Abstrakte Diskussion

Um „weibliche Identitätsfindung“, Flucht vor der Normalität, Schutzräume, um Freiheit und Domestizierung geht es laut Alexandra Vogt in ihrer Fotoserie, an der sie eine Woche lang im Rahmen der Kunstaktion „Horses in Residence“ (der KREISBOTE berichtete) in Kempten weiter gearbeitet hat. Mitte der Woche hatte das Kemptener Kulturamt Kunstschaffende, -machende und –interessierte an die Aktionsbasis im Residenzhof eingeladen, um über das Werk zu diskutieren.

Erste Kostproben der aktuellsten Arbeit gab es allerdings nicht zu sehen. Die sollten dem Ende der Kunstaktion vorbehalten bleiben, die mit der Finissage der 60. Festwochen-Kunstausstellung am Sonntagabend endete. Eine Kunstdiskussion also, die inhaltlich so abstrakt blieb wie das zu diskutierende Objekt selbst. Umgeben von ihren Pferden deutlich entspannter, wirkte Vogt zeitweise fast gestresst, ihre Intentionen über Allgemeinplätze hinaus zu erklären. Vielleicht weil vieles schlicht aus dem Bauch heraus entsteht und sich dem Intellekt entzieht? Das „autobiographische“, das sie der Fotoserie zuschrieb, blieb jedenfalls eher unpersönlich und austauschbar. Auch wenn nicht jeder der Teilnehmer etwas mit dem Thema Pferd anzufangen wusste oder gar die Verbindung Pferd mit Weiblichkeit und Sexualität nachvollzog, war das Interesse an Vogts extravaganter Art sich künstlerisch auszudrücken deutlich. So entspann sich unter anderem ein angeregter Austausch über die Funktion der Textilien, mit denen die Künstlerin ihre Pferde gern verfremdet. Für sie eine Anspielung auf die Domestizierung, mit der sie zeigen wolle, „dass man denen etwas überstülpt“, erläuterte sie das „weibliche Thema“. Eher „martialisch als weiblich“ empfand dagegen eine Teilnehmerin die Umsetzung, auf die die Kleidung hier eher wirkte wie eine „Rüstung nur aus anderem Material“. Der Feststellung von Helmuth Domnik, Vorsitzender des Berufsverbands Bildender Künstler (BBK) Schwaben-Süd, dass die Kunst wie Vogt sie hier praktiziere, über die Öffentlichkeit definiert werden müsse, pflichtete Rudolf Sagmeister, Kurator am Kunsthaus Bregenz (KUB) bei. „Der Rezipient ist selbst aufgefordert aktiv zu werden, oder eben nicht“, meinte er. Der Kunstaktion eine „politische“ Bedeutung zu geben, wie sie die Münchner Philosophin Claudia Fischer hinein interpretierte, stieß allerdings auf wenig Resonanz. Eher „philosophisch“, im Sinne einer „Demonstration von Freiheit gegen zu viele Regeln“, betrachtete es eine Künstlerkollegin Vogts. Aber wie Sagmeister zu Beginn der Gesprächsrunde schon bemerkt hatte: „Kunst sollte anregend sein im weitesten Sinne“.

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