühling-Teams, auch wenn es „uns schon hart trifft“. Zwar komme man aus den meisten Verträgen mit den Musikern heraus, da dies Absagen aufgrund „höherer Gewalt“ seien. Ein sattes Defizit erwartet Schütz dennoch. Schließlich „haben wir 5000 Programmbücher im Keller liegen“, nennt er im Gespräch mit dem Kreisbote nur einen der zu zahlenden Posten. 

Er spricht von einem „satten fünfstelligen Betrag, auf dem wir sitzen bleiben“, die der Verein unter anderem mit Spenden und Förderungen aufzufangen hofft. Kulturamtsleiter Martin Fink sieht natürlich auch „die Stadt in der Pflicht“, kulturellen Mitspielern wie jetzt beim Jazzfrühling zur Seite zu stehen. „Nicht denkbar“ sei es, so Schütz, das Jazzfestival in dieser Saison noch zu verschieben. Umso mehr freut ihn, dass im nächsten Jahr voraussichtlich viele der jetzt abgesagten Künstler noch kommen können, zum Beispiel Kinga Glyk. Insgesamt hätten die MusikerInnen für die Absagen Verständnis gezeigt, erzählt Schütz, wenngleich viele emotionale Reaktionen dabeigewesen seien. Man merke, „es wird für viele schon eng“, vor allem bei denen, die von Live-Gigs leben. 

Kartenrückgabe

Bereits erworbene Eintrittskarten können an der Vorverkaufsstelle zurückgegeben werden, wo sie erworben wurden. Nicht zurückgegebene Karten fließen in den Topf zur Begleichung des Defizits, meint Schütz schmunzelnd. Mitgliedergutscheine gelten für ein Konzert beim APC-Sommer nach Wahl, betonte Schütz abschließend. 

Bis Pfingsten keine kulturellen Veranstaltungen

Nicht nur die Absage des Kemptener Jazzfrühlings liefert einen deutlichen Hinweis auf das Corona bedingte Vakuum in Kemptens kulturellem Leben. Unter anderem das Kulturamt bastelt derzeit an Möglichkeiten wie es nach dem „ShutDown“ weitergehen könnte – zum Beispiel anfangs mit Einlassbeschränkungen in der Bibliothek und in den Museen, so der Kulturamtsleiter, – oder wie die Zeit bis dahin kulturell wenigstens ein bisschen gefüllt werden könnte. So soll laut Fink „ein digitales Kulturformat“ entwickelt werden, das zu Kempten passt und „schnell umsetzbar ist“, denn „kulturelle Veranstaltungen sind allesamt bis Pfingsten abgesagt“. Für die Veranstaltungen ab Juni sollen die Planungen aber weiter laufen, gegebenfalls situationsgerecht modifiziert, blickt Fink zuversichtlich voraus. 

Christine Tröger

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

29-jährige Oberallgäuerin vermisst
29-jährige Oberallgäuerin vermisst
Aktuelle Infos zum Corona-Virus in Kempten und im Oberallgäu
Aktuelle Infos zum Corona-Virus in Kempten und im Oberallgäu
Wie sieht die Zukunft der Allgäuhalle aus?
Wie sieht die Zukunft der Allgäuhalle aus?
Stadtrat bringt Bauvorhaben auf den Weg – Siegerentwurf findet Gefallen
Stadtrat bringt Bauvorhaben auf den Weg – Siegerentwurf findet Gefallen

Kommentare