Gelungener Abschluss des Interkulturellen Herbstes 2016

Paris in Love und im Haus International

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Julia Kempken, Stepptänzerin, Chansonsängerin, Schauspielerin der Sonderklasse.

Kempten – Einen beschwingteren Abschluss des Interkulturellen Herbstes 2016 hätte das Organisationsteam den Gästen wohl nicht bescheren können: Drei absolute Bühnenprofis aus Nürnberg verführten das Publikum im Haus International ins Paris der 20er Jahre des verflossenen Jahrhunderts.

Cole Porter und George Gershwin haben damals, von der Lichterstadt inspiriert, in Paris ihre unvergänglichen Songs komponiert. Die französischen Sinti und Roma, allen voran der legendäre Django Reinhardt, spielten in den Cafés den Gipsy Swing, Edith Piaf hatte ihre Glanzzeit als Chansonsängerin.

Aus diesem reichen Fundus schöpfte Stefan Grasse, offensichtlich „in Love“ mit seiner Gitarre. Für diesen besonderen Abend in weißem Jackett mit schwarzer Fliege, war der weitgereiste Konzertgitarrist der perfekte Interpret klassischer Valse musette und einer selbstkomponierten „Brise Parisienne“. Sogar Eric Sati, ein Kabarettmusiker, wurde gewürdigt mit einem ruhigen Stück träumerisch fließender Akkorde. „In Love“ mit ihrem Instrument, dem Akkordeon, ist unverkennbar auch Bettina Ostermeier. Ein wenig im Hintergrund platziert, war sie die große Könnerin und ideale Begleitung für Lieder wie „Summertime“ aus Gershwins Oper „Porgy and Bess“. Geredet hat sie nichts an diesem Abend, sie legte ihre ganze Ausdruckskraft und emotionale Tiefe in die Musik.

Und dann Julia Kempken, die hinreißende Tänzerin, Sängerin, Schauspielerin! Das Publikum fiel umgehend „in Love“ mit dieser zierlichen Frau im Outfit der Goldenen Zwanziger: enggeschnürtes Mieder, kesses Röckchen, Ringelpulli und Nylons mit Naht – perfekt. Mit ihrer kräftigen Altstimme wagte sie sich auch an Piafs „Sous les ciels de Paris“ und „La vie en rose“ – einfühlsam dargebracht, herzerwärmend und zum Mitsummen. Die Stöckel tauschte sie schnell in Stepptanzschuhe und im Tanz entfaltete sich ihr unglaubliches Talent. Nie hatte das Attribut „leichtfüßig“ größere Berechtigung – rhythmisch klapperten und klopften, pochten und pulsierten die harten Absätze. Mal dramatisch mal schmelzend trug sie ihre Lieder vor, mal auf Englisch, mal Französisch. Sie traute sich auch komisch zu sein und wirbelte wie von Pariser Luft beschwingt als Star über die Bühne.

Ganz am Schluss dieses nostalgischen Abends wurde es dann doch noch weihnachtlich: „Maria durch ein Dornwald ging“ mit Jazzgitarre, Akkordeon, begleitet von Stepptanz? Kann das gut gehen? Es konnte und gelang verblüffend gut!

Elisabeth Brock

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